Neu-Ulm Zapfenstreich im Steinhäule

Badesch au ins Steinhäule naa? In der Tat, das taten die jungen Fischerstecher in früheren Jahren. Foto: Volkmar Könneke
Badesch au ins Steinhäule naa? In der Tat, das taten die jungen Fischerstecher in früheren Jahren. Foto: Volkmar Könneke
JAKOB RESCH 22.10.2013
Das Steinhäule wird vor allem mit dem Klärwerk in Verbindung gebracht. Das ist ungerecht. War es doch mal ein schnakenverseuchtes Idyll.

Vor jetzt 25 Jahren war endgültig Schluss mit lustig. Damals ist das Ausflugslokal "Steinhäule" in Neu-Ulm abgerissen worden, Relikt eines großen Ulmer Kapitels sommerlichen Freizeitvergnügens. Prompt ging es nicht so einfach dahin. Die Neu-Ulmer Feuerwehr hatte mit dem Abbruch eigentlich eine Übung verbinden wollen. Kommandant Peter Seeburger aber musste Meldung machen, dass es trotz mehrerer Kanister Benzin nicht gelungen sei, das Haus anzuzünden. Der Grund lag in der Lage.

Wabernd dichter Nebel im wunderbaren Waldesdickicht hatte einen schützend feuchten Film über das Anwesen gelegt. Die SÜDWEST PRESSE hielt nüchtern fest: "Den Feuerwehrmännern blieb nichts anderes übrig, als eine Trockenübung durchzuführen." Das war zum Abgesang auf diese Lokalität irritierend, hatte das Steinhäule als "Sommervergnügungsplatz" doch seit jeher stark mit kühlem Nass zu tun.

Schon vor über 200 Jahren, als es Neu-Ulm noch gar nicht gab, war es ein beliebtes Ausflugsziel für die Ulmer, kein Wunder: Denn der Waldhüter dort hatte das Recht, Bier auszuschenken - ein Idyll. Im feuchten Tann leider auch für Schwärme von Schnaken. Die Gäste kamen donauabwärts nicht nur das Ufer entlang, sondern auch auf dem Fluss daher. So hat das Steinhäule als Ziel von Ausflüglern auch nachhaltig Ulmer Traditionsfeste befördert.

Erstens pflegten Oberschüler bis von der Iller her hinunterzubaden, die Klamotten in der Zille verstaut. Das hieß damals schon Nabada, das heute als Massenspektakel auf der Donau den Schwörmontag krönt. Zweitens übten junge Schiffsleute mit ihren Mädchen im Schlepptau den Brauch des Bäuerlein-Herunterbadens, wie er volkstümlich noch heute im Fischerstechen auftaucht, wenn der Figur der Bäuerin der Hintern versohlt wird. Begossen wurde diese Gaudi dann im Steinhäule.

Seine Glanzzeit hatte es logischerweise in Ulms bayerischen Jahren bis 1810, wo es zum Biergarten gedieh. Dann wurde das Steinhäule vom württembergisch gewordenen Ulm per Grenze abgetrennt, jetzt hatte die Friedrichsau den Vorzug. Das Ausflugslokal lebte aber weiter, später mit Campingplatz. Anfang der 1980er schloss es und wich 1988 einem Parkplatz der Firma Reinz.