Reisende, die mit der S-Bahn zum Stuttgarter Flughafen wollen, müssen für ein Jahr auf Busse oder Straßenbahnen umsteigen. Um die Gäubahn aus Richtung Zürich künftig über den Flughafen und die Neubaustrecke zum Stuttgarter Hauptbahnhof zu führen, wird der Flughafen für mindestens ein Jahr komplett vom S-Bahn-Verkehr abgehängt. Das teilte die Projektgesellschaft in Stuttgart mit.

Konkret sollen der S-Bahn-Tunnel unter der Landesmesse und dem Flughafen und die darin befindliche S-Bahn-Station gesperrt werden. Das ist der Ergebnis von vertieften Planungen im Planfeststellungsabschnitt 1.3b, der sich aktuell im Genehmigungsverfahren befindet. Dieser Abschnitt umfasst die Rohrer Kurve, über die die Züge der Gäubahn künftig auf die bisherige S-Bahn-Strecke in Richtung Flughafen geleitet werden sollen, ein drittes Gleis für die S-Bahn-Station am Flughafen sowie die Überleitung der Strecke auf die Neubaustrecke in Richtung Stuttgart.

2015 hatten sich die Projektpartner auf das dritte Gleis am Flughafen geeinigt, um Gäubahn und S-Bahn zu entzerren. Damit die Züge aber auch auf das dritte Gleis fahren können, sind im Tunnel unter dem Flughafen massive Umbaumaßnahmen notwendig. Die größte Herausforderung: Auf einer Strecke von 80 Metern im Westen und 100 Metern im Osten muss der bestehende Bahntunnel abgerissen und verbreitert werden, erklärte der technische Abschnittsleiter Matthias Breidenstein.

Kleineres Übel

Würde man die Bauarbeiten nach der bisherigen Planung durchziehen, ergebe das „massive Beeinträchtigungen des S-Bahn-Betriebs über einen Zeitraum von rund dreieinhalb Jahren“, sagte Breidenstein. Zwar könne die S-Bahn-Linie 3 in ausgedünntem Takt weiterfahren, der S-Bahn-Verkehr müsse aber immer wieder eingestellt werden. „Das wird zu großer Unzufriedenheit bei den Fahrgästen führen.“

Im Vergleich zu den bisherigen Plänen sei die komplette Sperrung der S-Bahn-Strecke am Flughafen das geringe Übel. Dadurch könnten die beiden Einschleifungsbereiche gleichzeitig und rund um die Uhr gebaut werden, womit sich die Bauzeit für den Anschluss der Gäubahn um ein Jahr verkürze.

Die Erreichbarkeit des Flughafens mit öffentlichen Verkehrsmitteln sei „während der Unterbrechung der S-Bahn stets gewährleistet“, teilte die Projektgesellschaft mit. Das habe ein Gutachten der Universität Stuttgart ergeben.

Die Wissenschaftler hatten zwei Varianten untersucht: Zum einen könnte direkt am westlichen Tunnelportal eine Interimshaltestelle für die S-Bahn eingerichtet werden. Von dort könnten die Reisenden dann mit Bus-Shuttles oder zu Fuß zu den rund 800 Meter entfernten Terminals gelangen.

Zum anderen könnte der Flughafen über die verlängerte Stadtbahnlinie U6 angebunden werden. Die wird gerade gebaut und soll 2021 fertiggestellt sein. Mit ihr könnten Reisende dann direkt vom Hauptbahnhof zum Flughafen fahren – mit einer „überraschend geringen Verlängerung der Fahrzeiten“ von rund fünf Minuten, sagte Breidensteins Kollege Florian Bitzer. Außerdem sei eine weitere Stadtbahn-Linie U17 geplant, die von Stuttgart-Vaihingen zum Flughafen pendeln soll.

Wann der Flughafen vom S-Bahnnetz abgehängt werden soll, ist noch unklar. „Alles was wir jetzt sagen, ist zu 100 Prozent falsch“, sagte Breidenstein. Die Projektgesellschaft rechne mit Klagen von Projektgegnern und könne wegen möglichen Verzögerungen nicht seriös vorhersagen, ab wann auf den Fildern gebaut werden kann.

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