An manchen Stellen der künftigen Straßenbahnlinie 2 wird es eng werden. Zum Beispiel an zwei Haltestellen entlang der Römerstraße zum Kuhberg. „Hier haben wir einfach zu wenig Platz, um für Radfahrer einen Schutzstreifen auszuweisen“, erklärt Thorsten Fisch, der bei der Taskforce der Stadt für die Linie 2 arbeitet. Die Folge: Radfahrer müssen durch die Haltestelle fahren.

Man sieht es an den skeptischen Mienen: Die Lösung der Planer weckt Zweifel bei einigen der rund 15 Radfahrer, die an der von der Stadt, SWU-Verkehr und ADFC organisierten Radtour entlang der künftigen Linie 2 am Freitagabend teilgenommen haben. Zweck der Tour war die Streckenführung für Radfahrer entlang der Straßenbahnlinie 2.

„Das wird gefährlich“, sagt etwa die 70-jährige Helga Schulz, eine routinierte Radfahrerin, die im Sommer meist auf das Auto verzichtet. Denn viele der Wartenden würden nicht schauen, was um sie herum passiere und gingen aufs Smartphone schauend herum. Und manche Radfahrer seien zu schnell unterwegs. Andere Tourenteilnehmer merken an, dass Radfahrer höchstwahrscheinlich auf den Fußgängerweg ausweichen würden, um diese Stellen zu umfahren. Warum man nicht – wie in Söflingen – den Radweg hinter den Wartehäuschen entlang leite?

Ganz einfach: Es ist zu wenig Platz an manchen Stellen der neun Kilometer langen Strecke der Linie 2, die den Kuhberg mit der Wissenschaftsstadt am Eselsberg verbindet. „Wir wissen, dass das eine knifflige Situation ist“, sagt Fisch und auch die Fahrradbeauftragte der Stadt, Friederike Christian, nickt. Da man jedoch nicht einfach Gebäude abreißen könne, um mehr Platz zu schaffen, sei nichts anderes übrig geblieben. Peter Beckmann, stellvertretender Vorsitzender des ADFC Ulm/Neu-Ulm und Tourenleiter, springt den Planern zur Seite: „Wir Radfahrer sind nicht allein auf der Welt. Es ist klar, dass dies hier ein Kompromiss ist.“

Mehr Radfahrer auf der Straße

Dass künftig gegenseitige Rücksichtnahme und Kompromissbereitschaft von allen Verkehrsteilnehmern eingefordert wird, ist auf der Tour deutlich geworden. So werden sich Autofahrer daran gewöhnen müssen, dass Radfahrer mit ihnen auf der Straße fahren. Und zwar – je nach Situation – auch durchaus in der Mitte der Fahrbahn. Also so, dass nicht überholt werden kann.  Der Grund: An einigen Stellen der Strecke wird es keine Schutzstreifen geben und der Radverkehr wird auf die Straße geleitet – nach neuesten Studien da – „wo er hingehört und von den Autofahrern auch am besten wahrgenommen wird“, wie Friederike Christian erklärt. So etwa in der Neutorstraße auf Höhe des SWU-Gebäudes in Richtung Kienlesberg. Des weiteren ab dem Weinbergweg bis zum Botanischen Garten und in der Römerstraße etwa bergabwärts ab dem Einkaufszentrum. Vermieden wurde, soweit möglich: „Gemeinsame Fuß- und Radwege“, sagt Christian. Die haben sich nicht bewährt. Noch nicht abgeschlossen sei die Planung um den Bahnhof herum.

Sie habe die Tour sehr lehrreich empfunden, zieht Helga Schulz Bilanz. Das ist auch der Eindruck von Tourenleiter Beckmann: „Die Leute haben verstanden, warum die Stadt so oder so plant. Dann werden Entscheidungen eher akzeptiert.“ Das habe die Tour geleistet. Eine Wiederholung sei sinnvoll. „Vielleicht fährt dann auch mal ein Gemeinderat mit.“

Fragen an von Winning


Der Ulmer Baubürgermeister zur Situation für Radfahrer in Ulm.

Ulm ist wegen der vielen Berge keine ideale Radstadt. Wie hoch soll der Anteil der Radler am Verkehr mittelfristig sein?
Tim von Winning:
Es gibt im Verkehrsentwicklungsplan ein beschlossenes Ziel, dass 2020 der Radverkehr an innerstädtischen Wegen einen Anteil von 20 Prozent hat.

Sind E-Bikes die Lösung für Anwohner auf Kuh- oder Eselsberg?
Sie sind eine attraktive Möglichkeit, die Vorteile des Radfahrens zu nutzen, ohne zu sportlich sein zu müssen. Ich habe anstatt eines Dienstwagens ein Pedelec – für Fahrten etwa zur Uni eine gute Unterstützung.

Seit einigen Jahren wird über ein Verleihsystem für Räder diskutiert. Wie ist der Stand?
Fraglich, ob die Stadtgröße ausreicht, um ein funktionsfähiges Verleihsystem zu betreiben. Sicher ist: Dies wäre nur mit erheblichen öffentlichen Zuschüssen machbar. In einem ersten Schritt wollen wir die Leihfahrräder der UNT, die für touristische Zwecke im Deutschhaus untergebracht sind, zentraler positionieren und vielleicht durch Pedelecs ergänzen. jon