Über den Nordatlantik raste ein extrem starker Orkan auf Europa zu und traf am Sonntag auf Deutschland. Sturmtief „Sabine“ entwickelt sich zum bisher stärksten Sturm der Saison. Laut Meteorologen wird der Sturm Windgeschwindigkeiten von bis zu 160 Stundenkilometer erreichen.

Sturm am Montag in Bayern und Baden-Württemberg

Das Sturmtief erreichte den Südwesten am Sonntagnachmittag. Die Lage spitzte sich am Montagmorgen im Süden Deutschlands zu, wie www.weather.com bereits im Voraus berichtete.

Vor den Alpen verstärkt sich der Wind nochmal und bis in den späten Nachmittag kommt es immer wieder zu Orkanböen. "Wer nicht unbedingt muss, sollte am Montagvormittag nicht aus dem Haus gehen", empfiehlt Meteorologe Jan Schenk.

Autofahren bei Sturm: Behinderungen im Verkehr

Die Deutschen müssen sich durch „Sabine“ für Sonntag und Montag auf massive Verkehrsbehinderungen vorbereiten. „Das wird gefährlich“, warnt der Meteorologe Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst (DWD). „Am Montagmorgen wird es zum Teil zu massiven Verkehrsbehinderungen kommen“, ist sich der Experte sicher.

Der DWD warnt außerdem vor umstürzenden Bäumen, herabgewehten Ziegeln und abgebrochenen Ästen. Die Menschen müssten sich auf entsprechende Gefahren einstellen, wenn sie das Haus verlassen wollten, so Friedrich. Ein weiterer Rat: „Alles, was im Freien nicht niet- und nagelfest ist, sollte gesichert werden.“

ADAC: Auto bei Orkan stehen lassen

Bei einem schweren Sturm (ab Windstärke zehn) oder Orkan rät der ADAC sogar dazu, überhaupt kein Auto oder Motorrad mehr zu fahren. Durch starken Wind geraten Fahrzeuge leicht aus der Bahn, vor allem solche mit höheren Aufbauten wie etwa Wohnmobile und Lastwagen.

Plötzliche Seitenwinde treten oft auf Brücken, bei Tunnelausfahrten oder in Waldschneisen auf. Manchmal zeigen Windsäcke oder Verkehrsschilder solche Gefahren an. Vorsicht ist auch beim Überholen großer Fahrzeuge angesagt. Der Seitenwind erfasst das Auto wieder voll, wenn es aus dem Windschatten fährt.

Unwetterwarnung DB: Bahn stellt Fernverkehr ein

Die Deutsche Bahn hat den Fernverkehr wegen des Orkans „Sabine“ nach und nach bundesweit eingestellt. Man habe sich entschieden, „beginnend in NRW nach und nach alle Züge des Fernverkehrs bundesweit an größeren Bahnhöfen enden zu lassen“, schrieb die Bahn am Sonntagnachmittag in ihrem für den Sturm eingerichteten Presseblog.

Vorab hatte die Bahn bereits in den aktuellen Verkehrsmeldungen mitgeteilt, dass im Regional- und Fernverkehr ab Sonntagabend mit „erheblichen Beeinträchtigungen insbesondere im Norden und Westen Deutschlands“ gerechnet werde. „Wir empfehlen unseren Reisenden von Sonntag, 09.02.2020 bis Dienstag, 11.02.2020 ihre geplante Reise auf einen anderen Tag zu verschieben“, heißt es auf der Homepage.

Wer schon gebucht hat, hat dadurch keine Nachteile: Alle Tickets des Fernverkehrs für die Reisetage 09.02.2020 bis einschließlich 11.02.2020 behalten ihre Gültigkeit und können bereits ab Samstag, 08.02.2020 bis mindestens Dienstag, 18.02.2020 genutzt werden. Zudem können Tickets entweder kostenfrei storniert oder von Samstag, 08.02.2020 bis eine Woche nach Störungsende flexibel genutzt werden, heißt es in der Warnung. Dieses gelte auch für zuggebundene Tickets, außerdem können Sitzplatzreservierungen gebührenfrei umgetauscht werden.

Flugausfälle wegen Orkan am Flughafen München

Am Flughafen in München sind bedingt durch das Orkantief „Sabine“ bis Sonntagmittag bereits rund 80 Starts und Landungen ausgefallen. Die gestrichenen Abflüge seien meist mit Flugrichtung nach Norden geplant gewesen, sagte ein Sprecher des Flughafens am Sonntag.

Mit Blick auf die weitere Entwicklung des Flughafenbetriebs sagte er: „Es wird definitiv Ausfälle und Verspätungen geben.“ Der Sturm könnte noch massive Beeinträchtigungen haben. Da ab einer bestimmten Windgeschwindigkeit Arbeiten auf dem Flugfeld eingestellt werden müssen, könnte der Betrieb dort durch den Sturm zeitweise zum Erliegen kommen. So müsste dann etwa das Betanken oder Beladen von Flugzeugen ausgesetzt werden. Wie viele Flüge am Sonntag und Montag ausfallen, hänge von Entscheidungen der Fluglinien ab.

Flughafen Stuttgart: Flugausfälle und Verspätungen

„Sabine“ wirbelt auch den Flugplan des Flughafens Stuttgart durcheinander. Bereits am Sonntag war eine Reihe von Flügen gestrichen. Das ging aus den im Internet veröffentlichten Übersichten zu den Ankünften und Abflügen hervor.

