Sie soll ihren Ex-Mann mit Benzin übergossen und dann angezündet haben: Seit Montag muss eine 84 Jahre alte Frau sich in Konstanz wegen Mordes vor dem Landgericht Konstanz verantworten. Der Anklage zufolge hatte sie im vergangenen Januar zunächst mit einem Fleischerhammer aus Metall auf den Kopf des Opfers eingeschlagen.

Friedrichshafen

Anklage spricht von qualvollem Tod

Als der 73-Jährige ihr den Hammer abnehmen und einen Notruf absetzen konnte, habe die Seniorin Benzin geholt, hieß es. Qualvoll sei der Mann gestorben, betonte die Staatsanwaltschaft. Die Tat zeige eine unbarmherzige Gesinnung.
Das Motiv vermuteten die Ermittler in der Lebenssituation des ehemaligen Paares. Der 73-Jährige habe die Frau trotz einer lange zurückliegenden Trennung weiterhin bei sich wohnen lassen. Zuletzt hatte er sich aber wohl entschieden, das Haus zu verkaufen und eine neue Beziehung zu suchen.

Beschuldigte in körperlich schlechtem Zustand

Die Verteidigerin beantragte, den Prozess auszusetzen: Wegen des gesundheitlichen Zustands der Angeklagten sei es nicht möglich gewesen, den Prozess vorzubereiten. Die Frau habe erhebliche Seh- und Hörprobleme, eine Kommunikation sei häufig unmöglich gewesen. Der psychiatrische Sachverständige bestätigte die körperlichen Einschränkungen der Angeklagten. Der Prozess ist auf vier Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil wird Mitte August erwartet.

Prozesse gegen Senioren sind keine Seltenheit

Aufsehen erregende Prozesse wie der aktuelle Fall in Konstanz sind zwar selten. Aber immer wieder kommt es auch zu Prozessen gegen Senioren. Ein paar Beispiele:
  • Im Oktober 2019 wurde ein 80 Jahre alter Serienbankräuber vom Landgericht Hechingen zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Der Mann aus Kirchzarten bei Freiburg hatte zum Prozessauftakt gestanden, zwischen 2009 und 2019 mehrere Banken unter anderem in Villingen-Schwenningen und Rastatt überfallen zu haben. Anfang Mai wurde er nach einem Überfall in Balingen (Zollernalbkreis) verhaftet.
  • Ebenfalls im Oktober 2019 verurteilte das Landgericht Stuttgart einen 77-Jährigen wegen Totschlags zu zwölf Jahren Gefängnis. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass er seine frühere Freundin in seiner Wohnung in Esslingen nach einem Streit getötet, zerteilt und die Leichenteile in den Neckar geworfen hatte. Das Urteil fiel härter aus als in der ersten Auflage des Prozesses. Im Juni 2018 war der Mann von einer anderen Kammer des Gerichts wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu sechs Jahren Haft verurteilt worden, allerdings kassierte der Bundesgerichtshof die Entscheidung.
  • Im Juni 2019 wurde eine 67-Jährige nach einem tödlichen Streit zwischen Nachbarinnen wegen Totschlags zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt. Nach Ansicht des Landgerichts Stuttgart hatte die Frau das 81 Jahre alte Opfer erstochen. Warum die Angeklagte ihre Nachbarin in deren Wohnung in einem Hochhaus in Sindelfingen (Landkreis Böblingen) angriff und tötete, konnte der Indizienprozess nicht aufklären. Möglicherweise habe sich die 67-Jährige durch Geräusche gestört gefühlt, sagte der Vorsitzende Richter.
  • 2017 gestand ein 82-Jähriger vor dem Landgericht Ravensburg, auf seine 91 Jahre alte langjährige Geliebte geschossen zu haben. Der verheiratete Mann hatte die Frau demnach im Sommer 2016 bei einem Streit auf einem Parkplatz niedergeschossen und dann mit einer Pistole auf sie eingeschlagen. Zufällig kam ein Polizist vorbei und griff ein - das Opfer überlebte. Das Gericht verurteilte den Mann wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung zu sechs Jahren und drei Monaten Haft.
  • 2016 verurteilte das Landgericht Konstanz einen 80-Jährigen nach mehreren Raubüberfällen auf Supermärkte zu einer Haftstrafe von sechs Jahren und neun Monaten. Das Urteil sei noch milde, sagte der Vorsitzende Richter: „Das ist nur vor Ihrem hohen Alter zu rechtfertigen.“ Der betagte Angeklagte hatte bei seinen Beutezügen Ende 2015 in mehreren Supermärkten die Angestellten an der Kasse mit einer täuschend echt aussehenden Waffe bedroht und Geld gefordert. Insgesamt erbeutete er rund 5000 Euro.