Blutüberströmte Gesichter, klaffende Wunden und Stöhnen in der Fußgängerzone? Ja, so lief der erste "Ulmer Zombie Walk" im vergangenen Jahr ab. Knapp 80 Menschen verkleideten sich als Untote und schlurften durch die Stadt. "Dass so viel Interesse besteht, war unglaublich", sagt Jenny Butschalowski. "Wir hatten damit nicht gerechnet."

Diesen Samstag soll die zweite Auflage der Veranstaltung noch besser, noch spaßiger werden, verspricht Sascha Thomalla. "Wenn es nicht regnet, kommen wir in den dreistelligen Bereich. Von 120 Teilnehmern wäre ich total überrascht."

Butschalowski, die einen "Hang zu Düsterem" hat und schon als Kind die "Adams Family" lieber mochte als rosa Mädchenspielzeug, und Thomalla veranstalten den Zombie Walk. Beide arbeiten im "Wonderland 13" in Ulm, einem Laden für Fans der Gothik-, Metal- und Rock 'n' Roll-Szene. Thomalla hatte die Idee, den Zombie Walk nach Ulm zu holen. "Ich habe gesehen, dass es in Leipzig einen Zombie Walk gibt, aber ich kam nie dazu, daran teilzunehmen", erzählt der 27-Jährige. "Irgendwann dachte ich mir: Es wäre cool, wenn es das auch in Ulm gibt. Ich mache einfach selbst einen." 

Zombie-Fans gebe es viele, sagt Thomalla. "Es muss sich nur mal jemand trauen, etwas für sie zu veranstalten. Dann machen andere mit. In Ulm hat das funktioniert." Wie ein Teilnehmer verkleidet sein soll, können die Veranstalter nicht so genau sagen. "Jeder hat ja eine andere Definition von Zombies", sagt Butschalowski. "Aber Make-up mit coolen Effekten wie Wunden ist Pflicht. Und kaputte Klamotten sind ideal. Die meisten tragen Weiß, weil darauf das Blut gut zu sehen ist." Noch abwechslungsreichere Verkleidungen mit andersfarbigen Shirts und aufwändiger Schminke fänden die Veranstalter toll. "Man sieht schon, wenn sich jemand Mühe gegeben und zum Beispiel die Wunden selbst hingeschminkt hat."

Während die Verantwortlichen der Stadt, die die Veranstaltung genehmigen müssen, im vergangenen Jahr etwas skeptisch gewesen seien, "war das dieses Jahr alles kein Problem", sagt Butschalowski. "Sie haben gesehen, dass der Zombie Walk friedlich ablief. Wir waren nicht laut oder aufdringlich und haben keinen Dreck gemacht."

Dass der Walk ohne Ärger abläuft, ist den Veranstaltern wichtig. "Es ist nicht Sinn und Zweck, dass wir Passanten oder Kinder verschrecken", sagt Butschalowski. Ihr Eindruck war im vergangenen Jahr jedoch, dass Kinder die Zombies als lustige, bunte, verkleidete Personen wahrgenommen haben, und eher Erwachsene den Zombie Walk anstößig fanden. "Uns ist klar, dass das nicht alle toll finden", sagt die 25-Jährige. "Wir gehen auf die zu, die das möchten. Auf die anderen nicht."

Doch was macht die Faszination daran aus, sich Wunden aufzukleben, Kunstblut ins Gesicht zu schmieren und als Untoter durch die Innenstadt zu wandeln? "Ich finde Zombies cool", sagt Butschalowski. Zweimal im Jahr - zum Zombie Walk und an Halloween - "auszubrechen", macht ihr Spaß. Thomalla beschreibt es so: Manche mögen gern Filme mit Zombies und manche mögen die Figuren an sich. "Sich selbst als Zombie zu verkleiden, ist für die einen schön, lustig, mal was Neues. Und die anderen mögen es einfach, andere zu schockieren." Er selbst fällt gern auf. "Ich will Leute aus dem Alltag rausholen und finde es cool, wenn sie zu mir kommen und ein Foto mit mir machen wollen." 

Für dieses Jahr wünscht er sich, dass manche Passanten nicht nur blöd schauen, sondern die Zombies mit ihren Fragen konfrontieren. "Wer etwas dagegen hat, soll mit uns reden. Wir erzählen gern, warum wir den Zombie Walk machen."

Das Programm am Samstag, 23. August 2014:

16 Uhr:
Treffen aller Zombies am Eingang des Ulmer Hauptbahnhofs.
Dazu der Hinweis der Veranstalter: "Macht euch bitte schon vorher zurecht, damit es keine große Sauerei am Bahnhof gibt wegen Kunstblut etc.!"

17 Uhr:
Der Zombie Walk beginnt am Hauptbahnhof, führt über die Bahnhof- und Hirschstraße zum Münsterplatz und dann weiter zur Herdbrücke. So haben die Veranstalter die Route angegeben:


Karte: 2. Zombie Walk Ulm größer Darstellen

Die Veranstalter stellen auf ihrer Homepage acht Regeln für den Zombie Walk auf und schreiben: "Grundsätzlich wollen wir niemandem die Laune verderben und es steht euch frei, was ihr tut, aber dennoch bitten wir euch, ein paar Regeln auf dem Walk einzuhalten." Sie möchten, dass die Veranstaltung "einfach nur ein lustiges Treffen ... mit 'ner Menge Spaß und netten Untoten" wird.

19 Uhr:
Zombie Walk After Show Party im Club Violet in Neu-Ulm.
Zombies kommen für 3 Euro rein, Ungeschminkte müssen 6 Euro Eintritt bezahlen. Es gibt eine Zombie-Olympiade, Essen, Musik von den Livebands Dead Zone und The Leechmen sowie von DJ RIPchen und einem Gast-DJ. Gäste können sich dort auch piercen lassen.