Drogenprozess Zweiter Verhandlungstag im Drogenprozess

cmy 01.07.2017

Er verkaufte 2016 kiloweise Amphetamine an einen verdeckten Ermittler der Polizei und muss sich deshalb gemeinsam mit seiner ehemaligen Freundin vor der dritten Strafkammer des Ulmer Landgerichts wegen Drogenhandels in nicht geringen Mengen verantworten. Für das Gericht unter Vorsitz von Wolfgang Tresenreiter geht es bisher vor allem um die Frage: War der 32-Jährige – er sitzt seit seiner Festnahme in Untersuchungshaft – alleiniger Täter und seine gleichaltrige Ex-Partnerin – sie ist auf freiem Fuß – das nichts ahnende und frisch verliebte Unschuldslamm, als das sie sich am ersten Verhandlungstag präsentiert hatte (wir berichteten)? Oder war die Chemielaborantin, die für ihren neuen Freund kurz  nach dem Kennenlernen einen 30 000 Euro-Kredit für den Kauf eines schicken Autos aufgenommen hatte, in dessen Drogendeals involviert – zumindest als Mitwisserin?

Drogen ins Klo geschüttet

Im Mittelpunkt des gestrigen Verhandlungstages stand die Befragung jener Polizeibeamten, die das Paar Ende November verhaftet hatten. Bei der Erstürmung und Durchsuchung der Wohnung fanden die Beamten eine Jute-Tüte mit einem Säckchen weißen Pulvers im Wohnzimmer. Auch in der Toilette wurden sie fündig. Kurz vor der Razzia hatte die sich zu diesem Zeitpunkt alleine in ihrer Wohnung am Michelsberg aufhaltende Frau noch versucht,  das Amphetamin im Klo herunterzuspülen, vergeblich. Ein Polizist beförderte den Stoff beziehungsweise das, was davon übrig war, mit den Händen aus der Kloschüssel ans Tageslicht. Beweisfotos von der Verhaftung zeigen: An ihren Händen klebt weißes Pulver.

Gefasst und „cool“ habe die junge Frau nach der Festnahme gewirkt, sagten zwei Polizeibeamte. Schon damals habe sie beteuert, nicht zu wissen, um was für eine Art von Pulver es sich gehandelt habe. Auch ihr Freund hatte bei der Vernehmung immer wieder betont, seine Freundin  habe „nichts mit der Sache zu tun“. Gegenüber den Beamten habe er sich sogleich als möglicher Kronzeuge ins Gespräch gebracht und gefragt, ob er milder bestraft werde, wenn er über die Hintermänner auspacke. Im Prozess selbst hat sich der 32-Jährige noch nicht geäußert.  Die Verhandlung wird am Dienstag mit der Befragung weiterer Zeugen fortgesetzt. Drei weitere Verhandlungstage sollen folgen. Die Urteilsverkündung  ist für den 25. Juli angesetzt.