Semesterstart Baden-Württemberg: Wohnungssuche wird immer schwieriger

Mehrere Wohnungsgesuche hängen am Schwarzen Brett einer Universität. Die Wohnungssuche gestaltet sich zu Beginn des Wintersemesters für Studenten ganz unterschiedlich.
Mehrere Wohnungsgesuche hängen am Schwarzen Brett einer Universität. Die Wohnungssuche gestaltet sich zu Beginn des Wintersemesters für Studenten ganz unterschiedlich. © Foto: Felix Kästle
Ulm / AB 03.09.2018

Die Wohnungssuche für Studierende in Baden-Württemberg wird immer schwieriger. Die Situation im Land spiegelt dabei die im gesamten Bundesgebiet.

Zum sechsten Mal führte das Moses Mendelssohln Institut in Kooperation mit dem Immobilienportal WG-Gesucht.de eine detaillierte Untersuchung zur Wohnungslage in 96 Hochschul-Standorten mit mindestens 5000 Studierenden durch. Das Ergebnis zeigt: Die Lage spitzt sich weiter zu.

Die kritischsten Städte

Rang 1 wird weiterhin von München gehalten – mit einer Punktzahl von 79. Die WG-Mieten steigen hier auf durchschnittlich 600 Euro.

Dicht gefolgt von Hamburg auf Rang 2 und Stuttgart auf Rang 3 mit jeweils 76 Punkten. Hier zahlen Studenten durchschnittlich 450 Euro für ein WG-Zimmer.

Der Stuttgarter Wert stieg im Vergleich zum Vorjahr um 2 Punkte.

Die größte Veränderung im Vergleich zum Vorjahr zeigt sich in Berlin. Dort stiegt der Wert um satte 4 Punkte, von 63 auf 67 Punkte.

Auch die baden-württembergischen Städte Tübingen (65,5 Punkte), Freiburg (64,5 Punkte), Konstanz (61 Punkte), Heidelberg (55 Punkte), Karlsruhe (53,5 Punkte) und Mannheim (52 Punkte) erzielen über 50 Punkte und gestalten sich daher besonders schwierig bei der Wohnungssuche.

Mannheim liegt erst seit diesem Jahr im Bereich der Städte mit über 50 Anspannungspunkten. Der Anspannungsindex stieg im Vergleich zum Vorjahr um 3 Punkte.

Ulm in den Top 20

In Ulm hat sich die Lage dem Index zufolge ein wenig entspannt, wenngleich auch die Donaustadt weiter eine große Zahl an wohnungssuchenden Studenten hat. Mit einem Anspannungsindex von 47,5 Punkten sank der Wert im Vergleich zum Vorjahr um einen Punkt, dennoch befindet sich die Stadt nur knapp unter der 50-Punkte-Marke und muss daher weiter scharf beobachtet werden. Aktuell liegt sie auf Platz 20.

Gründe für die wachsende kritische Lage

Allgemein gilt: Die zunehmende Nachfrage, steigende Preise und das mangelnde Angebot an Wohnmöglichkeiten führen zu dieser Steigerung.

Auffällig ist auch die unterschiedliche Entwicklung der Hochschulstädte. „Wir haben auf der einen Seite gefragte Standorte, in denen die Studierendenzahlen und die WG-Preise steigen, während deutlich günstigere Standorte trotz des Kostenvorteils weniger gefragt sind“ - erläutert Dr. Stefan Brauckmann, Direktor des Moses Mendelssohn Instituts.

Städte mit einer gesunden Wirtschaft und einer hohen Attraktivität ziehen nicht nur Studenten an, auch Auszubildende, Berufseinsteiger oder Pendler suchen nach WG-Zimmern. Somit steigt die Konkurrenz für die Studenten.

Auch innerhalb der Städte entwickeln sich die Preise unterschiedlich. „Studierende haben ganz genaue Vorstellung von ihrem Lebensumfeld“ - so Brauckmann. Für eine Lage, mit entsprechendem Angebot an Kultur, Kneipen und Bars sind sie bereit Kompromisse und Abstriche bei Größe oder Ausstattung zu machen.

Bafög und Wohnheime sorgen kaum für Entspannung

Subventionierte Unterkünfte wie Wohnheime stehen nicht einmal für jeden zehnten Student zur Verfügung. Daher sorgen diese nur in geringem Maß für eine Einspannung auf dem Wohnungsmarkt.

Auch die finanzielle Unterstützung durch den Staat, zum Beispiel in Form von BAföG, sorgt nur für geringe Entlastung für Studierende.

In nur vier Bundesländern liegt die monatliche Miete für ein WG-Zimmer bei höchstens 250 Euro. Laut BAföG-Satz ist dies die offizielle Wohnkostenpauschale. Im bundesweiten Durchschnitt liegt die monatliche Miete bei 363 Euro, also mehr als 100 Euro über dem angesetzten BAföG Budget.

So wird das Anspannungs-Scoring ermittelt:

Der sogenannte Anspannungsindex vergibt Punkte. Dadurch kann jede Stadt, je nach Punkteanzahl, Kategorien zugeordnet werden. Die Skala reicht von 0 bis 100.

Über 50 Punkte

Städte mit einer Punktzahl von mehr als 50 Punkten gelten als besonders kritisch. In der diesjährigen Untersuchung erreichen 17 Städte diese Anspannungs-Punktezahl.

35-50 Punkte

36 Hochschul-Städte fallen in den Bereich mit 35 - 50 Punkten. Diese Städte haben ein hohes Risiko in den kritischen Bereich zu fallen.

25-25 Punkte

Entspannter – aber nicht einfach, wird es für Studierende in Städten mit einem Anspannungs-Wert zwischen 25 und 35 Punkten.

Unter 25 Punkte

Die letzte Kategorie bilden Städte mit einer Punktzahl von unter 25 Punkten. Hier müssen Studierende sich weniger Sorgen um ihre Wohnsituation machen.

Im bundesweiten Vergleich stieg der Index von 37,7 auf 37,9 Punkte.

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