Ulm Zettel schreiben im Unterricht war gestern - heute kommuniziert man via Handy

Ulm / SWP 07.02.2014
Darüber, was gerade in ist, worüber auf dem Pausenhof gesprochen wird, schreiben ab diesem Freitag junge Menschen. Den Anfang macht Julia Schuster, 21 Jahre.

Eigentlich sollten es nur bunte Süßigkeiten sein. Aber bereits beim ersten Versuch wird man süchtig: "Candy Crush Saga" heißt das neue Handyspiel, bei dem bereits mehr als 100 Millionen mobile Nutzer eifrig Süßigkeiten mit gleicher Farbe aneinanderreihen. Schon in der ersten Woche verbrachte ich jede freie Minute mit diesem Spiel. Die Spiele-App landete aber nicht nur auf meinem Smartphone - sondern auch im Unterricht.

Tic Tac Toe, Käsekästchen oder Galgenmännchen: Diese Schulklassiker sind inzwischen längst verstaubt. Heutzutage zückt man hinter vorgehaltener Hand das Handy und tippt darauf los. Viele Apps lassen sich sogar zu mehreren spielen, wie "Quizduell", das Anfang des Jahres die Marke von sieben Millionen knackte. Hier quizzen zwei Spieler gegeneinander - das Spiel ist an allen Universitäten in Deutschland ein beliebter Zeitvertreib während der Vorlesung.

Die Digitalisierung ist im Unterricht, sei es nun Schule oder Vorlesung, angekommen. Die größte Revolution seit der Einführung der Power Point Präsentationen. Selbst das berühmt-berüchtigte "Zettelchen schreiben" während des Unterrichts hat den Sprung ins neue Jahrzehnt geschafft: Die Nachrichten von heute kommen lautlos. Und via Whatsapp.

Der Messenger funktioniert wie eine SMS, ist aber deutlich günstiger, weil er die Nachrichten über das Internet verschickt. So wechseln zu einem kleinen Geldbetrag Dutzende von Nachrichten jeden Tag den Besitzer. Ob wir dadurch intensiver miteinander kommunizieren? Wohl kaum. Viele Nachrichten enthalten belangloses Zeug oder nur lustige Bilder.

Lehrer können selbst mit Handysperren nicht gegen die fortschreitende Digitalisierung vorgehen: Spätestens daheim werden auf Facebook in internen Klassenforen (vom Facebookjunkie der jeweiligen Klasse eingerichtet) Organisatorisches geklärt ("Schenken wir der Lehrerin am Ende des Schuljahres jetzt einen Blumenstrauß?"), Ergebnisse ausgetauscht ("Ich komme einfach nicht auf die Mathelösung!") oder einfach nur gespamt ("Hier ein Bild von meinem Mittagessen").

Lange Zeit dachte ich, die Digitalisierung erleichtere den Alltag: Power Point, Youtube, Nachschlagewerke wie Wikipedia. Aber eine Medaille hat bekanntlich immer zwei Seiten. Wir sind von Smartphones und virtuellen Welten abhängig geworden. Ich würde gerne schreiben: "Wir Menschen müssen eben noch lernen, wie wir auf die Digitalisierung reagieren." Doch Internet und Co. sind für uns schon lange kein Neuland mehr. Die Frage, inwiefern sich der Zeitvertreib in der virtuellen Welt oder mit Handyspielen tatsächlich lohnt, stellt sich nicht, denn die Antwort wissen wir schon: Gar nicht!

Ich für meinen Teil habe "Candy Crush Saga" inzwischen wieder deaktiviert. Das Level war mir zu schwer und irgendwie hatte ich sowieso keine Lust mehr darauf. Ob ich deshalb jetzt besser im Unterricht aufpasse? Vielleicht.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel