Rund zwei Jahre nach der Tötung eines Neugeborenen wird der Fall vor dem Landgericht Ravensburg neu aufgerollt. Weil der Bundesgerichtshof (BGH) das Mord-Urteil gegen die Mutter aufhob, muss sich ab Mittwoch (9.00 Uhr) eine andere Kammer des Landgerichts mit der Tat beschäftigen. Auch der BGH sah es als erwiesen an, dass die damals 23-Jährige dem Kind nach einer heimlichen Geburt nahe eines Bauernhofs bei Mengen (Kreis Sigmaringen) einen Pfropfen aus Papier in den Mund gesteckt und den Säugling dann zurückgelassen hatte. Allerdings bemängelte der BGH die Einschätzungen zum Motiv und damit den Schuldspruch wegen Mordes. In erster Instanz war die Angeklagte im Januar 2018 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Gericht war der Erklärung der Staatsanwaltschaft gefolgt, wonach sie aus niederen Beweggründen gehandelt habe: Die Angeklagte habe die Geburt verheimlichen wollen, um ihre Beziehung nicht zu gefährden. Denn ihr Freund habe noch keine Kinder gewollt.