Donaufest Zwei Frauen steuern Zillentaxi

Ulm / Christine Liebhardt 13.07.2018
Wenn der Weg um die Donau rum zu lang ist, kommen Marlene Retter und Birgit Kopp wie gerufen.

„Oh, das ist ja eine Frau!“ Dass sie in der Tat Frauen sind, wissen Marlene Retter und Birgit Kopp zwar schon eine ganze Weile, bekommen es aber in diesen Tagen am Donauufer öfter nochmal bestätigt. Denn die beiden fahren in ihrer ersten Saison Zillentaxi auf dem Donaufest, immer zwischen Ulm und Neu-Ulm hin und her. Woran sich offensichtlich noch nicht alle männlichen Fahrgäste gewöhnt haben. Macht aber nichts, findet Birgit Kopp: „Dann sprechen wir und ich wickel’ sie ein“, erzählt sie und lacht.

Es ist ja auch nicht so, als ob sie noch nie ein Ruder in der Hand gehabt hätten. Seit zehn Jahren schiffen die Freundinnen beim Nabada die Donaunixen in ihrer Zille Richtung Friedrichsau. Tagsüber arbeitet Retter als Erzieherin, Kopp ist beim DLRG angestellte Schwimmlehrerin für Grundschüler. Auf dem Donaufest haben sie sich bisher von ihren Männern rumschippern lassen, erzählt Retter. „Vor zwei Jahren saßen wir mit einem Glas Wein in der Zille und dachten: Das können wir eigentlich auch.“ Und wie sie können. „Wir haben erstmal arg das Mundwerk aufgerissen“, sagt Retter. „Da haben sich die Männer dann beraten, ob sie uns mitfahren lassen“, ergänzt Kopp grinsend.

Was allerdings nichts mit ihrem Geschlecht zu tun hat, versichert Armin Fröhlich. Der Mann, der das Zillentaxi koordiniert, sitzt, Bier in der Hand, mit den Fahrerinnen und Fahrern im Schatten eines Pavillons am Donauufer. Zillenfahrer, sagt er, wird man nur über Leistung. Wo man herkommt, wer man ist, was man hat – nichts davon interessiert. „Die zwei Mädels können’s, sonst hätten wir sie nicht genommen. Wenn jemand die Technik nicht begreift, geht’s nicht.“ Überhaupt: „Im Grunde entscheidet nur die Donau.“

Die ist dieser Tage reichlich flach, und das hat Folgen: Für diejenigen am Steuer ist’s anstrengender, weil sie die Strömung nicht ausnutzen können. Für die, die drin sitzen, auch: Vor allem auf der Neu-Ulmer Seite sind Ein- und Ausstieg je nach Perspektive sportlich tief beziehungsweise hoch. Und wo normalerweise acht Passagiere mit ins Zillentaxi können, dürfen zur Zeit meistens bloß derer sechs Platz nehmen – sonst ist die Gefahr zu groß, dass das Boot aufläuft.

Retter und Kopp sind auf dem Donaufest getrennt unterwegs. Denn bislang dürfen beide nur vorne fahren, das ist zu Beginn einfacher. „Hinten gleichzeitig zu lenken und anzustoßen, das ist eine Kunst“, findet Retter. Wobei: Wenn’s gut läuft, könnten sie sich Ende der Woche auch mal als Steuerfrauen versuchen, findet Koordinator Fröhlich.

Ans voll besetzte Zillentaxi haben sich die Frauen das erste Mal vor ein paar Wochen gewagt. „Das war mucksmäuschenstill auf der Zille“, erinnert sich Kopp. „Da haben wir selbst gesagt: Acht Personen transportieren ist wirklich anstrengend.“ Und eine ganz schöne Verantwortung sei das auch, mit so vielen fremden Menschen drin, ergänzt Retter. Das erste Mal sei ziemlich wackelig gewesen, weil man vorne auf die Kante stehen muss. „Da hatten wir beide blaue Schienbeine, weil wir immer dagegen gestoßen sind“, erinnert sie sich.

Inzwischen haben beide den Dreh raus. Meistens sind die zwei nach Feierabend im Einsatz, anderthalb bis zwei Stunden am Stück. „Das ist ein tolles Ganzkörpertraining“, sagt Retter und grinst. „Bauch, Beine, Po!“ Die Frauen genießen das Beisammensein mit den anderen, bei Kopp ist nicht nur ihr Mann, sondern auch beide Söhne im wahrsten Wortsinne als Fahrer mit im Boot. „Das ist eine nette, gewachsene Gemeinschaft unter den Zillenfahrern“, findet Retter. Toll sei, dass jetzt auch Frauen mitfahren, neben den beiden noch eine 16-Jährige, die ihre Zille souverän über den Fluss fährt. „Das sieht alles so easy aus“, weiß Armin Fröhlich. „Es braucht aber Übung. Das ist ein Rhythmus, wie Fahrrad fahren. Und du trägst Verantwortung für die Leut’.“

Am Abend ist die Schlange vor der Ablegestelle auf der Ulmer Seite länger geworden. Kopp und Retter machen gerade Pause im Pavillon, als eine Frau die männlichen Zillenfahrer mustert. Ihr Blick wandert suchend umher, dann ruft sie: „Ich will mit den Frauen fahren!“ Da grinsen die beiden.

Kostenlose Beförderung

Trinkgeld Die Fahrt mit dem Zillentaxi von Ulm nach Neu-Ulm und umgekehrt kostet nichts – weder bei Marlene Retter und Birgit Kopp noch bei ihren Kollegen. Über ein Trinkgeld freuen sich die Frauen und Männer aber allemal. Kopp weiß: „Wenn der erste, der aussteigt, was gibt, ziehen die anderen nach.“

Mode Zu jedem Donaufest haben die Zillenfahrer ein neues T-Shirt. Normalerweise ist es blau, Kopp und Retter allerdings tragen eine knallig pinke Version, mit der sie im Gewusel sofort auffallen. „Das haben wir vorgeschlagen und durchgesetzt“, berichtet Retter und strahlt.

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