Für viele Beschäftigte im Industriegebiet Donautal ist es ein tägliches Ärgernis: Zu den Hauptverkehrszeiten staut sich der Verkehr an den Zu- und Abfahrten, oft zurück bis zur B 30. Mit einem ersten Bauabschnitt will die Stadt nun Entlastung schaffen. Die Wiblinger Allee soll verbreitert, zusätzliche Abbiegespuren sollen eingerichtet werden. Zuerst ist die Kreuzung der Wiblinger Allee mit der Hans-Lorenser-Straße dran, in der es Firmen wie Seeberger und Gardena gibt. Die Kreuzung soll 2018 umgebaut werden, nächste Woche werden Bäume gefällt.

Überlastet ist aber auch der Knotenpunkt B 30/Wiblinger Allee/Laupheimer Straße. Das Regierungspräsidium Tübingen prüfe derzeit mehrere Möglichkeiten, an dieser Stelle den Verkehrsfluss zu verbessern, stellte die Stadtverwaltung in der Sitzung des Bauausschusses dar. Zunächst müsse allerdings der „Flaschenhals“ Wiblinger Allee/Hans-Lorenser-Straße umgebaut werden. An beiden Kreuzungen sei „die Sicherheit des Verkehrs erheblich gefährdet“. Wegen der Verkehrsstaus hatten sich Unternehmen im Donautal, wie berichtet, in einem gemeinsamen Brief hilfesuchend ans Rathaus gewandt. Geplant sind im Einzelnen:

Kreuzungsumbau Die Kreuzung Wiblinger Allee/Hans-Lorenser-Straße/Sandhaken wird mit einer Ampel geregelt. Die Wiblinger Allee erhält in Richtung Süden, also Richtung B 30, vor der Ampel einen rund 100 Meter langen zusätzlichen Fahrstreifen. Eine weitere Links­abbiegespur von der Wiblinger Allee in die Hans-Lorenser-Straße und ein weiterer Fahrstreifen aus dem Industriegebiet in die Wiblinger Allee sollen die Leistungsfähigkeit der Kreuzung weiter verbessern.

Fahrbahnverbreiterung In einem zweiten Schritt soll die Wiblinger Allee zwischen Hans-Lorenser-Straße und Daimlerstraße verbreitert werden. Diese Arbeiten seien für 2019 vorgesehen, sagte Ute Metzler, die Leiterin der Abteilung Verkehrsplanung und Straßenbau. Ursprünglich war geplant, im Zuge der Bauarbeiten nur die Deckschicht der Fahrbahn zu sanieren. Ein Baugrundgutachten kam aber zum Ergebnis, dass die Fahrbahn in weit schlechterem Zustand ist und somit eine tiefgreifende Sanierung nötig ist.

Die deutlich aufwendigere Straßensanierung ist ein wesentlicher Grund dafür, dass der Umbau der Wiblinger Allee doppelt so teuer wird wie im ursprünglichen Konzept aus dem Jahr 2014 geplant: 4,4 Millionen Euro statt 2,2 Millionen Euro. Weitere Gründe liegen laut Stadtverwaltung zum Beispiel in konjunkturbedingt gestiegenen Baukosten und dem Hochwasserschutz (siehe Info-Kasten). Die Stadt Ulm rechnet mit Zuschüssen von rund 1,3 Millionen Euro.

Während der Bauzeit wird die Zufahrt zum Industriegebiet über die Wiblinger Allee „massiv eingeschränkt“ sein, kündigte Baubürgermeister Tim von Winning an. Wie der Verkehr geführt wird, steht noch nicht fest. Sicher scheint jedoch bereits: Der Verkehr muss auch von Süden her ins Donautal geführt werden. Die Stadt überlegt, das südliche Ende der Nicolaus-Otto-Straße während der Bauzeit mit der Kreisstraße 9916 zwischen Einsingen und Gögglingen zu verbinden.

Öffnung von Süden her

Ein heikles Thema, wie dem Baubürgermeister und den Stadträten klar ist. „Die umliegenden Ortschaften sehen das sehr kritisch“, sagte von Winning. Stadträte mahnten, dass die südliche Zufahrt allenfalls für eine Übergangszeit in Frage komme.

Generell sind die Stadträte aber froh, dass die Erschließung verbessert wird. „Die Verkehrs­infrastruktur ist aus den 50er, 60er Jahren, die Betriebe stöhnen schwer, der Rückstau ist groß“, sagte Thomas Kienle (CDU). Der Umbau der Wiblinger Allee sei „ein wichtiger Auftakt“, dabei dürfe es aber nicht bleiben.

Schutz vor Hochwasser und für Kleintiere


Überflutungsflächen Durch den Ausbau der Wiblinger Allee gehen Retentionsflächen für hundertjährige Hochwasser verloren. Ersatz wird auf einem landwirtschaftlichen Grundstück zwischen Wiblinger Allee, Sandhaken und Donau geschaffen. Es wird bisher durch den Damm an der Donau vor extremem Hochwasser geschützt. Auf der Fläche kann weiter Landwirtschaft betrieben werden.

Naturschutz Beim Ausbau spielt auch der Schutz des Lebensraums von Flora und Fauna eine Rolle. Nördlich der Steinbeisstraße wird deshalb ein Kleintierdurchlass unter der Wiblinger Allee gebaut. Der östliche Abschnitt des Grenzgrabens wird auf einer Länge von rund 200 Metern bis zur Einmündung in die Donau renaturiert. Zudem werden die Bäume entlang der Wiblinger Allee, die wegen der Verbreiterung gefällt werden müssen, ersetzt.