Musik Zum Tod von Thomas Fitterling

Thomas Fitterling im Jahr 2002.
Thomas Fitterling im Jahr 2002. © Foto: Udo Eberl
Ulm / Udo Eberl 16.08.2017
Der Ulmer Pädagoge, Schlagzeuger und international bekannte Jazz-Kritiker Thomas Fitterling ist im Alter von 70 Jahren gestorben.

Very british wirkte Thomas Fitterling fast immer, wenn er meist in feinem, aber rustikalen Zwirn und häufig in Cordhosen daherkam, vollbärtig, den Kopf leicht gesenkt. Durchaus auch wegen der Inhaltsschwere der komplexen Gedankenwelten und musikalischen Strukturen, in die er einzutauchen pflegte. Er war ein weithin und auch von Musikern geschätzter Jazzkritiker, der nicht nur in regionalen  Tageszeitungen Akzente setzte, sondern vor allem in Fachmagazinen wie Rondo, Jazzpodium oder Stereoplay.

Thomas Fitterling beherrschte das Schreiben über Jazz auch im ganz großen Stil. Als Autor zweiter Bücher über Thelonious Monk bekam sein Name nicht nur bei Monk-Fans verdienten Weltruf. Er war und sah sich aber immer auch als Musiker: in diversen Bands als Schlagzeuger mit fiebrig nervösem, aber auch durchaus sensibel tastendem Spiel. In der Ulmer Kulturszene setzte er ebenso Akzente: Etwa als Vorsitzender des Vereins für moderne Musik  – legendär seine Reihen im Podium – und in der Rolle auch als einer der Gründerväter des Ulmer Zelts.

Bereits erkrankt, wurde das von ihm selbst produzierte Album „Follow Your Heart“ seines Trios „doubled half double bass“ (dhdb) mit dem Gitarristen und guten Freund Eberhard Göler und Kontrabassist Michael Weigler zur Herzensangelegenheit. Als sein „Vermächtnis wider das Vergessen“ wollte Fitterling die beim Label Lehle erschienene Scheibe verstanden wissen. Diese besondere eigene CD in der Hand zu halten, das war für ihn ein großes Glück, genauso wie das Zusammensein mit Frau und Freunden, oder das Wirken im ganz Kleinen mit der Lupe über selbst geschmiedeten Schmuckkreationen.

Für Generationen von Schülern war der Feinsinnige freilich nicht der Drummer, sondern der bedachte Pauker. Am Bertha-von-Suttner-Gymnasium unterrichtete er – nicht Musik! – Englisch und Französisch. Irgendwie ganz alte Schule, nicht überraschend war aber, dass sein Schlagzeug bis zum Vorruhestand immer im Abstellraum des Musiksaals stand, der abends bisweilen mit improvisierten und coolen Sounds gefüllt wurde. Denn der Jazz war sein Leben. Nun ist Thomas Fitterling im Alter von 70 Jahren gestorben.

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