Singen/Hohentwiel Zug kollidiert mit Schafherde – 45 Tiere tot

Die Regionalbahn, die mit der Schafherde kollidierte.
Die Regionalbahn, die mit der Schafherde kollidierte. © Foto: dpa
Singen/Hohentwiel / Petra Walheim 06.06.2018
Am Mittwochmittag kollidierte ein Zug mit einer Schafherde. Fahrgäste und Lokführer blieben unverletzt.

Diesmal war es nicht ein Wolf, der Schafe erwischt hat. Am Mittwochmittag war es ein Zug, der bei Singen/ Hohentwiel (Kreis Konstanz) in die auf den Gleisen stehenden Schafe gefahren ist. Nach Angaben der Bundespolizei wurden 49 Tiere getötet. Die vier Fahrgäste im Zug und der Lokführer blieben unverletzt.

Es war der erste Zug an diesem Morgen. Fahrplanmäßig ist er um 4.39 Uhr im Singener Bahnhof mit dem Ziel Engen abgefahren. Schon eine Minute später, gegen 4.40 Uhr, traf er etwa auf Höhe des ersten Haltepunktes Landesgartenschau auf die Schafe. Nach Angaben von Christian Werle, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Konstanz, hat der Lokführer noch eine Notbremsung eingeleitet, doch es reichte nicht mehr. „Der Zug hat die Schafe auf den Gleisen überfahren“, sagt Werle. 49 Tiere wurden getötet.

Wie schnell der Zug nach der Bremsung noch gefahren ist, wird noch ermittelt.

Nach Angaben der Polizei hat ein Großteil der Herde aus 450 Tieren in der Nacht das mit einem Elektrozaun gesicherte Weidegelände verlassen. Wie das möglich war, „ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen“, heißt es in einer Mitteilung der Bundespolizei. „Der Elektrozaun sollte genau solche Situationen verhindern, und auch einen Schutz vor dem Wolf bieten“, sagt Werle.

Mit ihrer Freiheit wussten die Schafe nichts Besseres anzufangen, als auf die Gleise der nahe der Weide gelegenen Bahnstrecke Singen-Engen zu traben. Nach dem Unglück wurde sofort der Schäfer alarmiert, der offenbar bekannt ist. Er sammelte die noch frei umherlaufenden Tiere ein. Die toten Schafe wurden von der Tierrettung Südbaden geborgen. An der Lok entstand Sachschaden. Die gesamte Schadenshöhe – auch durch den Verlust der Tiere – wird noch ermittelt.

Auf der Strecke zwischen Konstanz und Engen bedient der Zug, der Seehas getauft wurde, 16 Haltestellen und fährt die Strecke von 44 Kilometern in 50 Minuten. Am Mittwochmorgen war die Strecke bis kurz nach 6 Uhr komplett gesperrt. Ein Ersatzverkehr wurde eingerichtet.

Im Vergleich zum Zugunglück vom 26. April 2008 bei Fulda, ist dieser Unfall glimpflich ausgegangen. Damals war ein ICE mit 148 Passagieren an Bord und Tempo 210 im Landrücken-Tunnel, dem längsten Tunnel Deutschlands, mit einer Schafherde kollidiert. Der Zug entgleiste, 21 Reisende und der Lokführer wurden schwer verletzt, weitere 13 Reisende und vier Mitarbeiter des Bordrestaurants wurden leicht verletzt. 20 Schafe wurden getötet. Der Sachschaden am Zug und an der Bahnanlage betrug damals mehr als 10 Millionen Euro. Die Ermittlungen ergaben, dass offenbar Hunde die Herde aufgeschreckt und in den Tunnel getrieben hatten.

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