Linie 2 Verkehrschaos in der City – Autofahrer stecken im Deutschhaus fest

Ulrike Schleicher 28.07.2017
Verkehrschaos in der Ulmer Innenstadt: Die Baustelleneinrichtung am Theater verzögerte sich wegen der Regenfälle, hinzu kamen Unfälle. Im Deutschhaus ging nichts mehr.

Die Frau im VW-Bus lässt ihr Seitenfenster herunter und schüttelt den Kopf: „Ich fahre so gut wie nie in die Stadt, aber heute muss ich in der Dreikönigsgasse was abholen. Wenn ich das gewusst hätte.“ Eine andere Autofahrerin in einem roten Kleinwagen reißt die Hände nach oben und lässt sie frustriert aufs Lenkrad fallen. Ein Porschefahrer schaut ungläubig auf die Autoschlange vor ihm und weist auf den Stau: Was die Bürger in Ulm erlebten, sei „akkumulierter Zeitverlust“.

Am Donnerstag war Stau in Ulm. Viele Pendler nahmen morgens weitläufige Umwege in Kauf, um überhaupt in die Innenstadt zu gelangen. Andere standen genervt Stoßstange an Stoßstange und kamen im Schneckentempo zum Ziel. In der Hauptsache von der Zinglerbrücke Richtung Bahnhof und darüber hinaus. Und in der Gegenrichtung in der Olgastraße. Bis zum Abend hatte sich die Situation noch nicht beruhigt. Die Nutzer des  Deutschhauses wurden zeitweise gebeten, ihre Fahrzeuge eine Stunde länger stehen zu lassen. Aufgrund des Rückstaus in der Friedrich-Ebert-Straße war eine Ausfahrt aus dem Parkhaus nicht möglich.

Der Kollaps am ersten Ferientag hatte mehrere Gründe. Zum einen waren laut Ulmer Polizei einfach schon viele Urlauber unterwegs: „Die B10 und die Autobahn sind dicht“, sagt Sprecher Uwe Krause. Des Weiteren kam es in der Haßlerstraße, die ebenfalls baustellenbelastet ist, gegen 10 Uhr zu einem Auffahrunfall. Zur selben Zeit musste der Marktkauf in der Einsteinstraße evakuiert werden – wegen eines rauchenden Wäschetrockners in der dortigen Reinigung. Feuerwehr und DRK waren im Einsatz, sagt Krause und: Am Berliner Ring blieb gegen 8 Uhr ein Lkw wegen eines geplatzten Reifens liegen. Normalerweise, meint Krause, seien das Vorkommnisse ohne große Folgen. „Aber bei der Verkehrslage in Ulm bilden sich schneller Staus, die sich auch nicht gleich wieder auflösen.“

Ein anderer Faktor: Die Baustelle für die Linie 2 am Theater geht in eine andere Phase. Im Bereich der Olgastraße/Neutorstraße wird das Gleisdreieck für die Straßenbahn eingebaut. Sechs Wochen lang gilt deshalb eine neue Verkehrsführung. So wird die Olgastraße ab dem Gebäude der IHK einspurig und schlängelt sich auf Höhe der Kreuzung nach links auf die Gegenspur, die ebenfalls nur noch einspurig ist. Die Neutorstraße ist stadtauswärts Richtung Norden nicht befahrbar. Es wird empfohlen, stadtauswärts über die Frauen- und Karlstraße und über Frauen- und Neue Straße zu fahren.

Baustelle vollends einrichten

Die Änderung war von der Stadt bereits mehrfach kommuniziert worden, aber: „Der Zustand ist noch nicht der Endzustand für diese Bauphase“, erklärt Eva-Maria Zimmermann von der Ulmer Koordinierungsstelle Großprojekte KOST. „Der Regen in der Nacht zum Donnerstag hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht“, sagt sie. Denn deshalb konnten nicht alle vorgesehenen Markierungen und Beschilderungen gesetzt werden. Das haben die Bauarbeiter im Laufe des gestrigen Tages nachgeholt. „In den kommenden zwei Tagen wird dann beobachtet, wie sich die Situation einspielt.“ Die Verantwortlichen seien vor Ort und es werde „wo immer notwendig und möglich, kurzfristig nachgebessert“.

Auch Sperrungen am Ehinger Tor

Ehinger Tor Vom 31. Juli bis zum 9. August wird die Ehinger Straße voll gesperrt, die Schillerstraße zwischen Zingler- und Neue Straße wird halbseitig im Wechsel gesperrt werden. Grund sind Leitungsarbeiten für den Neubau an dieser Stelle. Die Süd-Nord Verbindung von der Zinglerstraße durch die Schillerstraße in Richtung ZOB-West bleibt bestehen und wird im Einbahnverkehr weitergeführt. Fahrzeuge und Busse aus Richtung Landratsamt, die in die Innenstadt fahren, werden über die Neue Straße/Bismarckring/Zinglerstraße umgeleitet. Die betroffenen Buslinien vom Wartesteig A (Ehinger Straße) und Wartesteig I (Schillerstraße) erhalten eine Ersatzhaltestelle in der Zinglerstraße in Höhe des Autohauses Held & Ströhle. Die Taxen werden in den Bismarckring, Ecke Ehinger Straße verlegt.