Bildung Zwei für Bolivien

Nach der Schulzeit in einem der ärmsten Länder Südamerikas Gutes tun: Für Mirjam Fiedler (links) und Moana Hösch ist das genau das Richtige.
Nach der Schulzeit in einem der ärmsten Länder Südamerikas Gutes tun: Für Mirjam Fiedler (links) und Moana Hösch ist das genau das Richtige. © Foto: Oliver Schulz
Ulm / Beate Rose 03.07.2018

Abi in der Tasche – und dann? „Ich will etwas Sinnvolles machen“, sagt Moana Hösch (18), die gerade ihre Abitur-Prüfung am Kepler-Gymnasium abgelegt hat. Mirjam Fiedler (18) will nach ihrem Abschluss am Neu-Ulmer Lessing-Gymnasium da helfen, wo Kinder die Armut hart zu spüren bekommen.

Beide junge Frauen sind unabhängig voneinander darauf gekommen, dass Bolivien, das als ärmstes Land Südamerikas gilt, das richtige für sie ist. Mirjam ist auf einer Jugendmesse für Auslandsaufenthalte darauf gestoßen, Moana hatte „Bolivien irgendwie schon immer im Kopf“, auch, weil ihre Großtante 40 Jahre lang Ordensschwester in einem Krankenhaus in diesem südamerikanischen Land gewesen ist.

Den Freiwilligendienst der beiden organisiert der Verein „Amntena“, der sich am „Weltwärts“-Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung beteiligt. Jede muss 2600 Euro selbst zahlen. Helfen und noch Geld mitbringen? Für die jungen Frauen ist das kein Widerspruch. „Unser Flug und unsere Unterkunft wird davon ja auch gezahlt“, sagt Moana. Das Geld haben sie zusammen und zwar, in dem sie Leute angesprochen haben. Moana hat etwa Nachbarn von ihren Plänen erzählt oder, als sie im Dezember auf dem Weihnachtsmarkt als Aushilfe gearbeitet hat, „Wildfremde angesprochen, die eben vorbeigekommen sind“.

Mirjam engagiert sich in ihrer Kirchengemeinde in Ludwigsfeld. Eine Frau aus der Gemeinde hat ein Essen zugunsten ihrer Reise gegeben. Auch der Erlös eines Musicals des Lessing-Gymnasiums floss in das Projekt. Den Vorteil des Geldsammelns sehen beide darin, dass sie jedes Mal ihr Hilfsprojekt vorstellen mussten, sich deshalb immer intensiver damit und mit dem Land auseinandergesetzt haben. Das Überraschende für beide: Viele Leute haben Verbindung nach Bolivien. Etwa ein Schulkamerad Mirjams, dessen Vater von dort stammt.

Beide junge Frauen haben sich ehrenamtlich für Kinder engagiert, Mirjam in der Kirchengemeinde, Moana als Trainerin der Mädchen-Fußballmannschaft des SV Jungingen. Mirjam wird in Bolivien auch mit Kindern arbeiten, vormittags in einem Kindergarten, nachmittags bei der Hausaufgabenbetreuung. Beides ist in einem Kulturzentrum angesiedelt, das in der kleinen Gemeinde Bella Vista liegt, eine Stunde Busfahrt von Cochabamba entfernt, der viertgrößten Stadt in Bolivien. Dort wird Moana in einem Altenheim arbeiten. Zunächst habe sie gezögert, doch letztlich hat sie zugesagt, weil „ich dazu lernen will“. Die Arbeit mit Kindern kennt sie schon, die mit Alten noch nicht. Im Altenheim, das von Nonnen betrieben wird, leben etwa 100 Frauen und Männer. Moana soll helfen, ihnen Essen zu geben und sie bei der Körperpflege unterstützen.

Beide freuen sich auf das fremde Land, von dem sie wissen, dass es sich um eine „Machogesellschaft“ handelt, in der viele arme und viele indigene Gruppen zusammenleben. Damit sie die Sprache noch besser beherrschen, geht es für beide im Juli nach Barcelona, um das Spanische aufzufrischen. Am 1. August fliegen sie erst nach Sao Paulo, von dort nach Santiago de Chile und dann nach Santa Cruz in Bolivien, von wo es aus mit dem Bus noch stundenlang weitergeht. Davor haben beide Respekt. „Die Anreise ist kompliziert“, sagt Mirjam. Doch zuerst steht das Packen an. „Da ist die Frage ,was nehmen wir alles nicht mit“, erklärt Moana ihre Strategie beim Befüllen des Rucksacks.

Beide machen den Freiwilligendienst für ein Jahr, auch um Abstand von der Schule zu gewinnen. „Ich hab’ so viel fürs Abi gelernt, jetzt ist erstmal genug“, erklärt Mirjam. Für die Zeit nach Bolivien hat sie bereits Studienpläne, sie möchte Kindheitspädagogik oder soziale Arbeit studieren und, was prima für sie ist, der Freiwilligendienst zählt als Vorpraktikum. Moana hat noch keine genauen Studienpläne, etwas in Richtung nachhaltiger Tourismus kann sie sich vorstellen.

Auf etwas ganz anderes freuen sich beide beim Abenteuer Bolivien: Auf einen Tanzkurs für südamerikanische Tänze. Das wollen sie nur für sich tun.

75

Prozent der Kosten für den Aufenthalt werden für die Reisenden in diesem Programm übernommen. 25 Prozent müssen sie aus Spenden selbst aufbringen.

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