Angekündigt waren mit Theresia Bauer (Wissenschaft, Grüne) und Nils Schmid (Wirtschaft, SPD) gleich zwei Minister der Landesregierung. Das wäre wohl ein bisschen viel Wahlkampfgetöse gewesen, weshalb nach der kurzfristigen Absage Schmids nur die Wissenschaftsministerin an die Uni kam. Der Gerechtigkeit halber muss man allerdings hinzufügen, dass es um ein Großprojekt sondergleichen geht und dass beide Ministerien (neben dem Hauptfinanzier Daimler – 5 Millionen Euro) mit je 1,25 Millionen Euro als Geldgeber in Erscheinung treten – Schmid hätte also gute Gründe gehabt, den Ulmern seine Aufwartung zu machen.

„Tech Center a-drive“ nennt sich das etwas schwer über die Lippen gehende und schwerpunktmäßig an der Uni angesiedelte Vorhaben, zu dem Bauer am Montag den Startschuss gab. Es geht um autonome Mobilität, sprich: fahrerloses Autofahren. Daran forschen Prof. Klaus Dietmayer, Leiter des Instituts für Mess-, Regel- und Mikrotechnik der Uni, und die Daimler AG bereits seit rund vier Jahren gemeinsam und höchst erfolgreich. Zwei fahrerlose Testfahrzeuge verkehren mittlerweile regelmäßig auf dem Campus. Blechschäden gab’s bisher keine.

Neu ist nun aber, dass mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und dem ebenfalls in Karlsruhe angesiedelten Forschungszentrum Informatik (FZI) zwei weitere hochkarätige Einrichtungen mit ins Boot genommen werden.

Das soll den Durchbruch bringen. Man will gewissermaßen zum „Global Player“ in der Erforschung und Entwicklung des automatisierten Fahrens werden. „Baden-Württemberg ist das Autoland Nummer eins. Automatisiertes Fahren ist eines der zentralen Zukunftsthemen, und wir wollen auch dort unsere führende Position ausbauen“, sagte die Wissenschaftsministerin.

Dietmayer zufolge ist autonome Mobilität keine Utopie mehr. „In 20 Jahren werden wir in unseren Autos fahrerlos unterwegs sein“, prognostiziert der Wissenschaftler. Und das sei kein Luxus. Denn das Gros der Verkehrsunfälle sei menschlichem Versagen geschuldet. Wenn künftig statt Menschen perfekt funktionierende Sensoren und Mini-Computer die Geschicke eines Autos lenken, dürften ergo nicht nur die Sicherheit, sondern auch die Effizienz im Verkehr zunehmen. „Außerdem kann man die Fahrtzeit für andere Tätigkeiten nutzen“, sagt Dietmayer. Auch die Mobilität älterer und behinderter Menschen könnte entscheidend verbessert werden – in einer alternden Gesellschaft durchaus sinnvoll.

Auch wenn die Forscher schon weit gekommen sind, gibt es noch viele Fallstricke. Zum Beispiel können fahrerlose Autos bis dato nur Strecken fahren, die ihnen schon bekannt sind. Extrem schwer tun sich Computer auch mit der Erfassung komplexer Situationen. Parkt der Vordermann auf der Straße länger oder lädt er nur kurz etwas aus? Während menschliche Intelligenz die Lage meist fix überblickt, tut sich die Maschine da schwer.

Mit dem geballten Wissen der vier beteiligten Einrichtungen will man diese Probleme angehen. Im „Tech Center a-drive“ bringen die Ulmer Wissenschaftler insbesondere ihr Know-how zu Sensorik und Signalverarbeitung ein. Im KIT dagegen wird sich das Institut für Technikfolgenabschätzung unter anderem mit psychologischen Aspekten wie etwa den Erwartungen und Wahrnehmungen der Nutzer beschäftigen. Am FZI schließlich geht es vor allem um die technischen Herausforderungen bei der Umsetzung automatisierten Fahrens.