Land am Rand Was wäre wenn? Die Heiligen drei Könige im Jahr 2019

Stuttgart / Moritz Clauß 05.01.2019

Ein Heiland wurde geboren. Vor 2019 Jahren. Drei Weise zogen los, ihm zu huldigen. Was wäre, wenn sich ihre Reise heute wiederholen würde? Ein kleines Gedankenexperiment:

„Gottes schönste Gabe, ist und bleibt der Schwabe“, heißt es im Volksmund. Der neue Heiland könnte also ein Stuttgarter sein. Ohne Krippenplatz.

Der Stuttgarter Messias geht natürlich viral. Pilger aus der ganzen Welt reisen ins Ländle. Auch die irakischen Studenten Khaled, Mahmud und Baschar machen sich auf den Weg. Im Gepäck typische Geschenke für Neugeborene: Weihrauch, Gold und Myrrhe.

Sie reisen über die Türkei und Griechenland nach Nordwesten. Als die Reisekasse leer ist, bezahlen sie mit Gold. Als der Goldsack leer ist, verkaufen sie den Weihrauch. An der deutsch-österreichischen Grenze stehen dutzende Polizisten. Die Reisenden gehen durch den Wald, da stehen nur Bäume. Per Anhalter fahren sie Richtung Stuttgart. Der Fahrer würde sie ja in der Innenstadt absetzen, doch sein dreckiger Diesel muss draußen bleiben. Also weiter mit den Öffentlichen.

Nach wochenlanger, harter Reise kommen die drei am Geburtshaus des Messias an. Tausende Pilger, Journalisten und Kameraleute stehen davor Schlange. Die Iraker reihen sich ein. Sicherheitskräfte tasten jeden ab, durchsuchen die Taschen. Die Myrrhe darf aus Sicherheitsgründen nicht mit rein. Stunden später stehen die Weisen mit leeren Händen vor dem Heiland. Der schläft still und friedlich – in einer Wiege von Ikea.

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