Ulm Zimmer frei? Studentenwerk Ulm ist um jeden Vermieter froh

Pfauengasse 17 - hinter der Schaufensterfront hat das Studentenwerk ein Wohnheimzimmer eingerichtet, um auf die studentische Wohnungsnot aufmerksam zu machen. Rund um die Studentenbude gibts ein Quiz mit dem Titel: Wer wohnt denn hier? Die Teilnahmebögen liegen dort aus. Foto: Volkmar Könneke
Pfauengasse 17 - hinter der Schaufensterfront hat das Studentenwerk ein Wohnheimzimmer eingerichtet, um auf die studentische Wohnungsnot aufmerksam zu machen. Rund um die Studentenbude gibts ein Quiz mit dem Titel: Wer wohnt denn hier? Die Teilnahmebögen liegen dort aus. Foto: Volkmar Könneke
Ulm / RUDI KÜBLER 06.09.2013
Vor jedem Wintersemester spitzt sich die Lage zu: Studienanfänger suchen händeringend nach Zimmern. Das Studentenwerk Ulm will mit einer Aktion die Bürger aufrütteln, Zimmer zu vermieten.

Wie sieht eine Studentenbude aus? Schreibtisch, Regal, Bett und Pflanzen - gepflegte Enge auf geschätzten zwölf Quadratmetern. Einblicke, wie eine Studentin lebt, vermittelt die kleine Schaufensterfront in der Pfauengasse 17. Dort haben Silke Schröder und Dirk Rettweiler vom Studentenwerk Ulm einen kleinen Laden zu einem Studentenzimmer umgebaut. Der Hintergrund: die Wohnungsnot anfangs des kommenden Wintersemesters.

700 Bewerber stehen derzeit schon auf der Warteliste des Studentenwerks Ulm, sie suchen Zimmer für das kommende Wintersemester. Unter ihnen die angehende Biologiestudentin Elisabeth Dederer. Sie hatte sich vor zwei Wochen auf die Warteliste setzen lassen, nachdem sie die Zulassung für die Uni Ulm erhalten hatte. Doch die 19-Jährige aus Schwäbisch Hall klingt schon reichlich desillusioniert, "dass es dermaßen schwierig würde, ein Zimmer zu finden, hätte ich nicht gedacht". Drei Zimmer habe sie sich angeschaut, aber den Zuschlag erhielt sie nicht, "entweder hat der Vermieter abgesagt oder sich gar nicht mehr gemeldet". Enttäuscht war sie auch ob des Standards der Zimmer. Ihr Eindruck war, dass mitunter auch die letzten Löcher angeboten werden, "ohne Wasseranschluss, ohne Kochmöglichkeit", sagt die Studienanfängerin, die darauf hofft, dass sie über das Studentenwerk Ulm eine Bleibe erhält.

Doch ein Zimmer kann das Studentenwerk nicht garantieren, etwas mehr als 1500 Einzel- oder WG-Zimmer kann Dirk Rettweiler in Ulm zwar anbieten, "aber das reicht bei Weitem nicht aus, wie die lange Warteliste zeigt. Wir brauchen dringend Vermieter, die Privat-Zimmer oder auch -Wohnungen für Studenten zur Verfügung stellen." Vor allem in den letzten Wochen vor Semesterbeginn spitze sich die Lage erfahrungsgemäß zu, sagt der Bereichsleiter studentisches Wohnen. Teils wenige Tage vor, teils sogar erst nach Vorlesungsstart erhielten Medizin- oder auch Zahnmedizinstudenten ihre Zulassungen, auch die Nachrücker in anderen Fächern blickten dann auf einen leergeräumten privaten Wohnungsmarkt. Und die Zimmer des Studentenwerks sind dann ebenfalls belegt. Für Rettweiler heißt das: Rund 400 Bewerbern auf der Warteliste muss er Absagen erteilen, "wo die dann unterkommen, weiß ich nicht. Vielleicht übergangsweise bei Kommilitonen oder sie pendeln."

Auf Letzteres bereitet sich die angehende Medizinstudentin Anna-Sophie Fischer vor. Die 19-Jährige, die aus Bobingen stammt, hat erst diesen Montag ihre Zulassung für die Uni Ulm erhalten. Ihre Suche nach einem Zimmer war bislang erfolglos, entweder war die Bude "zu teuer" oder "zu weit außerhalb gelegen". Aber rund 100 Kilometer einfach fahren zu müssen, sei nicht wirklich verlockend, "was da an Geld und Zeit drauf geht". Zur Not würde sie auch übergangsweise in eine Pension ziehen.

Im vergangenen Jahr hatte das Studentenwerk etwas mehr als 500 private Zimmer oder Wohnungen an Studierende vermittelt - und damit rund 100 mehr als noch 2011. "Das war auch nötig wegen des doppelten Abi-Jahrgangs in Baden-Württemberg", sagt Rettweiler. Dieses Jahr folgt Nordrhein-Westfalen mit dem doppelten Abi-Jahrgang, "das spüren wir schon. Viele Bewerber stammen aus diesem Bundesland." Rettweiler appelliert an die Ulmer und Neu-Ulmer, Zimmer an Studierende zu vermieten. "Wir sind um jedes Angebot froh, es würde die Situation auf dem studentischen Wohnungsmarkt entspannen."

Ob das Schaufenster in der Pfauengasse 17 auch wirklich mal bewohnt wird? Rettweiler und Schröder lachen, nein, das sei dann doch zu sehr "Big Brother". Aber dass sich Mitarbeiter des Studentenwerks stundenweise darin aufhalten, können sich beide vorstellen. Am Samstag, 14. September, wird es dort auf jeden Fall von 10 bis 16 Uhr einen Aktionstag geben.

Info Zimmerangebote nimmt das Studentenwerk Ulm unter Tel. (0731) 502-3846 oder -3820 oder per E-Mail wohnen@studentenwerk-ulm.de entgegen.

Wenns ganz eng wird Unterkünfte für Studenten