Zirzensischer Geigenzauber lässt den Winter vergessen

Großes Aufgebot im ausverkauften Haus der Begegnung: Albrecht Haupt dirigierte ein reines Vivaldi-Programm. Foto: Sophie Krauss
Großes Aufgebot im ausverkauften Haus der Begegnung: Albrecht Haupt dirigierte ein reines Vivaldi-Programm. Foto: Sophie Krauss
GOTTFRIED LOTHAR 12.02.2013
Ein reines Vivaldi-Programm boten der Universitätschor Ulm und die Ulmer Kammerphilharmonie bei ihrem Konzert im Haus der Begegnung.

Exakt eine Woche nach dem ersten Konzert des Kammerchores der Universität Ulm sang der bereits seit 1976 bestehende Universitätschor sein Semester-Konzert im überfüllten Haus der Begegnung. Lag die musikalische Leitung letzte Woche bei Sohn Sebastian, so führte nun der Vater, Universitätsmusikdirektor Albrecht Haupt, den Stab und leitete mit großen Gesten das Konzert. Der fast 100-köpfige Chor und die Kammerphilharmonie Ulm sorgten für ein romantisch üppiges Klangerlebnis mit Werken von Vivaldi - ein spannender Kontrast zur historischen Werkauffassung des Händelschen "Messias" am Sonntag zuvor.

Mit dem "Magnificat" und dem bekannten "Gloria" bildeten zwei der beliebtesten Werke des Italieners den Rahmen. Die Motette für Sopransolo "O qui coeli" wurde erstmals in Ulm aufgeführt und fand in Maria Rosendorfsky und der Kammerphilharmonie engagierte Interpreten. Mit ihrer wunderschönen, sich mühelos verbreitenden Stimme brachte sie dieses herrliche Stück in nahezu himmlische Sphären, zu denen die Instrumentalisten ihr wichtiges Scherflein beitrugen. Ein etwas weniger schlampiger Umgang mit den Konsonanten hätte das Glücksgefühl vervollkommnet.

Mit dem abwechslungsreichen "Magnificat" konnte bereits zu Beginn des Konzertes der Chor seine musikalischen Fähigkeiten unter Beweis stellen, da er sowohl mit voluminösem Klang als auch filigranen Koloraturen glänzen durfte, die beim doppelchörigen "Kyrie" nicht mehr ganz so sicher erklangen. Hingegen gelang das abschließende "Gloria" wieder ohne Mühen.

Wunderbar tönte das "Domine Deus" für Sopran. Im "Domine Deus, Agnus Dei" strömte die samtweiche Stimme der Mezzosopranistin Martina Koppelstetter. Und zum Finale gesellte sich zu Oboistin Anja Tamaru-Solle noch festlicher Trompetenglanz durch Johann Konnerth hinzu. Neben der Cembalistin Angelika Hirsch muss unbedingt auch Konzertmeister Burkhard Solle erwähnt werden, der beim "Frühling" aus dem Jahreszeiten-Zyklus mit dem notwendigen zirzensischem Geigenzauber die winterlichen Temperaturen vergessen ließ.