Ulm / Verena Schühly  Uhr

Cool. Es ist eine geniale Sache, so etwas zu machen.“ Sätze wie der von Matthias Eppler sind gestern beim zweiten Bikefestival Ulm oft zu hören. Rund 3000 Besucher nutzen die Gelegenheit und kommen auf den Eselsberg, viele selbst auf zwei Rädern.

So auch Eppler. Verschwitzt stellt er gerade sein Rad ab und will sich ins Gewimmel stürzen. „Später kommt die Family nach“, sagt der Vater, der in der Schweiz lebt und hier in der Gegend Urlaub macht. Die Familie hat den Ausflug nach Ulm extra deshalb ins Programm aufgenommen, weil die Veranstaltung breit angelegt ist.

„Wir wollen allen etwas bieten: Anfängern, Fortgeschrittenen, Profis, kleinen und großen Radfans“, beschreibt Jörg Binder vom zehnköpfigen Organisationsteam der beiden Alpenvereinssektionen Ulm und SSV 1846 die Idee. Der Aktionstag findet am Rand des Science Parks III statt, wo auch der Ulmer Mountainbike-Trail beginnt, eine rasante Abfahrtstrecke ins Schammental mit halsbrecherischen Kurven und Rampen für waghalsige Sprünge.

Training vor dem Rennen

Dort hat gerade Christian Zehender den Zielsprung fürs Downhill-Rennen trainiert. „Ich finde das geil hier. Wir hätten uns gefreut, wenn es das früher schon gegeben hätte“, berichtet der 41-Jährige, der aus Ulm stammt, aber mittlerweile in München lebt. Gemeinsam mit Joel Andrade (33) und drei weiteren Kumpels hat er sich fürs Rennen angemeldet – als „Wiederaufleben der guten alten Zeiten“.

Früher haben sie an vielen Wettbewerben in ganz Deutschland teilgenommen. Wie groß ist der Ehrgeiz jetzt? Da müssen beide nicht lange nachdenken: „Wir wollen gut runterkommen und dass nichts kaputtgeht.  Vor zehn Jahren war das anders, aber mit Verantwortung für Familie und Beruf verschieben sich die Prioritäten“, macht Zehender klar und gibt sich gelassen.

Mit vollen Ehrgeiz hingegen geht Oskar Gnilka an den Start des Kinder-Rennens – und macht den vierten Platz in der Altersklasse U9. „Ich will Profi werden“, sagt der Achtjährige im Brustton der Überzeugung. „Oskar baut sich daheim ständig selber Rampen, um Sprünge zu üben“, berichten seine älteren Geschwister. „So was gibt es bei uns im  Dorf in Weidenstetten leider nicht.“ Die ganze Familie genießt das Bikefestival wegen der „vielen Action für alle“.

Erfahrungen sammeln

Auch Anna Mayer und ihre Tochter Ann-Kathrin hatten gerade Action: Die fahrradbegeisterten Frauen aus Bühl haben gerade bei einem Fahrtechnik-Schnupperkurs mitgemacht: „Wir sind hier, um Erfahrungen zu sammeln.“ Dann gehen sie weiter, um sich nach der neu gewonnen Fahrpraxis umzuschauen, was es so an Fahrrädern, E-Bikes, Radklamotten, Radreisen und anderen Angeboten rund um Zweirad-Aktivitäten auf dem Festival gibt.

Wer nicht selbst fahren mag, kann auch nur schauen – und staunen über die Vorführungen der BMX-Rad-Akrobaten und beim Bunny-Hop-Contest. Beim Best Trick kommt es nicht nur auf das Können, sondern auch auf eine originelle Verkleidung an, mit der man punkten kann.

„Ich finde es super, dass es hier so viele Aussteller gibt und man Räder ausprobieren kann“, sagt Florian Dambacher. Der Nersinger  findet es angenehm, dafür nicht weit wegfahren zu müssen, sondern die Bikes direkt auf seinen „Hometrails“ testen zu können: „Da ist der Vergleich besser möglich.“ Außerdem schätzt er es, hier Gleichgesinnte zu treffen und mit ihnen fachzusimpeln.

Einen Trend stellt auch Rüdiger Becker aus Aalen fest: „Das Mountainbiken wird aus der Sportart hinaus immer mehr zum Livestyle.“

Zahlen und Namen zur Veranstaltung

Bilanz Jörg Binder vom Orga-Team zieht eine positive Bilanz des zweiten Ulmer Bikefestivals: Schätzungsweise waren 3000 Leute dort, und die beiden Regenschauer „haben der guten Stimmung keinen Abbruch getan“. Allerdings ist ein kleiner Teil der Downhill-Rennstrecke aus Sicherheitsgründen gesperrt worden, weil er nach dem Regen zu rutschig war.

Sieger im Downhill- Rennen: David Zimmermann (U15), Lisa Rittelmann und Erik Emmrich (U19), Susanne Ferstl und Tobias Schleis (U30), Lotte Stevens und Mario Koch (Ü30).