Zwei absolute Könner im Klosterdorment

BURKHARD SCHÄFER 25.06.2013

Es war ein sehr ernstes, streckenweise sogar düsteres, in jedem Fall aber ungemein fesselndes Programm, das die Geigerin Nora Chastain und ihr Klavierpartner Friedemann Rieger im holzgetäfelten Dorment des Klosters Blaubeuren ihren Zuhörern präsentierten. Den Gravitationspunkt bildeten zwei schwergewichtige Violinsonaten, die gegen Ende des Ersten Weltkriegs entstanden sind.

Die eine, die berühmtere von beiden, schrieb Claude Debussy 1917, die andere stammt aus der Feder des französisch-schweizerischen Komponisten Artur Honegger. Diese beiden Werke setzen sich auf eine je völlig andere Art und Weise mit dem Weltkrieg auseinander: Entfaltet Debussys Sonate einen genuin französischen Klangrausch, dominiert in Honeggers von Chromatik zerfurchtem Werk ein grüblerischer Grundgestus. Und genau diese unter die Haut gehenden Qualitäten brachten die beiden hoch konzentriert und technisch makellos agierenden Interpreten auch überzeugend zu Gehör.

Als hätten die auf so völlig verschiedene Art sehr ernsten Werke ihre dunklen Schatten vorausgeworfen, erklang auch die einleitende Mozart-Violinsonate in F-Dur gar nicht so unbeschwert, wie man es erwarten würde. Chastain und Rieger präsentierten Mozarts Musik als "Klangrede", um eine berühmte Formulierung von Nikolaus Harnoncourt zu bemühen, und brachten so ein vermeintlich bekanntes Werk neu zum Sprechen. Zwischen Debussy und Honegger war mit Maurice Ravels 1897 entstandener aber erst posthum erschienener Violinsonate ein echter französischer Repertoireklassiker zu hören, ebenfalls fulminant dargeboten. Zwei kurze Zugaben, eine von Frank Bridge, die andere von Lili Boulanger, setzten den gekonnten Schlusspunkt unter ein denkwürdiges Konzert.