Urteil Prozess in Ulm: Zwei Jahre Haft für Kommissar

Der Kommissar ist zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt worden.
Der Kommissar ist zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt worden. © Foto: Archiv
Ulm / ruk 19.10.2018
Strafvereitelung, Diebstahl und Untreue: Für den 51-Jährigen gab es keine mildernden Umstände.

Saal 113 war proppenvoll, Kollegen und Ex-Kollegen des 51-jährigen Kommissars saßen dicht gedrängt im kleinen Raum im ersten Stock des Gerichtsgebäudes. Angenehm war die Situation für den Angeklagten sicherlich nicht: Alle Zuhörer, ja, das ganze Polizeipräsidium weiß von den Gerüchten um seine Person, davon, dass immer Geld verschwunden ist, wo er sich gerade aufhielt. Der Kommissar versuchte, den Blickkontakt zu vermeiden. Schob seinen Sessel so hin, dass er nur den Richter, den Oberstaatsanwalt und seine beiden Verteidiger im Blick hatte.

Und dann das Urteil. Zwei Jahre Haft ohne Bewährung. Äußerlich gefasst wirkte er, ja, das schon. Innerlich dürfte es anders ausgesehen haben, denn dieses Urteil bedeutet für den 51-Jährigen, der seit mehr als drei Jahren mit monatlichen Teilbezügen von 2600 Euro netto suspendiert ist, das Aus als Beamter. Verlust der Pensionsansprüche, Entzug des Beamtenstatusses.

Keine mildernde Umstände

Um eine Strafe auf Bewährung auszusprechen, sah Richter Alexander Spengler aber keine Handhabe. Mildernde Umstände konnte er nicht erkennen. Im Gegenteil. „Sie haben als Amtsträger großen Schaden in der Öffentlichkeit angerichtet und das Vertrauen, das Ihr Dienstherr in Sie gesetzt hat, enttäuscht.“ Spengler und die beiden Schöffen sahen es als erwiesen an, dass der Kommissar Bargeld, das nach Verkehrskontrollen als Sicherheitsleistung hinterlegt worden war – in einem Fall ging es um einen Betrag in Höhe von 5000 Euro –, an sich genommen hat. Um seine Spur zu vertuschen, habe er Unterlagen im Aktenschrank versteckt und in einem Fall eine E-Mail gelöscht. Spengler sprach von einer gewissen „kriminellen Energie“.

Dazu habe er „eine Vielzahl von Altfällen“ im Computersystem als „abgeschlossen“ deklariert und die Papierakten verschwinden lassen. „Sie sind niemals wieder aufgetaucht. Warum soll sie jemand anderes genommen haben?“, fragte der Richter, der abschließend noch einmal auf den „Kernbereich der Polizei, Ehrlichkeit und Gesetzestreue der Beamten“ abhob. „Darauf müssen sich die Bürger verlassen können.“

Die Verteidiger Klaus Knopf und Anita Würflingsdobler kündigten an, gegen das Urteil wohl Berufung einzulegen – nach einem ausführlichen Gespräch mit ihrem Mandanten.

Das könnte dich auch interessieren

Mit dem Urteil endet das Beamtenverhältnis

Beamtengesetz § 66 des Landesbeamtengesetzes Baden-Württemberg sagt folgendes: Das Beamtenverhältnis eines Beamten, der im ordentlichen Strafverfahren durch das Urteil eines deutschen Gerichts im Bundesgebiet wegen einer vorsätzlichen Tat zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr verurteilt wird, endet mit der Rechtskraft des Urteils.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel