Ehrung Zwei verdiente Ulmer ausgezeichnet

Ulm / Verena Schühly 23.07.2018
Mit der Ulmer Bürgermedaille sind am Montag der Pfarrer Rolf Engelhardt und Historiker Henning Petershagen ausgezeichnet worden.

Alle zwei Jahre zeichnet der OB nach seiner Schwörrede zwei besonders verdiente Bürger mit der Medaille der Stadt Ulm aus. Diesmal waren es Rolf Engelhardt, langjähriger Pfarrer der Pauluskirche und Organisator der Vesperkirche, sowie Henning Petershagen, Historiker, profunder Kenner der schwäbischen, insbesondere der Ulmer Mentalität und Stadtgeschichte wie auch langjähriger Redakteur der SÜDWEST PRESSE.

„Ich sehe das als Bestätigung meiner Arbeit. In 18 Jahren habe ich in Ulm einiges bewegt. Da ist jetzt so eine öffentliche Anerkennung ganz in Ordnung.“ Sagt Engelhardt in der ihm typischen unaufgeregten Art. Von 1999 bis Oktober 2017 war der 66-Jährige an der evangelischen Kirche. Seit Dezember ist er auf eigenen Wunsch Gemeindepfarrer in Zell am See: „Aufhören entspricht mir gar nicht.“ In Österreich wird die Altersgrenze von 65 nicht so rigide gehandhabt wie in Württemberg.

Die Vesperkirche gab es zwar schon fünf Jahre, als der gebürtige Stuttgarter seine Stelle antrat. Aber er hat sie zu dem weiterentwickelt, was sie heute ist. Keine Nische für Bedürftige, sondern „ein ganz selbstverständlicher Ort der Stadtgesellschaft. Wo sich trotz aller Unterschiede, die es gibt und die zum Teil riesengroß sind, alle Menschen der Stadt begegnen, sich in ihrer Unterschiedlichkeit wahrnehmen und merken: Wir gehören zusammen.“

Bei aller Ehre betont Engelhardt, dass das nicht allein sein Verdienst war, sondern viele andere Menschen vom ökumenischen Helferkreis daran mitgewirkt haben. Genau so wie er ein Mensch ist, der immer erst nachdenkt, ehe er auf eine Frage antwortet.

Die Pauluskirche wurde so zu einem Ort der Gastfreundschaft, der weit über Ulm hinaus wirkt. Doch das Gotteshaus ist auch außerhalb der vier Wochen im Januar/Februar hinaus dank Rolf Engelhardt präsenter in den Köpfen der Ulmer geworden. „Seine“ Pauluskirche, von 1908 bis 1910 von Theodor Fischer „ganz bewusst im Kontrast zum Münster“ erbaut, ist für ihn ein wichtiges Beispiel, wie sich die klassische Moderne in der Architektur etabliert hat.

Ebenso modern waren die Impulse, mit denen sich unter dem Theologen das Gemeindeleben neu konstituiert hat.  „Die traditionellen Gruppen haben bei uns nicht funktioniert“, sagt er im Rückblick. Unter seiner Ägide entstand das Konzept, den Sonntag das ganze Jahr über bewusst zu feiern. „Damit er nicht weiter an Bedeutung verliert. Er ist ein wirklich zweckfreier Tag, der keiner Verwertung unterliegt“, beschreibt Engelhardt die Idee. Literatur-, Orgel-, Abraham-, Architektur-,  Israel-, Ökumene-Sonntag sind nur einige Beispiele aus dem liturgischen Jahreskalender. Seine Gemeindeglieder schätzten ihn als zugewandten Seelsorger.

In der Laudatio lobte Gunter Czisch Engelhardt als „Impulsgeber, Wegbereiter, Mitmensch, der die unterschiedlichsten Menschen in Ulm zusammengebracht hat, der für sie mit ganzer Kraft und ganzem Herzen da war, der den Zusammenhalt und das Mitgefühl in der Bürgerschaft nachhaltig gestärkt hat, dessen Wirken in seiner Gemeinde und der Vesperkirche Spuren hinterlässt, der mit seinem Handeln und mit seiner Person für das steht, was eine Stadtgemeinschaft lebenswert macht.“

Die Ulmer Stadtgemeinschaft nimmt der Geehrte gerade aus der österreichischen Diaspora wahr. Maximal fünf Jahre wird sein Einsatz dauern, „dann ist es auch genug“, mutmaßt er. Dann will er zurückkommen, in Neu-Ulm betreibt seine Frau als Ärztin ihre Gemeinschaftspraxis weiter. Bis dahin wird sich Rolf Engelhardt weiterhin unaufgeregt, engagiert und mit neuen Ideen dort einmischen, wo er lebt. Beispielsweise im Hinblick darauf, wie sich der Tourismus auf eine für die Einheimischen gute Weise weiterentwickeln lässt.

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