Ein Flughafensprecher erklärte, es handele sich vor allem um Maschinen, die aus dem Norden und Nordwesten Deutschlands und Europas kommen oder dorthin fliegen sollten. Dort war der Sturm schon am Sonntag zu spüren. In Stuttgart selbst war es am frühen Nachmittag zunächst ruhig. Wenn die Maschinen aber nicht in Stuttgart ankämen, fehlten sie für die geplanten Weiterflüge, sagte der Sprecher. Die Airlines seien dabei, ihre Planungen für den Montag zu aktualisieren. Genauere Informationen sollten am Sonntagabend abrufbar sein.

Schulfrei wegen Sturm in Baden-Württemberg

Angesichts möglicher Gefahren auf dem Schulweg infolge des Orkans „Sabine“ hat das Kultusministerium Baden-Württemberg reagiert und Hinweise für Eltern veröffentlicht.

Schulausfall in Bayern

Im Landkreis Neu-Ulm und in Günzburg wurde der Unterricht aufgrund der Sturmwarnung vorsorglich ganz abgesagt. Das gab das Landratsamt am Sonntag bekannt. Auch Kindergärten bleiben geschlossen.

Zur Arbeit trotz Orkan?

Während in Baden-Württemberg und Bayern die Vorkehrungen auf Orkan „Sabine“ hauptsächlich für Schulen und Kindergärten getroffen wurden, fragen sich natürlich auch Arbeitnehmer: Darf ich auch zuhause bleiben? Was sie beachten müssen.

Wegen Orkan: Bundesliga-Spiel Mönchengladbach gegen Köln abgesagt

Aufgrund des Sturmtiefs ist auch das erste Bundesliga-Spiel abgesagt worden. Die Partie zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln am Sonntagnachmittag fällt aus.

Mönchengladbach

Sturm sorgt für Spiel-Absage Ratiopharm Ulm vs. Baskets Bonn

Auch die Ulmer Baketballer sind von der Sturmwarnung betroffen. Das für Sonntag um 18 Uhr angesetzte Spiel in Bonn wurde am Mittag abgesagt.

Sturm Stufen der Beaufort-Skala: Wann ist es ein Orkan?

Um Windgeschwindigkeiten zu klassifizieren wird die sogenannte Beaufort-Skala verwendet. Die Skala hat 13 Stufen von 0 bis 12.

0 - Windstille

1 - leiser Zug

2 - leichte Brise

3 - schwacher Wind

4 - mäßiger Wind

5 - frischer Wind

6 - starker Wind

7 - steifer Wind

8 - stürmischer Wind

9 - Sturm

10 - schwerer Sturm

11 - orkanartiker Sturm

12 - Orkan

Eine detaillierte Übersicht findet ihr auf der Homepage des DWD.

Radar: RTL- und DWD-Experten zur Sturmwarnung

Der Orkan weht nicht nur über Deutschland hinweg, sondern auch über die Britischen Inseln, Frankreich, Spanien, Skandinavien und die Benelux-Länder. Auch in den Niederlanden wurden schon sicherheitshalber Erstliga-Spiele abgesagt.

RTL zeigt in einem Video, wie der Sturm über Europa zieht und wann er wo ankommt. Auch der Deutsche Wetterdienst warnt seit Tagen eindringlich vor dem Orkan „Sabine“. Auf Twitter postete der DWD eine Sturm-Karte, auf der die am stärksten betroffenen Regionen Deutschlands gekennzeichnet sind.

Wetter Bayern und Baden-Württemberg heute

Am Sonntagvormittag und im weiteren Tagesverlauf ist es in Bayern vor allem südlich der Donau sonnig, im Norden zunehmend wolkig, in Unterfranken setzt gegen Abend etwas Regen ein. Die Temperaturen liegen bei maximal 7 Grad im Fichtelgebirge bis 14 Grad im Alpenvorland. Es herrscht mäßiger, in Franken frischer Südwestwind. Ab Mittag kommt es zu starken bis stürmischen Böen, im Bergland sogar zu schweren Sturmböen. In der Nacht zum Montag setzt schauerartiger, vereinzelt gewittriger Regen ein, im Südosten stellenweise Glatteisgefahr.

Am Vormittag ist es im Osten und Süden Baden-Württembergs heiter, zeitweise sonnig. Im Westen und Nordwesten gibt es mehr Wolken, gegen Abend dichten sich die Wolken überall. Im Nordwesten setzt Regen ein. Die Temperaturen liegen zwischen 8 Grad im Bergland und 17 Grad am Oberrhein. Zunächst schwacher, im Tagesverlauf mäßiger bis frischer Südwestwind mit starken bis stürmischen Böen. In der Nacht zum Montag wird dann starker bis stürmischer Wind aus Südwesten erwartet, gegen Morgen eventuell orkanartige Böen.

Orkan Xavier 2017: Mehrere Tote durch Sturmtief

Anfang Oktober 2017 zog das Sturmtief „Xavier“ über Mitteleuropa und sorgte für mehrere Tote und erheblichen Schaden. Xavier“ war nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) einer der schlimmsten Stürme der vergangenen Jahrzehnte. Flüge fielen aus, Bus und Bahn standen still. Durch Unfälle wurden viele Menschen verletzt. Sieben Menschen verloren durch den Sturm sogar das Leben.