Wie leben die Menschen im Land miteinander? Wo gibt es Brüche? Zwei neue Projekte der Landesregierung sollen Bürgern Informationen erschließen, aber auch Kriterien schaffen, an denen sich Gesellschaftspolitik misst. „Wir setzen uns sozusagen selber unter Druck“, sagte Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) am Montag in Stuttgart.

Wie viele Kinder sind von Armut bedroht? Wie steht es ums Thema Pflege, um  das Miteinander der Generationen? Zu solchen Fragen gibt es detaillierte Statistik, aber auch Wahrnehmungen, die nicht unbedingt den Zahlen entsprechen.

Zusammen mit dem Statistischen Landesamt und der Bertelsmann Stiftung versucht das Sozialministerium deshalb den Brückenschlag: Ein Online-Portal und eine Bevölkerungsumfrage sollen sich zu Gesellschaftsbildern ergänzen.

Seit Montag finden  Interessierte Daten zu zentralen sozialen Themenfeldern in einem Web-Angebot: „Gesellschaftsmonitoring Baden-Württemberg“ stellt Informationen aus knapp 50 fachspezifischen Quellen benutzerfreundlich dar. Zu vielen Aspekten gibt es auch Grafiken und kurze Zusammenfassungen.

Gleichzeitig läuft eine repräsentative Umfrage, die Infratest-Dimap im Auftrag der Bertelsmann Stiftung unternimmt. Hier geht es um das subjektive Empfinden der Menschen. Gefragt wird überwiegend nach der Situation in der eigenen Wohngegend. Ergebnisse soll es im dritten Quartal 2019 geben; sie sollen ebenfalls auf der Gesellschaftsmonitoring-Seite zu finden sein.

Impulse für eine „faktenbasierte Sozialpolitik“ erhofft Lucha sich von diesem doppelten Ansatz:  Im Zeitalter sogenannter Fake News sei es von hohem Wert, Daten transparent prüfen zu können. Gleichzeitig soll der Handlungsbedarf, den Bürger artikulieren, ins Arbeitsprogramm der Regierung einfließen. Nicht nur die Statistiker sollen ihre Informationen stetig aktualisieren, auch die Umfrage möchte Lucha gern in regelmäßig wiederholen: „Nur dann macht’s auch Sinn.“

Für den Aufbau des Gesellschaftsmonitorings sind bislang rund 287 000 Euro angefallen. 2019 und 2020 rechnet das ­Ministerium für die Aktualisierung und Analyse von Daten mit insgesamt weiteren 138 000 Euro. Die Umfrage zusammen mit der Bertelsmann Stiftung kostet das Land 70 000 Euro.