Was sind eigentlich Blutstammzellen?

Blutstammzellen sind laut dem Zentralen Knochemarkspender-Register (ZKRD) „Stammzellen, die sich normalerweise fast ausschließlich im Knochenmark, insbesondere im Beckenkamm, im Brustbein und in den Rippen befinden.“ Aus diesen Zellen entstehen weiße und rote Blutkörperchen. Sie treten nach dem Reifungsprozess aus dem Knochenmark in die Blutbahn über. Die Zellen sind „der Ausgangspunkt für die gesamte Zellneubildung des Blutes und des Abwehrsystems“. Dieser Erneuerungsprozess kann jedoch gestört sein. Es können unreife Blutzellen entstehen, die nicht funktionstüchtig sind: Die Personen leiden an Leukämie oder Blutkrebs.

Was ist Blutkrebs? Was ist Leukämie?

Blutkrebs ist ein Oberbegriff von bösartigen Erkrankungen des Knochenmarks, Leukämie ist eine Form davon.
Bei der Leukämie produziert der Körper zu viele unreife weiße Blutkörperchen. Das kann passieren, wenn der normale Reifungsprozess der Blutzellen im Knochenmark nicht funktioniert. Meistens vermehren sich die unreifen Blutkörperchen rasch und unkontrolliert und verdrängen die gesunden weißen und roten Blutkörperchen. Diese Zellen können die Organe im Körper angreifen und diese in ihrer Funktion stören. Blutarmut und Infektionen sind die Folge.
Es gibt drei große Gruppen der Leukämie: Die lymphatische, die akute lymphatische und die chronisch lymphatische Leukämie. Sie unterschieden sich in ihren Symptomen und in ihren Behandlungsmöglichkeiten.

Was ist eine Typisierung?

Bei einer Typisierung werden im Labor aus einer Blutprobe oder aus einem Abstrich der Mundschleimhaut die genetischen Merkmale des blutbildenden System, die sogenannten HLA-Daten (Humane Leukozyten Antigene), erfasst.
Die relevanten Daten dieser Untersuchung - die HLA-Werte, das Geschlecht, das Alter sowie weitere transplantationsrelevante Daten des Spenders - werden anonym hinterlegt und an das Zentrale Knochemarkspender-Register Deutschland (ZKRD) übermittelt. Die Daten sind dort über eine zur Identifizierung hinterlegten Spendennummer abgespeichert. Bei der ZKRD gehen Suchanfragen nach Spendern aus der ganzen Welt ein.

Wer darf spenden?

Bei der DKMS darf sich beispielsweise jeder in einem Alter zwischen 17 und 55 Jahren als Spender registrieren, bei der Stefan-Morsch-Stiftung Menschen zwischen 18 und 40 Jahren. Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen oder akuten Erkrankungen können keine Spender werden.
Andere Stiftungen und Organisationen haben womöglich wieder andere Richtlinien. Einfach bei diesen erkundigen.

Wie registriere ich mich?

Eine Möglichkeit ist, bei einer Typisierungsaktion mitzumachen. Über die Seiten der DKMS oder der Stefan-Morsch-Stiftung könnt ihr euch auch registrieren. Die DKMS verschickt beispielsweise Wattestäbchen an Spendenwillige, die damit einen Abstrich ihrer Mundschleimhaut machen und dieses samt Einverständniserklärung an die DKMS zurück schicken.

Was passiert nach der Registrierung?

Nach der Registrierung erfolgt die Typisierung im Labor. Kommt es tatsächlich zu einer Stammzellenspende, wird ein ausführlicher Gesundheitscheck vorgenommen.

Was passiert bei einer Stammzellenspende?

Es gibt zwei Spendenmöglichkeiten: Die häufigste ist die periphere Stammzellenspende. Dem Spender wir hier ein spezielles Medikament verabreicht, das die Anzahl der Stammzellen im Blut für kurze Zeit erhöht. Diese werden dann aus dem Blut entnommen. Das Prozedere dauert zwischen vier bis acht Stunden und es ist keine Operation nötig. Anders bei der Knochenmarkspende: Dem Spender wird unter Vollnarkose mit einer Punktionsnadel aus dem Beckenkamm Knochenmark entnommen.
Die entnommen Stammzellen bildet der Körper nach einigen Tagen zurück.
Allerdings erweisen sich nur relativ wenige registrierte Spender tatsächlich als „genetischer Zwilling“ eines Kranken und werden zur Knochenmarkspende gebeten.

Wer zahlt das alles?

Die Kosten, das heißt Reisekosten, Untersuchungen, mögliche Operationen, werden in der Regel von den jeweiligen Krankenkassen übernommen. Es kann jedoch vorkommen, dass die Typisierung bezahlt werden muss.

Wie geht es „meinem“ Patienten? Darf ich sie/ihn kennenlernen?

Laut DKMS kann die Organisation erst drei Monate nach der Spende Informationen über den Gesundheitszustand des Patienten einholen.
Spender und Patient dürfen sich in Deutschland erst zwei Jahre nach der Spende persönlich kennenlernen. Das liegt daran, dass sich innerhalb dieser Zeit entscheidet, ob und wie ein Patient aufgrund der Stammzellenspende genesen wird. In der Zwischenzeit ist aber ein anonymer Kontakt zwischen Spender und Patient möglich.
Kommt der Spender oder der Patient aus einem anderen Land, gelten häufig andere Regelungen. Manche sind denen in Deutschland ähnlich, andere lassen gar keinen Kontakt zu.
Quellen: DKMS und Stefan-Morsch-Stiftung

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