Söflingen Zwei links, zwei rechts in der Straßenbahn

Volle Konzentration, auch wenn's mal rüttelt: Frauen beim Strickworkshop in der Straßenbahn.
Volle Konzentration, auch wenn's mal rüttelt: Frauen beim Strickworkshop in der Straßenbahn. © Foto: Lisa Maria Sporrer
LISA MARIA SPORRER 23.04.2016
Mit einer linken Rückreihe beginnen und keine Randmaschen." Solche Ansagen sind auf einer Straßenbahnfahrt eher selten. Doch Manuela Seitter ist unbeirrt.

 "Hallo, hört Ihr mich?", fragt sie, denn auch die Damen auf den hintersten Plätzen in der historischen Straßenbahn sollen die knifflige Strickanleitung via Mikro zu hören bekommen. Schließlich hat Manuela Seitter einen besonderen Strickworkshop aufs Gleis gesetzt.

42 Sitzplätze, Wolle und Prosecco - "keine Ahnung, mir fallen immer irgendsolche Sachen ein", kommentiert die Inhaberin des Strickdesign-Ladens Rock'n' Woll aus Söflingen ihre Idee, den Workshop in einer Sonderfahrt der Straßenbahn stattfinden zu lassen. "Kaum kam mir der Gedanke, hatten sich schon 25 Leute angemeldet." Sie buchte die nächst größere Straßenbahn, bewarb die restlichen Karten auf Facebook und war innerhalb weniger Minuten ausgebucht.

An der Haltestelle Königstraße stiegen die strickbegeisterten Damen ein. Schlag 18 Uhr, um den Regelverkehr nicht zu behindern. Gestrickt wurde eine sommerliche Jacke, das Modell konnte man vorab in dem Wollladen begutachten und natürlich auch die Wolle kaufen. Nach einer kleinen Modenschau von Tina Glöckler, der Mitarbeiterin, die das Modell ausgewählt hatte, wurden dann emsig die Nadeln ausgepackt und die Maschen angeschlagen.

"Die Manu, die hat immer so tolle Ideen", lobte Siggi Christ, die, bekleidet mit ihrer selbstgestrickten Tunika im Norwegermuster, extra aus Ehingen gekommen war. Eigentlich nehme sie an keinen Workshops teil, sagt sie. Schließlich leite sie in Ehingen selber das vhs-Strickcafe. "Aber sowas muss man mal mitgemacht haben."

Die Fahrt ging von Söflingen über den Bahnhof und das Donaustadion hoch nach Böfingen. Insgesamt zwei Runden normale Straßenbahnstrecke. Besonders wacklig wurde es an der Wendeschleife in Böfingen. Dort stellte sich die Bahn aufs Abstellgleis, um eine kurze Pause einzulegen und der regulären Bahn den Weg freizugeben. "Aber es kann wackeln, wie es will", meint Gudrun Unseld. "Wir sind ja erfahrene Strickerinnen." Fertig war die Jacke am Ende jedoch nicht. Etwa 50 Stunden brauche eine Schnellstrickerin dafür. "Aber darum geht es ja nicht", meint Seitter. Sondern um die Geselligkeit und das Besondere. "Nachdem das so gut ankam, steht einer Fortsetzung nichts im Weg."