„Die Frage ist doch, welche Ziele kann man erreichen – auch aus eigener Kraft“, beschreibt Wiebke Schmidt den Grundgedanken hinter dem Projekt der Albrecht-Berblinger-Schule: Zehn Schüler radeln derzeit zur Zugspitze. Schmidt ist seit einem Jahr Lehrerin an der Schule, offiziell als Fellow und angestellt über die gemeinnützige Bildungsinitiative „Teach First“. Und weil die junge Frau selber gerne radelt, kam ihr die Idee zu der einwöchigen Fahrradtour mit Schülern.

Seit Samstag radeln nun fünf Schüler der siebten Klasse mit fünf Schülern der Vorbereitungsklasse die 200-Kilometer-Route über Iller- und Bodensee-Königssee-Radweg und Teile der Via Claudia Augusta durch Österreich bis zur Zugspitze, dem höchsten Berg Deutschlands.

„Das wird einige an ihre körperlichen Grenzen führen, es wird aber auch ein Gefühl von Gemeinschaft erzeugen – und die Erfahrung, selber etwas schaffen zu können“, sagte Schmidt vor der Tour: „Das Schlüsselwort ist vorwärts.“ Denn nicht nur bei der Vorbereitung mit Reparaturkursen, Routenplanung und Teambildung lernten die 13- bis 16-jährigen Schüler Dinge wie Verantwortung und Organisationsgeschick. Auch auf der Tour selber sollen sie Erfahrungen machen, die sie dann auch auf den Schulalltag übertragen können.

„Viele Dinge kann man teilen“

Dazu Wiebke Schmidt: „Jeder kann zum Beispiel nur eine einzige Tasche mitnehmen. Deshalb haben wir im Vorfeld überlegt, wer was mitnimmt. Denn viele Dinge kann man sich auch teilen, Zahnpasta etwa.“ Das Projekt, das unter dem Motto „Wir kommen vorwärts – mit und ohne Rad“ läuft, wurde nicht nur finanziell von Ulmer Vereinen wie der Gänseblümchen-Stiftung, der Internationalen Stadt und von Menschlichkeit-Ulm unterstützt. Es wurde auch vom Schulleiter Gerhard Schupp gut aufgenommen.

„Wir sind ja schon ganz offiziell Fahrradschule“, sagte Schupp im Blick auf eine Radtour nach Blaubeuren mit den schuleigenen Fahrrädern, die jede fünfte Klasse unternimmt. Vor vier Jahren wurde zudem am Schulgebäude eine Fahrradhütte in Eigenregie der Schüler gebaut. „Die Fahrt zur Zugspitze wird sicher auch die interkulturellen Kompetenzen stärken“, sagte Rupp, schließlich gehören zur Vorbereitungsklasse Flüchtlingskinder, die noch nicht gut Deutsch sprechen.

Beim Start am Samstag zweifelte keiner von den Schülern, die aufgeregt den sieben Etappen á 30 bis 45 Kilometern täglich entgegensahen, die Strecke bewältigen zu können. Und das, obwohl einige der Schüler nur selten auf einem Fahrrad gesessen hatten.

Vorfreude auf die Gondelfahrt

„Wir haben ja schon eine Testfahrt an der Donau gemacht“, sagte der 13-jährige Laurent Provolija, der sich wie seine Klassenkameradin Valentina Kostadinova schon freute: auf die Gondelfahrt zur Zugspitze hoch und die Rückfahrt. „Ich bin gespannt, wie viele Schüler letztlich mit dem Zug wieder zurückkommen“, sagte Begleitlehrer Reiner Wolff augenzwinkernd.