Die gute Nachricht: Die Sammlung von AEG-Telefunken-Geräten, die rund 1000 Exponate umfasst, ist als „bewegliches Kulturdenkmal“ unter Schutz gestellt. Sarah Krix von der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Ulm hatte gemeinsam mit einem Vertreter des Landesamts für Denkmalschutz den Großteil der Geräte, die noch in Räumen auf dem Firmengelände der „Airbus Defence and Space“ in der Wörthstraße 85 gelagert sind, besichtigt und schnell gehandelt.

Die schlechte Nachricht: Während diese Exponate im Trockenen stehen, sind andere Geräte bereits ausgelagert worden. Darunter bis zu 60 Jahre alte Funk-, Peil- und Radarsysteme. Sie wurden in Containern verstaut – „unter suboptimalen, weil feuchten Bedingungen“, wie Hans-Walter Roth sagt. Der CDU-Stadtrat will die gesamte Sammlung retten und in ein Museum der Technikgeschichte überführen, nachdem Airbus-Investor Kohlberg-Kravis-Roberts keinen Wert auf eine Zusammenarbeit mit dem Museum legt und dessen Räumlichkeiten gekündigt hat.

„Die Sammlung von AEG-Telefunken-Geräten ist Ulmer Geschichte, die Geschichte unserer Stadt. Die Ausstellung muss erhalten werden.“ Das zumindest gibt Roth als langfristiges Ziel aus. Ihm schwebt auch schon der geeignete Ort vor: die Wilhelmsburg. Sie sei die Lösung schlechthin, „auch für andere Sammlungen, für Magirus beispielsweise oder für Maschinen aus der Pflugfabrik Eberhard“.

Das kurzfristige Ziel aber kann nur heißen: die mehreren hundert Exponate der AEG-Telefunken-Sammlung an einem sicheren und trockenen Ort zwischenzulagern. Und das müsse schnell passieren, fordert Roth, „sonst brauchen wir keinen Freundeskreis mehr, um die Sammlung zu retten“. Nun, der Freundeskreis hat sich gegründet, erste Gespräche mit Airbus-Verantwortlichen am Standort Ulm waren insofern erfolgreich, als das Museum erst geräumt werden muss, wenn ein Ausweichquartier gefunden ist.

Fritz Arends zeigt sich erleichtert über diese neueste Wendung. „Das war die einzig vernünftige Lösung“, sagt er, der das Museum gemeinsam mit Detlef Gröbe seit nunmehr 18 Jahren betreut. Ein Museum, das kurz vor der Jahrtausendwende noch eine kleine Sammlung mit rund 50 Geräten war. Sie ist mit den Jahren peu à peu gewachsen, „wir haben das Museum mit Leben gefüllt“, sagt der Ingenieur. Vorträge standen auf dem Programm, zur Nachrichtenverschlüsselung gab es ein zweitägiges Symposium (siehe Info-Kasten), und Arends, Gröbe sowie zwei ehemalige Kollegen führten nach Terminvereinbarung Besuchergruppen durch das Museum, darunter in- und ausländische Kunden. „Das Interesse an Funk- und Radarhistorie ist groß.“ Umso enttäuschter ist er darüber, dass Airbus von heute auf morgen das Museum habe abwickeln wollen. Dass die Sammlung auf der Wilhelmsburg unterkommen wird, ist die Hoffnung von Fritz Arends, „aber auf die Schnelle geht das nicht“.

Gunter Czisch kennt die Sammlung nicht aus eigener Anschauung, weiß aber um die Bedeutung der Ulmer Technikgeschichte, „insofern wäre ein Haus der Technikgeschichte angebracht“. Die Wilhelmsburg sei grundsätzlich auch geeignet, sagt der Oberbürgermeister, „wir sind aber derzeit noch nicht so weit. In absehbarer Zeit werden wir das konkretisieren.“

Die sagenumwobene Enigma


Verschlüsselung

Bei der Enigma handelt es sich um eine Rotor-Schlüsselmaschine, die im Zweiten Weltkrieg zur Verschlüsselung des Nachrichtenverkehrs des deutschen Militärs verwendet wurde. Fritz Arends spricht von einem „sagenumwobenen Apparat, von dem fast jeder schon mal etwas gehört hat“. Die Enigma wurde zwar nicht von Telefunken hergestellt, aber sie ist ein wichtiger Teil der Funkhistorie und war deshalb in der Ausstellung präsent. Ein Sammler hatte das teure Stück als Leihgabe dem Museum überlassen. Den Alliierten gelang es übrigens, die deutschen Funksprüche nach und nach zu entziffern.