Im Mittelpunkt des zweiten runden Tischs der CDU zum Handel stand das Thema Erreichbarkeit. Klaus Trucksäß von gleichnamigen Spezialisten für Kaminöfen in der Herrenkellergasse berichtete von spürbaren Frequenzverlusten im Zuge der Baustellen und forderte eine Gleichstellung des Fachhandels mit hanseatischen Großinvestoren: „Wir brauchen eine Parität mit den Sedelhöfen.“

Wegen der wichtigen Kundschaft aus dem Umland müsse Ulm mehr Rücksicht auf individuelle Mobilität nehmen: „Es ist falsch, das Auto zu verdammen.“ Die Herrenkellergasse dürfe unter der Woche keinesfalls zur Fußgängerzone werden, die Autos störten auch die Besucher von Cafés wie „Gustaff“ nicht: „Das ist eben Stadt.“

Trucksäss sagte, man könne einem Ulm-Besucher aus Biberach, der seine eingeübte Route hat, nicht noch Park and Ride erklären. Dann blieben die Leute eben weg. So habe er ungeachet des Ladengeschäfts auch auf den Verbrauchermessen in Ulm viele Besucher, weil sie die einfache Anfahrt und den weitläufigen Parkplatz Stockmahd schätzten.

Händler entsetzt über Sperrung der Herdbruckerstraße

In diesem Kontext zeigte sich Thomas Oßwald von Donau Optik in der Herdbruckerstraße entsetzt von der bevorstehenden probeweisen Sperrung der Straße. Oßwald hatte zwar ursprünglich eine Petition der Anwohner gegen den Durchgangsverkehr in der Herdbruckerstraße mit unterschrieben, aber ohne Kenntnis der inzwischen bekannt gewordenen Details der Sperrung.

Seine Kundschaft stammt nach internen Erhebungen zu 40 Prozent aus dem Umland. Er könne einem Kunden aus Holzschwang unmöglich die neue Durchfahrt durch die Schelergasse erklären. „Das kostet mich die Hälfte meines Umsatzes.“ Beim City-Marketing sei ihm schon ein Umzug empfohlen worden, doch er habe sehr viel in den Standort – der zudem auch sozial immer problematischer werde – investiert: „Leute, das kann’s nicht sein.“

Es zeigte sich bei dem Round Table, dass nicht alle CDU-Stadträte von der Sperrung der Herdbruckerstraße etwas mitbekommen hatten. Fraktionsvorsitzender Thomas Kienle betonte freilich, man befasse sich intensiv mit dem Thema Einzelhandel und habe zu diesem Zweck auch an einer Exkursion nach Koblenz teilgenommen. Dort seien zwei ECE-Center aber anscheinend auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Kienle will in jedem Fall das Ambiente der Einkaufsstadt Ulm aufwerten.

Hitzige Diskussion um die Weihnachtsbeleuchtung in Ulm

In diesem Kontext gab es eine hitzige Diskussion über die Weihnachtsbeleuchtung, die nach den Worten von Henning Krone in ihrer neuen Version auf LED-Basis zwar um die Hälfte billiger ist, aber zu 30 Prozent von der Händlerschaft co-finanziert werden soll. Den Rest übernimmt die Stadt.

Oßwald sagte, er sehe nicht mehr ein, dass er dafür herangezogen werde, obwohl er fünfstellig Gewerbesteuer zahle und ständig Parkplätze abgeschafft werden. Das mache ihn sauer. Krone sagte, in den Testgebieten der Beleuchtung um die Platzgasse seien auch einige Händler für eine Beteiligung nicht mehr flüssig.

Händler zum ÖPNV: „Jeder Bus verursacht ein Chaos“

Oßwald forderte auch stärkere Kontrollen in der zunehmend von Gastro und ausländischen Handy-Shops geprägten Herdbruckerstraße. Wenn er mal einen Aufsteller draußen habe, für den die Genehmigung abgelaufen sei, sei sofort eine Kontrolle da. Aus seiner Sicht darf es in der City nicht so werden wie am Weinhof: „Der Platz ist zu Tode beruhigt.“

Der Optiker hat im übrigen auch einen Vorschlag für die Steuerung der Kreuzung Neue Straße/Donaustraße ausgearbeitet, den er zudem bei der SPD einbringen will (siehe Infokasten).

Ulm

Die nur noch einspurig befahrbare Gänstorbrücke ist aus seiner Sicht ein weiteres Problem in Sachen Erreichbarkeit. Es sei an der Stelle nötig, den Vorrang des ÖPNV vorübergehend auszusetzen: „Jeder Bus verursacht ein Chaos.“ Beate Köhler von Optik Mersmann will Verbesserungen im östlichen Teil der Innenstadt mit Fokus auf der Frauenstraße.

Kienle schlug dann vor, das von seinem Fraktionskollegen Bertram Holz ins Feld geführte Thema Konkurrenz durch Internethandel beim nächsten runden Tisch zu besprechen. Stadträtin Barbara Münch machte deutlich, dass sie die individuellen Fachgeschäfte in Ulm als unverzichtbar für die Attraktivität der Stadt betrachtet: „Das hat etwas Einzigartiges.“ Dazu Trucksäß: „Wir müssen halten, was noch da ist.“

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Ideen für die Zukunft


Sicherheit Der erste runde Tisch der CDU zum Handel hatte sich 2017 mit dem Thema Sicherheit befasst, vor allem in der Bahnhofstraße. Daraus resultierte eine breite öffentliche Debatte. Die Lage sei aber besser geworden, sagte Initiator Bertram Holz.

SPD Wie ist die Lage des Handels und der Gastronomie in der Innenstadt? Welche Ideen für die Zukunft sind nötig, was muss die Stadt verändern? Über diese Fragen diskutieren nun auf Einladung der SPD am Montag, 18. Februar, ab 19.30 Uhr im Ratskeller: Hermann Hutter, Präsident des Einzelhandelsverbands Baden-Württemberg, Citymanager Henning Krone, Josef Röll von der IHK sowie Oliver Schreiber, stellvertretender Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands.