Nach den heftigen Gewittern über Teilen Mittel- und Süddeutschlands müssen sich Bahn-Pendler auch noch am Montag auf Probleme einstellen, die sich auch im Südwesten bemerkbar machen: Im südhessischen Walldorf wurde am Sonntagabend ein Stellwerk vom Blitz getroffen und beschädigt.

Auf der Strecke zwischen Mannheim und Frankfurt wurde der Zugverkehr eingestellt. Pendler kämen auf einer parallel verlaufenden Strecke ans Ziel, müssten aber mehr Zeit einplanen, hieß es. Wie hoch der Schaden ist, war zunächst nicht bekannt. Die Reparaturen am Stellwerk sollten noch bis zum Nachmittag anhalten, hieß es bei der Bahn.

Der Verkehr auf den Strecken zwischen Darmstadt und Frankfurt sowie zwischen Hanau und Aschaffenburg ist ebenfalls gestört: Umgestürzte Bäume lagen auf den Gleisen und behinderten vor allem den Regionalverkehr. Der Fernverkehr wird einem Bahnsprecher zufolge umgeleitet, einige Züge würden in Bahnhöfen zurückgehalten. Wie lange die Störungen anhalten sollen, war auch am Montagmorgen noch unklar.

Auch auf dem Frankfurter Flughafen machten sich die heftigen Gewitter am Sonntag bemerkbar. Um Personal und Reisende zu schützen, sei die Abfertigung auf dem Vorfeld vorübergehend eingestellt worden, sagte eine Sprecherin des Betreibers Fraport. Auch die Zahl der landenden Maschinen sei reduziert worden. Zunächst 26 Flüge seien bis Sonntagabend annulliert worden - größtenteils Inlandsflüge. Fünf Flüge wurden umgeleitet.

In Bayern trafen Hagel und Sturm den Landkreis Aschaffenburg. Dächer wurden abgedeckt, Strommasten knickten um und Keller standen unter Wasser, wie die Feuerwehr mitteilte. Mehrere Gemeinden waren noch in den späteren Abendstunden ohne Strom. Mehr als 500 Rettungskräfte rückten aus und waren stundenlang auf den Beinen. Die Behörden zählten fast 400 Einsatzstellen. Die A45 war in Richtung Seligenstadt voll gesperrt. Auf der Bahnstrecke zwischen Kleinostheim und der Landesgrenze zwischen Hessen und Bayern fuhren keine Züge.

Nicht mehr weiter ging es auch für den ICE 930, der wegen Schäden an Oberleitungen und Bäumen im Gleis in Aschaffenburg wartete. Die Reisenden seien schließlich mit Taxigutscheinen versorgt worden, sagte ein Bahnsprecher.

Wegen eines Oberleitungsschadens nach einem heftigen Unwetter am Sonntagabend sind 400 Reisende über Stunden in einem ICE festgesessen. „Der Zug hatte keinen Strom mehr und stoppte bei Roth mitten auf der Strecke“, sagte ein Sprecher der Bundespolizei am Montagmorgen. Um Mitternacht hätten Feuerwehr und Retter die Reisenden dann aus dem Zug in Sicherheit gebracht. Die Rettung war wegen des unwegsamen Geländes schwierig und dauerte rund drei Stunden. Verletzt wurde niemand. Der ICE wurde abgeschleppt.

Polizei spricht von Schneise der Verwüstung

Im hessischen Kreis Offenbach wütete der Sturm am Sonntagabend besonders heftig. Rund um Offenbach seien mehrere Menschen verletzt worden, genaue Angaben machte die Polizei zunächst nicht.

Die Feuerwehr sprach in einer Mitteilung von Montag von einer „Schneise der Verwüstung“ im Kreis Offenbach. Die Feuerwehren seien von Sonntagabend ab 18 Uhr zu mehr als 1000 Einsätzen gerufen worden. Im Mainzer Stadtteil Ebersheim wurden zwei Menschen unter einem umgestürzten Baum eingeklemmt. Ein 34-Jähriger wurde bei Ginsheim-Gustavsburg östlich von Mainz in seinem Zelt von einem umgefallenen Baum getroffen, teilte die Polizei mit. Lebensgefahr bestehe nicht.

Zeugen berichten von einem Tornado

Im Kreis Offenbach sprachen Zeugen nach Polizeiangaben am Sonntag von einem Tornado. Der Deutsche Wetterdienst bestätigte dies nicht und sprach von sogenannten Fallböen. Dabei trifft Luft mit hohem Tempo am Boden auf, in Tälern und Häuserschluchten könnten Düseneffekte entstehen. Sie könnten Schneisen der Zerstörung anrichten, ähnlich wie ein Tornado, aber ohne dessen rotierende Luftwirbel, erklärte DWD-Experte Andreas Friedrich.

Regnerisch in die neue Woche

Die Aussichten sind trübe: Am Montag soll es im Süden teilweise kräftig regnen. Am Dienstag bleibt es im Norden und in der Mitte bei wechselhafter Bewölkung überwiegend trocken, wie es vom DWD hieß. Im Süden nehmen die Schauer und Gewitter zu. Am Abend kann es südlich der Donau zu Gewittern und kräftigen Schauern kommen. Die Temperaturen bewegen sich tagsüber zwischen maximal 19 bis 26 Grad.

Auch am Mittwoch hält der Regen der DWD-Prognose zufolge im Süden an. Bei starker Bewölkung blitzt aber zumindest ab und zu die Sonne durch. Die Höchsttemperaturen liegen zwischen 17 und 23 Grad.

Sommer kann noch einmal zurückkehren

Nach den wiederholten Hitzeperioden seit Juni habe sich das Wetter beziehungsweise die Temperatur nun auf ein für Mitteleuropa und für die Jahreszeit übliches Niveau begeben, teilte der Wetterdienst am Wochenende mit. Das Ende des Sommers müsse das aber nicht bedeuten, auch neue längere Hitzewellen seien noch gut möglich.

Typisch für September sei zum Beispiel der sogenannte Altweibersommer, eine beständige Hochdrucklage über Mitteleuropa. „Höchsttemperaturen um 30 Grad sind dabei keine Seltenheit.“ Tageshöchsttemperaturen von 25 Grad oder mehr seien bis weit in den Oktober hinein möglich.

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