„Das ist wirklich ein ganz großer Sturm“, sagt Sven Plöger. Als der Diplom-Meteorologe und TV-Wettermoderator am Freitag gegen 17 Uhr nochmals auf seine Wettermodell schaute, erkannte er eine „wirklich deftige“ Lage.

Auf dem Brocken sind Böen bis zu 200 Stundenkilometer möglich

„Das sehe ich auch sehr, sehr selten“, sagt er. Auf 1500 Metern, der für Meteorologen wichtigen Vorhersage-Höhe, erwartet Plöger großflächig Windgeschwindigkeiten von 90 Knoten, was etwa 170 Stundenkilometern entspricht. Schon bei 60 Knoten in dieser Höhe müsse man mit schweren Orkanböen rechnen. „Für den Brocken halte ich Spitzengeschwindigkeiten zwischen 180 und 200 Stundenkilometern nicht für unwahrscheinlich“, sagt Plöger.

Orkan „Sabine“ wird ganz Deutschland beschäftigen

Für besonders gefährlich hält er „Sabine“ aber, weil dieser Wintersturm ganz Deutschland beschäftigen wird. Anders als Orkan „Lothar“, der am 26. Dezember 1999 vor allem Süddeutschland erwischte. „Wir sind da eher bei ,Kyrill’“, warnt Plöger. Dieser Orkan hatte am 18. und 19. Januar 2007 das öffentliche Leben in weiten Teilen Europas beeinträchtigt. Alleine in Deutschland verursachte er einen Schaden von 5,5 Milliarden Euro.

Der Star-Meteorologe rechnet mit großen Problemen für die Bahn

„Ich möchte nicht unken, aber ich gehe davon aus, dass die Bahn am Sonntagnacht den Verkehr einstellen wird. Und dass viele Feuerwehren bei Dunkelheit arbeiten müssen.“ In weiten Teilen Deutschlands werden die schlimmsten Böen wohl nachts einsetzen. Gerade für die Mittelgebirge wie Taunus, Rhön und Harz rechnet Plöger am Sonntagnacht mit größeren Problemen und „umgestürzten Bäumen“. Böen mit einer Geschwindigkeit von 120 Stundenkilometern hält er für wahrscheinlich.

Behinderungen im Montags-Berufsverkehr sind zu erwarten

In Süddeutschland wird Orkan „Sabine“ seine Spitzengeschwindigkeiten dann wohl erst am Montag erreichen. Plöger rechnet hier mit „kräftigsten Regengüssen“ und Windgeschwindigkeiten von immer noch 100 bis 110 Stundenkilometern. „Das kann im Berufsverkehr schon ungemütlich werden“, sagt der 52-Jährige. Und auch in der Nacht auf Montag werde es schon „kräftig an den Fensterläden rappeln“.

In Ulm wird es zwischen 11 und 14 Uhr ungemütlich

In Ulm, wo Sven Plöger seit 23 Jahren lebt, erwartet er die Sturmfront am Montag zwischen 11 und 14 Uhr. „Dann kommt der Regen mal richtig quer“, sagt er. Mit Orkanböen von um die 100 Stundenkilometer Geschwindigkeit rechnet er für Ulm und die Schwäbische Alb. „Aber auch Böen von 120 Stundenkilometern sind nicht auszuschließen.“

Sven Plöger empfiehlt: Terrasse rechtzeitig abräumen

Plöger rät jedenfalls von unnötigen Wegstrecken und „sinnlosen Wanderschaften“ ab. „Ich werde alles, was nicht niet- und nagelfest ist, von meiner Terrasse räumen“, sagt er – und empfiehlt dies auch allen, die Orkan „Sabine“ möglichst schadlos überstehen wollen.