Das Biberacher Schützenfest ist eines der größten Stadtfeste Oberschwabens, das immer vor den Sommerferien stattfindet. Dieses Jahr geht es am 12. Juli 2019 los und dauert bis zum 21. Juli.

Für die Biberacher ist das Schützenfest, kurz „Schützen“ genannt, der absolute Höhepunkt des Jahres. Manche witzeln gar, dass es noch wichtiger als Weihnachten sei. Das geht so weit, dass Einheimische das Jahr in die Zeit „vor Schützen“ und „nach Schützen“ einteilen, und man sich im Juli während der Festtage allerorten „A scheene Schütza“ wünscht. Kein Wunder, immerhin wird im Juli ganze neun Tage lang ziemlich heftig gefeiert. Viele Menschen nehmen eigens Urlaub, auswärts lebende Einheimische reisen aus aller Welt an und viele Geschäfte schließen. Kurz: In der Schützenzeit ist die ganze Stadt im Ausnahmezustand.

Trommlergruppen wie die WG-Trommler sind nicht nur bei den Umzügen dabei, sie bringen auch Ständchen und ziehen abends durch die Stadt.
© Foto: Sven Kaufmann

Wenn Du mitfeiern möchtest, lohnt es sich die Hintergründe dieses traditionsreichen Festes zu verstehen und schon einmal einige Fakten zu kennen.

Wie entstand das Schützenfest?

Schütza“, wie die Biberacher sagen, war ursprünglich ein Schulfest gewesen. Seine Wurzeln sind Jahrhunderte alt und gehen auf die Zeiten des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) zurück. Als dieser Krieg vorüber war, erhielt die damalige Reichsstadt Biberach eine paritätische Verfassung, das heißt: Katholiken und Protestanten, sie wurden in Oberschwaben „Wüschtgläubige“ genannt, waren nun gleichgestellt. In der Folge wurde Schützen lange getrennt gefeiert. 1650 wurde es erstmals in einem Ratsprotokoll als evangelisches Fest erwähnt. Seit 1824 feiern beide Konfessionen gemeinsam. Zu dieser Zeit begann auch die Entwicklung zur heutigen Form als ein Bürgerfest. Das Biberacher Schützenfest hat trotz Namensgleichheit nichts zu tun mit den in West- und Norddeutschland üblichen Schützenfesten.

Schützen ist auch Musik: Die Gruppe „PG-Mädelz“ vom Pestalozzi-Gymnasium beim Ständchen.
© Foto: Sven Kaufmann

Wird da auch geschossen?

Das Fest in Biberach hat nichts mit Schießen oder den klassischen Festen der Schützenvereinen wie etwa in Hannover zu tun. Vielmehr handelt es sich um ein historisches Kinder- und Heimatfest. Der Name kommt mutmaßlich vom einstigen Standort, dem Schützenberg. Das war der untere Teil des Biberacher Gigelbergs samt Keller und Schützenhaus. Heute wird nicht nur auf dem Gigelberg, sondern in der ganzen Stadt gefeiert – außerdem gibt es in der Schützenwoche auch viele private Garten-Feten.

Was wird an Schützen geboten?

An den neun Tagen gibt es ein festes Veranstaltungsprogramm mit vielen Events. Dazu gehören unter anderem drei große Festzüge, die Du entweder auf einer Tribüne am Marktplatz (dafür braucht man Tickets), oder überall vom Straßenrand aus ansehen kannst:

  • Der Jahrgänger-Umzug, bei dem hunderte Jubilare der 40er, 50er 60er bis zu den 100-Jährigen unter großem Applaus durch die Stadt ziehen und mit Geschenken behängt werden.
  • Der historische Festzug mit rund 3000 Teilnehmern, über 200 Pferden und zahlreichen Themen-Wagen, Trommelgruppen und Musikkapellen erzählt die Stadtgeschichte. Er wird zweimal, am Schützendienstag und an Bauernschützen (der zweite Sonntag) gezeigt.
  • Der bunte Zug der Kinder am Schützenmontag. Hier denkt sich jede der Schulen in Biberach ein eigenes Motto aus, die Klassen ziehen dann bunt verkleidet mit Musikkapellen und Trommelgruppen durch die Stadt.

