Lawinen-Unglück Zwei Südwest-Bergsteiger sterben in Neuseeland

Lawine überlebt: Joanne Morgan mit ihrem Mann Gareth.
Lawine überlebt: Joanne Morgan mit ihrem Mann Gareth. © Foto: Hagen Hopkins/Getty Images
Christchurch / Sissi Stein-Abel 02.11.2018

Ein 58-jähriger Bergführer aus Ulm und ein 50-Jähriger aus Tübingen sind am Mt. Hicks im Mt. Cook-Nationalpark in Neuseeland ums Leben gekommen. Die Frau, die die beiden zum Gipfel geführt hatten, überlebte wie durch ein Wunder unverletzt.

Bei der Tour am 3216 Meter hohen Mt. Hicks, Nachbarberg des Mt. Cook, der mit 3724 Metern der höchste Gipfel in Neuseeland ist, war der 50-Jährige als Helfer des Ulmers unterwegs. Diese Unterstützung sei nötig gewesen, weil die Besteigung dieses Bergs auch für die erfahrensten Kletterer eine Herausforderung darstelle, sagte Jane Morris von der neuseeländischen Bergführer-Vereinigung.

Das deutsche Duo führte eine landesweit bekannte Neuseeländerin zum Gipfel. Jo (Joanne) Morgan ist die Ehefrau des steinreichen Investmentmanagers und Philanthropen Gareth Morgan, der bei den Parlamentswahlen vor einem Jahr – erfolglos – mit einer eigenen Partei antrat.

Jo Morgan gilt als erfahrene Bergsteigerin. Der Mt. Hicks war der vorletzte Berg in der Liste der 24 Dreitausender Neuseelands, die sie bezwungen hatte. Ihr Bergführer, der Ulmer, der 2007 nach Neuseeland kam, hatte sie auch schon auf den 22 vorangegangenen Touren begleitet. Der Tübinger Bergsteiger war 1999 nach Neuseeland ausgewandert.

Das größte Problem bei der Besteigung vergangenen Sonntag war der Neuschnee. Bis zu einer Schutzhütte oberhalb des Hooker-Gletschers hatte es das Trio geschafft. Dort saß es dann aufgrund miserablen Wetters fest. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch ging dann der Aufstieg weiter, weil besseres Wetter vorhergesagt war. Um 2 Uhr nachts erreichten die Bergsteiger den Gipfel und stiegen an der Südwest-Kante wieder ab. Um 5.30 Uhr brach die Lawine los.

Während die beiden Deutschen tief unter dem Schnee begraben wurden und später nur noch tot geborgen werden konnten, überlebte Jo Morgan wie durch ein Wunder, aber auch dank ihres Trainings. „Ich habe mit den Armen Schwimmbewegungen gemacht, dadurch konnte ich mich nahe an der Oberfläche halten“, erzählte sie dem Fernsehsender Newshub. Morgan konnte ihren Rettungssender aktivieren und sich freigraben.

Retter schnell vor Ort

Ein Rettungsteam war schon nach zwei Stunden da. Den beiden Bergsteigern aus Tübingen und Ulm konnte es aber nicht mehr helfen.

Als die Bergsteiger in die Tiefe gerissen wurden, waren sie an einem Sicherungsseil verbunden. „Wir waren alle unter den Schneemassen begraben, aber mein Gesicht war außerhalb, deshalb konnte ich weiteratmen“, sagte Jo Morgan später. „Wir haben nichts Törichtes getan. Aber wir haben einen Hang betreten, der mit jener Art Schnee bedeckt war, auf dem man Lawinen lostreten kann.“

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