Baden-Württemberg / Jens Schmitz  Uhr
Der Schwarzwaldverein ist gegen die Rückkehr des Wolfes nach Baden-Württemberg. Wieso die Naturschützer um den Tourismus im Südwesten fürchten, erfahrt ihr hier.

Der Schwarzwaldverein ist gegen die Rückkehr des Wolfs ins südwestdeutsche Mittelgebirge. In einem Positionspapier fordert der Wanderverein, den Schutzstatus des Räubers  zu überprüfen und ihn ins Jagdrecht aufzunehmen. „Unsere allergrößte Sorge ist der Erhalt der Kulturlandschaft als wirtschaftliche Grundlage für die Landwirtschaft und für den Tourismus“, sagte Präsident Georg Keller am Montag. „Wenn die Beweidung der Landschaft zurückgeht, weil immer mehr Landwirte ihre Arbeit einstellen, wird der Schwarzwald seine Anziehungskraft verlieren.“   Auch aus Sicht des Naturschutzes dürfe die vorhandene Vielfalt nicht einer zuwandernden Einzelart geopfert werden.

Die Rückkehr des Wolfs gefährdet Wirtschaft und Ökosysteme

Der 65.000 Mitglieder starke Verein sieht Wandern, Naturschutz und den Erhalt der abwechslungsreichen Landschaft als seine Schwerpunkte. Er betreut mehr als 24.000 Kilometer an Wanderwegen und  warnt vor einer großräumigen Beeinträchtigung dieser Infrastruktur. Der Hauptvorstand der 220 eigenständigen Ortsvereine ist aber auch überzeugt, dass eine flächendeckende Rückkehr des Wolfs Wirtschaft und Ökosysteme gefährdet.

Wenn Wölfe Schafe oder andere Nutztiere reißen, soll der Abschuss der Raubtiere einfacher werden. Das will das Bundesumweltministerium beschließen.

„Wolfssicher eingezäunte Weideflächen führen zu unüberwindbaren Barrieren und zur Zerschneidung der freien Landschaft“, sagte Keller. Das gelte nicht nur für Wanderer, sondern auch für andere Tierarten. Die empfohlenen Herdenschutzmaßnahmen bezeichnete der Präsident als unangemessen und nicht durchsetzbar. Zum einen seien Topographie und Böden im Schwarzwald für Zäunungen ungeeignet, zum anderen könnten Nebenerwerbslandwirte sie oft nicht leisten. Im Blick auf diese Berufsgruppe stuft der Verein auch Schutzhunde als zu aufwendig ein. Sie schädigten überdies den Ruf der Wanderregion.

 „Es sollte uns eigentlich froh machen, dass ein vertriebenes Wildtier nach langer Zeit in seinen Lebensraum zurückkehrt“, erklärte Keller. „Doch für den Schwarzwaldverein steht fest: In unserer Kulturlandschaft muss die Weidetierhaltung Vorrang vor dem Wolf haben.“ 

Die Gesellschaft sei aufgefordert, „geeignete Lebensräume für Wölfe in Deutschland, gegebenenfalls auch in Verbindung mit europäischen Nachbarländern zu finden“, stellt das Positionspapier fest. Keller hält den Schwarzwald und Baden-Württemberg für zu dicht besiedelt. „Ein Nebeneinander von Wolf und Weidetieren kann es nicht geben.“

Wolf soll ins Jagdrecht übernommen werden

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Ausbreitung des Wolfs fordert der Verein, den Schutzstatus der Tiere in Europa und insbesondere in Deutschland zu überprüfen. In Baden-Württemberg sollen sie ins Jagdrecht übernommen werden, und zwar zunächst ins Schutz-, später ins Nutzungsmanagement für Arten, „deren Regulation zum Schutz anderer Rechtsgüter geeignet oder erforderlich ist“.

Beim Bejagungsmodell empfiehlt der Schwarzwaldverein einen Blick auf so genannte Rotwild-Gebiete.  Die Jagd unterliegt dort bestimmten Regulierungen. Außerhalb sollen wandernde Einzelwölfe während der Jagdzeit zum Abschuss frei sein – auch um die Scheu zu erhalten.

Schwarzwaldverein fordert Entschädigungen nach Ertragswert

Im Hinblick auf Landwirte verlangt der Schwarzwaldverein, dass das Land für sämtliche Präventionsmaßnahmen inklusive Arbeitszeit aufkommt, ebenso für Entschädigungen nach Ertragswert. Dies soll auch außerhalb ausgewiesener Wolfsgebiete gelten. Landwirte müssten außerdem von Haftungsansprüchen befreit sein, falls Weidetiere infolge eines Wolfsangriffs Schäden verursachen.

 „Wir betrachten schon mit Sorge das Ränkespiel zwischen Umweltministerium und Ministerium für Ländlichen Raum hier in Baden-Württemberg“, ergänzte Geschäftsführer Mirko Bastian mit Blick auf politische Zuständigkeitsdebatten. „Wir sind seit gut einer Dekade Wolfserwartungsland. Die Politik wäre schon in den letzten zehn Jahren aufgerufen gewesen, sich hier vorbereitend um Lösungen zu kümmern.“

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