Tradition Zehntausende feiern in der Stadt

Ulm / SWP 24.07.2018
Megaparty am Abend, nachmittags ausgelassenes Wassertreiben und morgens Festakt auf dem Weinhof: Das war der Schwörmontag.

Eine einzige Partymeile – das war die Stadt gestern Abend. Vor allem am Lautenberg und am Eingang zum Fischerviertel vor der Zill sowie in der Breiten Gasse tanzte, feierte und drängelte sich das fast ausschließlich zur U-30-Generation gehörende Partyvolk bis nach Mitternacht. Weitere Hotspots waren Hirschstraße, Münsterplatz, Neue Mitte, Marktplatz und Judenhof, wo teilweise auch Live-Bands spielten.

Dies alles bei lauestem Sommernachtswetter: Der am frühen Abend schwer wolkenverhangen daherkommende Himmel hatte sich vor Einbruch der Dunkelheit wieder in aufgeklart. Auch wenn sich hin und wieder blaulichtblinkende Rettungswagen ihren Weg durchs Gedränge bahnen mussten, um Alkoholisierte zu versorgen und abzutransportieren, sprachen die Rettungskräfte, Stand 23 Uhr, von einem erfreulich ruhigen Abend. „Es geht heute im Vergleich zu manchen überhitzten Abenden der vergangenen Jahre ziemlich gesittet zu“, sagte Einsatzleiter Harald Härtel.   

Viel Prominenz bei Schwörfeier

So schiedlich-friedlich wie der Tag zu Ende ging, hatte er auch begonnen. Am Vormittag hatte OB Gunter Czisch vor Tausenden von Ulmern und zahlreicher Polit-Prominenz (unter anderem Staatssekretär im Innenministerium Wilfried Klenk, der Schweizer Generalkonsul Ernst Steinmann, der frühere Grünen-Bundesvorstand Cem Özdemir, SPD-Landesvorsitzende Leni Breymaier, Freiburgs Ex-OB Dieter Salomon) seine dritte Schwörrede gehalten, in der er gleich zu Beginn ein klares Bekenntnis zum gemeinsamen europäischen Weg abgab: Der sei gerade in schwierigen Zeiten ohne Alternative. Die Wahlen zum Europaparlament seien ein Referendum zur Zukunft Europas, sagte Czisch.

In sechs Handlungsfeldern skizzierte er die Arbeit der nächsten Jahre, in der es darum gehe, die kulturellen und finanziellen Grundlagen zu schaffen für die Entwicklung der Stadt und ihrer Bürgerschaft. Dabei dürfe trotz aller Spitzenplätze bei verschiedenen Rankings nicht vergessen werden, dass es auch in Ulm Armut und Existenzangst gebe. Der soziale Frieden aber sei die grundlegende Voraussetzung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Knapp jeder zehnte Ulmer sei auf staatliche Unterstützung angewiesen, sagte der OB, der mahnte, dass auch die Schwachen und Armen einen „selbstverständlichen Platz in der Stadtgesellschaft“ hätten.

Von Beifall unterstützt kritisierte Czisch die Wegwerfmentalität und sprach von einer „übertriebenen To-Go-Kultur“. Wer später in der Dämmerung die Donau entlang spazierte, bekam einen Eindruck der Wegwerkmentalität: Plastikflaschen, Badelatschen, ganze Flöße trieben da Richtung Böfinger Wehr. Aber Schwörmontag ist ja nur einmal im Jahr. Czisch jedenfalls kündigte für den Herbst einen Bürgerdialog zu den Themen Sauberkeit und Sicherheit an: „Die Innenstadt muss grüner, leiser und sauberer werden.“

Bei aller Prosperität der Stadt warnte er vor allzu großen Wünschen. Drei Viertel aller Investitionen der kommenden Jahre seien für den Erhalt der Infrastruktur, von Brücken, Straßen und Gebäuden aufzuwenden, um für das „Funktionieren des Vorhandenen“ zu sorgen. Dass er am Schluss seiner Rede zum Klang der Schwörglocke die Eidesformel um das Wörtchen „allen“ verkürzte, dürfte den wenigsten aufgefallen sein, am Gehalt des Schwurs, „Reichen und Armen ein gemeiner Mann zu sein“, änderte es indes nichts.

Als sich die Ehrengäste ins Rathaus zum Empfang aufmachten, musste sich einer den Fragen von Journalisten überregionaler Fernseh-Teams stellen. Cem Özdemir, mit seinen Kindern wieder zu Besuch, wurde zur Affäre um Mesut Özil befragt, den er ebenso wie den DFB-Präsidenten Reinhard Grindel scharf kritisierte.

Kalte Duschen gab es derweil für manchen Nabada-Besucher. Auf dem Fluss tummelten sich gefühlsmäßig annähernd so viele Menschen wie an dessen Ufer, so viele wilde Nabader wie in diesem Jahr dürfte es selten gegeben haben. Die Stimmung war ausgelassen, vor allem als ein selbst gezimmertes Floß mit Islands Fahne vorbeifuhr und der langgezogene sich steigernde Schlachtruf der Fußballer erklang.

Havarie vor dem Metzgerturm

Glimpflich ging ein Unfall auf Höhe des Metzgerturms aus, als ein etwa zwei Meter hohes wild gezimmertes Floß kenterte und kopfüber im Kies der seichten Donau stecken blieb. Verletzt wurde dank des schnellen Einsatzes der Wasserwacht niemand, allerdings stellte das havarierte Floß fortan ein Hindernis dar.

Thematisch wurde hauptsächlich die Lokalpolitik aufgespießt, Neu-Ulms OB Gerold Noerenberg als Baron von Münchhausen und Neu-Ulm als Bombenstadt bezeichnet und Ministerpräsident Markus Söder im Grenzhäuschen auf der Herdbrücke gezeigt. Selbst dem vor kurzem verstorbenen Kult-Wirt Dieter „Capo“ Zauner wurde gedacht. „Bier + kähle Sprich“ stand über einem Schlauchboot zu lesen.

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