Ulm Zurück zur eigenen Identität

Kinder tanzen beim Volkstumsabend des Bunds der Vertriebenen am Sonntagabend.
Kinder tanzen beim Volkstumsabend des Bunds der Vertriebenen am Sonntagabend. © Foto: Lars Schwerdtfeger
SWP 12.07.2016
Breslau ist die diesjährige Kulturhauptstadt Europas. Zurecht, meint Herbert Dörfler. Die nach dem Zweiten Weltkrieg völlig zerstörte Stadt erstrahle wieder.

Traditionell hatte der Bund der Vertriebenen bereits am Sonntagabend mit seinem Ost-Südostdeutschen Volkstumsabend im Donauschwäbischen Zentralmuseum die Schwörwoche in Ulm eröffnet. Die Veranstaltung soll daran erinnern, in welch schwieriger Zeit Vertriebene nach 1945 in Ulm eine neue Heimat fanden. Musik kam unter anderem vom Chor des Generationentreffs und dem Ulmer Saitenensemble. Monika Kneher, Vorsitzende der Egerländer Gmoi Ulm/Neu-Ulm, wurde für ihr langjähriges Engagement geehrt.

Der Ulmer Herbert Dörfler, einer der Gastredner, erinnerte an die diesjährige Kulturhauptstadt Breslau, deren Vorbereitungszeit acht Jahre gedauert habe. Polen habe sich bewusst für Breslau (Wroclaw) entschieden. Es sei eine Stadt, die seit 70 Jahren an einer neuen Identität arbeite. Und „sich neu erschafft, entwickelt und sich an seiner Vielfalt und der Wiederherstellung des kulturellen Erbes erfreut“.

Bekanntlich sei Breslau als Folge des Zweiten Weltkriegs  1945 total zerstört gewesen, die deutsche Bevölkerung vertrieben, Polen aus den polnischen Ostgebieten – von Russland –  besetzt, wurden in der Stadt angesiedelt und die Stadt wurde in Wroclaw umbenannt, sagte Dörfler.

Inzwischen sei die Stadt vorbildlich saniert. Das historische Rathaus, der Platz davor, die prachtvollen Handelshäuser mit schmucken Giebeln, die Kirchen, die Lage an der Oder mit 12 Inseln, die Dominsel als Juwel, 117 Brücken, zählte Dörfler auf. „Venedig des Ostens genannt“, sei Breslau wieder eine Reise wert. Die Auszeichnung „Europäische Kulturhauptstadt“ sei eine weitere Aufwertung. Der Tourismus werde zunehmen, prognostiziert würden 25 Prozent, sagte er.

Innerhalb der acht Jahre Vorbereitung sei Vieles entstanden: 400 Projekte, 1000 Veranstaltungen in acht Kuratoren mit vier Bühnen für acht Kunstgattungen: Architektur, Film, Literatur, Musik, Bildende Kunst, Theater, Oper und sonstige Aufführungen.

Dörfler erinnerte auch an die vielen Nobelpreisträger, die aus Schlesien stammen. 13 insgesamt, so viele wie kein anderes „deutsches Land“. Er wünsche sich, dass Breslau einen wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung in Europa leisten werde, schloss Ex-Gemeinderat.