Ulm Zwei Ulmer Italiener begeistern im Theater

Die Strado Compagnia Danza nutzt meterlange Stoffbahnen als Blickfang.
Die Strado Compagnia Danza nutzt meterlange Stoffbahnen als Blickfang. © Foto: Martina Dach
Ulm / CHRISTA KANAND 20.06.2015
Faszinierender Doppelabend des Festivals "Ulm moves!" im Theater Ulm: Domenico Strazzeris Tanzperformance "Acht" und Roberto Scafatis Ballett "Lascia che accada" wurden laut gefeiert.

Melodiefetzen, kosmische Klänge. Im Bühnenhintergrund frickeln Florian Lipphardt (Klavier/ Elektronik) und Joao Hoyler Correira (Schlagwerk). In einen Schlauch aus elastischem Stoff, der mal weiß, dann bläulich angestrahlt von der Bühnendecke herabhängt, kommt Bewegung. Schemenhafte Drehungen, Schatten von Armen und Händen. Dann harte Schlagzeug-Breaks, wummernde Bässe: Wie aus einem Ei entschlüpft ein Mann dem Schlauch.

Ein Tänzerinnen-Quartett ganz in Weiß stürmt barfuß in die hellen Spots. Temporeiche synchrone Tanzfiguren, Pirouetten, Breakdance-Elemente, Knoten, Schrauben und Sprünge entfesseln sich zum Musik-Mix. Und immer wieder als luftig bewegtes Stilelement das Spiel mit bodenlangen Ärmeln und meterlangen Stoffbahnen, die sich zur "Acht" formen. So nennt Domenico Strazzeri seinen neuen Tanzabend, der am 30. Juli Premiere im Stadthaus feiert. Ausschnitte daraus zeigte seine Strado Compagnia Danza jetzt im Theater Ulm und erntete nach atemloser Verzauberung Riesenbeifall und Begeisterungspfiffe des jungen Publikums.

Diese Publikumsreaktionen gab es auch für den zweiten Teil des Abends: Roberto Scafatis "Lascia che accada". Die Choreografie hatte er vergangenes Jahr fürs Mainfranken-Theater Würzburg gemacht, die Theater-Compagnie zeigte sie jetzt erstmals in Ulm. Der Titel heißt übersetzt "Lass es geschehen". Scafati ließ viel Raum für Assoziationen, rätselhaft war nur die englische Stimme aus dem Off, die eher ablenkte. Ansonsten ergänzten sich Hochleistungsballett, Kostüme, Licht und sparsame Bühnenelemente zur eingespielten Musik von Philip Glass, Félix Lajko, Ólafur Arnalds und Loscil stimmig.

Luftballons beherrschten die Szenerie, waren Metapher fürs Loslassen. Dies versinnbildlichen fünf Paare in Söckchen in fließend gleitenden Bewegungen, in eiskunstlauf-ähnlichen Hebefiguren, wild-rasanter Männerperformance. Im Pas de deux wird Pablo Sansalvador, ein Kraftpaket mit Sprungkraft, von Yuka Kawazu, federgewichtig in Unschuldsweiß, umgarnt. Doch dann ein lauter Knall: Sie zerstört den Ballon - und die Bindung. Am Ende regnets Luftballons und wie gesagt stürmischen Applaus.

Zwei Mal internationale Tanzklasse

Festival "Ulm moves!" bringt noch bis Sonntag Klasse-Ensembles nach Ulm. Heute, Samstag, 19 Uhr, ist eine der weltweit renommiertesten Compagnien im Theater Ulm zu Gast: die Akram Khan Company aus London mit dem Stück "Kaash". Den Schlusspunkt setzt am Sonntag, 20 Uhr, ebenfalls die internationale Tanz-Klasse: Anne Teresa de Keersmaekers Pas de deux "Verklärte Nacht" im Roxy.

Parcours Das Tanzfestival bespielt auch die Straßen und Plätze Ulms. Parcours heißen diese Darbietungen. Heute, Samstag, 16.30 Uhr, startet der Parcours beim Theater und am Sonntag, 17.30 Uhr, beim Roxy.

 

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