Ein Lieferengpass hat im Südwesten dazu geführt, dass 2000 Corona-Tests zunächst nicht ausgewertet wurden. Die Proben stammen aus den Landkreisen Tübingen, Biberach, Ravensburg und dem Bodenseekreis. Dort wurden die Proben vom 14. bis 18. März in Gesundheitsämtern und Arztpraxen entnommen. Die Auswertung sollte im MVZ Labor in Ravensburg erfolgen. Dort kam es jedoch zu einem zweitägigen Lieferausfall bei Chemikalien, die benötigt werden, um Covid-19 in den Proben nachweisen zu können – die Tests blieben daraufhin liegen.

„Der Lieferant der für die Coronavirus-Tests erforderlichen Reagenzien kann der aktuellen Nachfrage nur eingeschränkt gerecht werden, so dass wir über die ohnehin zurzeit bestehende Rationierung der Reagenzien hinaus von einem zweitägigen Lieferausfall betroffen waren“, heißt es in einer Stellungnahme des Labors vom Montag. Laut Laborleitung habe man das Landesgesundheitsamt und das Sozialministerium bereits am 16. März drauf hingewiesen, dass Lieferengpässe drohten.

Ministeriumssprecher Markus Jox erklärte dieser Zeitung, es habe im Vorfeld keine Probleme oder Andeutungen gegeben, dass sich Auswertungen von Corona-Proben verzögern könnten.

Viruskonzentration nachweisbar

Am Sonntag teilte das Labor laut Ministerium den betroffenen Gesundheitsämtern mit, dass die rund 2000 Proben wegen des Zeitverzugs nicht mehr verwertbar seien. Im Laufe des Dienstags sollen nun doch alle rund 2000 ausstehenden Proben analysiert werden. Durch die Nachmessung seien noch positive Patienten diagnostiziert worden. Ein Abbau der Viren in den Proben könne aber nicht ausgeschlossen werden. Bei einem negativen Ergebnis sollen Patienten eine neue Probe einsenden, wenn sie noch krank sind.

Wie die Laborleitung klarstellt, arbeite man derzeit an der absoluten Kapazitätsgrenze und habe deshalb einen Teil der Proben an andere Labors geschickt. Auch in der Uniklinik Tübingen stößt man bei der Auswertung von Coronavirus-Tests an seine Grenzen: „Wir im Kreis Tübingen haben unsere Tests vor allem an das Labor in Ravensburg geschickt. Es gibt nicht viele Labore, so dass man darauf angewiesen ist, die vorhandenen Möglichkeiten zu nutzen“, sagt Martina Guizetti vom Tübinger Landratsamt. Das Ravensburger Labor empfiehlt momentan, dass von Personen, die weiterhin Symptome von Covid-19 aufweisen, ein Nachtest eingeschickt werden soll. Mehrere Landräte kritisierten die Informationspolitik des Labors. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte: „Wir nehmen das mit großer Verwunderung zur Kenntnis.“ Das sei eine „unbefriedigende Kommunikation, die uns irritiert und erstaunt.“

Zahl der Nachtests ungewiss

Wie viele von den 2000 Proben erneut entnommen werden müssen, ist zur Zeit noch unklar. Die ersten Nachtests wurden jedoch auf Empfehlung der Gesundheitsämter bereits veranlasst: im Landkreis Tübingen, wo rund die Hälfte der getesteten Personen herkommt, aber auch im Landkreis Biberach, wo rund 270 Personen getestet wurden. Dort haben bereits am Montag erste Nachtests begonnen. Landratsamtssprecher Bernd Schwarzendorfer erklärt, dass bisher 20 der betroffenen Personen erneut auf das Coronavirus getestet wurden. Er geht von einem weiteren Anstieg der Nachtests aus: „Als bekannt wurde, dass die Tests vielleicht nicht auswertbar sind, haben sich bereits kurz darauf sehr viele Leute bei uns gemeldet.“

Im Bodenseekreis gab es am Montagnachmittag noch keine Nachtests. Zwar hätten sich einige Bewohner bereits beim zuständigen Gesundheitsamt erkundigt, ob Nachtests wirklich nötig seien, soll sich aber erst im Laufe der Woche zeigen.

Kreis Tübingen am stärksten betroffen


Rund die Hälfte der Covid-19-Proben, die zum Teil nur verzögert auswertbar sind, stammen aus Tübingen. In Ravensburg, wo sich auch das für die Auswertung verantwortliche Labor befindet, warten nun rund 380 Personen erst mal vergebens auf ihr Testergebnis. Im Bodenseekreis sind 350 Personen betroffen und in Biberach gab es im entsprechenden Zeitraum 270 Getestete.

Wer vom 14. bis 18. März in den genannten Landkreisen auf das Virus getestet wurde und weiterhin grippeähnliche Symptome oder Fieber bis 38 Grad Celsius aufweist, soll beim zuständigen Gesundheitsamt oder beim jeweiligen Arzt, der den Test durchgeführt hat, einen Nachtest veranlassen.