Beim Bunten Zug am Schützensamstag zeigen die Schüler ihre selbst gemachten Kostüme.
© Foto: Sven Kaufmann

Außerdem kannst Du Dich auf dem Vergnügungspark auf dem Gigelberg tummeln, dort gehen auch gerne Familien hin. Hier gibt es viele Fahrgeschäfte, Imbissbuden und ein riesiges Bierzelt mit Musik. Für Kinder gibt es auf dem Gigelberg einen Spielplatz. Auf dem Gigelberg spielt sich auch das „Lagerleben“ ab, wo die historischen Gruppen der Umzüge mit ihren Pferden und Wagen residieren – und „live“ zeigen, wie man früher gefeiert hat.

Wo geht man sonst hin?

Der traditionelle Bieranstich findet dieses Jahr am Freitag, den 12. Juli, um 18 Uhr im Festzelt auf dem Gigelberg statt. Die offizielle Eröffnung des Schützenfests jedoch findet erst am Schützensamstag, den 13. Juli um 14 Uhr auf dem Marktplatz beim so genannten Antrommeln statt.

Über die ganze Festwoche hinweg gibt es viele Veranstaltungen wie den „Tanz auf dem Marktplatz“ oder das „Schwarz Veri Fest“ und das Gaukler-Fest. Abends ist eine Menge los in den großen Biergärten der Stadt, etwa im „Biberkeller“, „Pflugkeller“ oder „Schützenkeller“. Dort spielen auch regelmäßig Live-Bands.

Du kannst Dich aber auch abends im Gewühl in der Stadt und auf dem Marktplatz treiben lassen. Viele Freunde trifft man in der oft knallvollen Consulentengasse, wo vor Kneipen wie dem Rebstock oder dem Tweety immer mal wieder umherziehende Trommlergruppen für Stimmung sorgen und sich sogar kleine Spaß-Battles liefern. An Schützen gilt: Jeder kann zuschauen, zuhören, mitfeiern.

Youtube

Und was kostet das alles?

  • Vieles auf Schützen ist gratis. Zum Beispiel die Eröffnungsfeier, das Antrommeln am Schützensamstag um 14 Uhr auf dem Marktplatz. Hier treten alle Trommler- und Fanfarengruppen zur „Abnahme“ auf.
  • Für andere Veranstaltungen wie den „Tanz auf dem Marktplatz“ am ersten Samstagabend dagegen oder für die historischen Umzüge am Dienstag (9 Uhr) und zweiten Sonntag („Bauernschützen“, 11 Uhr) brauchst Du ein Festabzeichen, aber erst ab 18 Jahren. Das Abzeichen gilt während des ganzen Festes. Es kostet 7 Euro und wird an den Zugangswegen in die Stadt verkauft. Der Vorverkauf der Festabzeichen läuft seit 27. Mai und endet am Samstag, 13. Juli. Tribünenplätze am Marktplatz für die Umzüge kosten ebenfalls extra.
  • Der bunte Festzug der Schüler am Schützenmontag (9 Uhr) ist gratis, ebenso das riesige Feuerwerk am zweiten Schützenfreitag. Auch der Vergnügungspark ist frei zugänglich, abgesehen von den Fahrgeschäften. Veranstaltungen wie die „Heimatstunde“, das „Schützentheater“ und der „Tanz durch die Jahrhunderte“ kosten Eintritt. Tickets und Tribünenkarten gibt es bei der Stadt Biberach. Der Vorverkauf läuft seit Samstag, 11. Mai.

Das könnte dich auch interessieren: