Neu-Ulm Zahl der Krippenplätze in Neu-Ulm soll steigen

CHIRIN KOLB 14.07.2016
Überdurchschnittlich viele Krippenplätze, weitgehend ausreichende Kindergartenplätze – die Stadträte sind zufrieden. Doch es besteht weiterer Bedarf.

Wo steht Neu-Ulm in der Kinderbetreuung und bei den Schulen? Wo muss die Entwicklung hingehen? Diese Fragen beantwortet die Stadtverwaltung mit einem jährlichen Bericht, und was die Stadträte im Bildungsausschuss hörten, quittierten sie ausgesprochen wohlwollend. „Wir sind gut aufgestellt“, meinten Rudolf Erne (SPD) und Juliane Lidl-Böck (CSU). Albert Obert (PRO) findet sogar: „Ausgezeichnet.“

Die Zahlen, die die Stadträte so erfreuten: Für unter Dreijährige gibt es 376 Krippenplätze und 100 Plätze bei Tagesmüttern. Das entspricht einer Quote von 43,5 Prozent. Das bedeutet: Für 43,5 Prozent aller Kleinkinder in Neu-Ulm steht ein Betreuungsplatz zur Verfügung. „Das sind zehn Prozent mehr als im Bundesdurchschnitt“, sagte Fachbereichsleiter Ralph Seiffert. Allerdings zeige die Nachfrage, dass die Zahl der Krippenplätze weiter ausgebaut werden muss. Die Zielmarke in Neu-Ulm: 45 Prozent bis 2019.

Die Zahl der Kindergartenplätze bezeichnete Seiffert als „gut und weitgehend ausreichend“. Neu-Ulm erreicht eine so genannte Versorgungsquote von 115 Prozent. Das heißt: Es gibt zum Start eines Kindergartenjahres im September Plätze für alle Kinder, die bis zum darauffolgenden Januar drei Jahre alt werden.

Eltern, deren Kinder erst im Frühjahr Geburtstag haben und dennoch nahtlos von der Krippe in den Kindergarten wechseln sollen, hatten Sorge, keinen Platz zu bekommen. Weitgehend Abhilfe habe das zentrale Anmeldesystem geschaffen, berichtete Seiffert. „Es sorgt für Beruhigung bei den Eltern.“

In der Kinderbetreuungs- und Schulentwicklungsplanung muss die Stadt immer wieder auf Neues reagieren. Aktuell:

Flüchtlinge Nach Prognosen des Bundes wirken sie sich in deutlich geringerem Maß auf Kita-Plätze und Klassengrößen aus als zunächst gedacht, sagte Seiffert. Der Grund: Viele Flüchtlinge sind junge Männer ohne Familie. Dennoch werde die Stadt unter Umständen kurzfristig reagieren müssen, falls der Bedarf steigt.

Inklusion Der Bedarf nimmt auf jeden Fall bei Integrativplätzen in Kitas zu. Die Zahl der Kinder mit besonderem Förderbedarf steige – auch, aber nicht nur, weil viele Flüchtlingskinder schwer traumatisiert sind. Neu-Ulm verfügt derzeit über 30 Integrativplätze, „es müssen mehr werden“, sagte Seiffert.

Ganztagsklassen Die Nachfrage nach Ganztagsbetreuung an Grundschulen steigt. Und das, obwohl schon 69 Prozent aller Neu-Ulmer Grundschüler ganztags an der Schule sind. „Ein enorm hoher Wert, aber vermutlich noch nicht die Sättigungszahl.“

Grundschule Burlafingen Große Probleme kommen auf die Stadt an der Grundschule Burlafingen zu. Für das im September beginnende Schuljahr wird die Schülerzahl in der verlängerten Mittagsbetreuung um fast 50 Prozent steigen. Die Räume sind ausgelastet, weitere Kapazitäten gibt es nicht. Die Verwaltung fasst als Lösung der akuten Probleme zwei Möglichkeiten ins Auge: die Aufstellung von Containern oder den Ausbau des Dachgeschosses.

Die Containerlösung ist günstiger und schneller realisierbar, der Ausbau des Dachgeschosses dagegen teuer und langwieriger. Seiffert rechnet allein für die Isolierung des Dachs mit 200 000 Euro – von Ausbau noch keine Rede. Auch wäre der Bau eines zweiten Fluchtwegs nötig. Die Stadträte werden sich demnächst detailliert mit diesem Thema befassen müssen.

Karl-Salzmann-Schule Probleme gibt es auch an der Karl-Salzmann-Mittelschule: Die Schülerzahlen gehen deutlich zurück. Vor ein paar Jahren besuchten noch 400 Schüler die Pfuhler Schule, mittlerweile sind es knapp 200, sagte Rektorin Martina Schweizer auf Anfrage. Für sie eine äußerst bedenkliche Entwicklung. Denn die erst 2015 für 3,1 Millionen Euro sanierte Schule ist nicht mehr ausgelastet. Bei so geringen Schülerzahlen komme keine M-Klasse mehr zustande, die die Mittelschüler (früher: Hauptschüler) zur Mittleren Reife führt. Eine Mittelschule ohne M-Klasse sei aber keine Mittelschule mehr.

Die Karl-Salzmann-Schule gehört dem Verbund mit den Mittelschulen in Elchingen und Straß an. M-Klassen für alle drei Schulen gibt es nur in Pfuhl. Gute Mittelschüler erhalten so die Möglichkeit, einen höheren Bildungsabschluss zu erwerben. Die Karl-Salzmann-Schule sei da sehr erfolgreich, sagt die Leiterin. „Alle Mittelschüler haben in diesem Schuljahr die Mittlere Reife geschafft.“

Um der Karl-Salzmann-Schule wieder mehr Schüler zu beschaffen, käme eine Auflösung des Schulverbunds mit Elchingen und Straß in Betracht, sagte Fachbereichsleiter Seiffert in der Ausschusssitzung. „Das ist aber ein heißes Eisen und ginge nicht schmerzfrei.“ Er denkt über einen reinen Neu-Ulmer Mittelschulverbund nach, zu dem außer der Karl-Salzmann-Schule noch die Emil-Schmid- und die Peter-Schöllhorn-Schule zählen würden. Die beiden letzteren bilden schon jetzt einen Schulverbund.

Den Neu-Ulmer Sprengel zugunsten der Karl-Salzmann-Schule zu verschieben, hält Seiffert nicht für eine gute Lösung, da sie zu Lasten der Peter-Schöllhorn-Schule ginge.

Wo bleiben die Horte?

Kritik Die Zukunft der drei Horte hatte vor Wochen für Aufregung gesorgt. Auslöser waren Überlegungen, den städtischen Zuschuss zu streichen. Die Träger und Eltern befürchteten das Aus. Der Neu-Ulmer Stadtrat sicherte schließlich per Beschluss den vorläufigen Bestand der Horte zu. Im aktuellen Schulentwicklungsplan tauchen die Horte allerdings mit keinem Wort auf, bemängelt die FWG. Sie wollte erreichen, dass der Satz „Der Bestand der Horte der freien Träger wird nicht in Frage gestellt“ aufgenommen wird, konnte sich im zuständigen Ausschuss aber nicht gegen die Mehrheit von CSU, SPD und PRO durchsetzen. Die Stadtverwaltung argumentierte, nicht jeder Stadtratsbeschluss müsse sich im Schulentwicklungsplan wiederfinden, habe aber dennoch Gültigkeit. Bernhard Maier (CSU) wollte vermitteln und regte an, dass die Horte in den nächsten Plan für 2017 aufgenommen werden. Fachbereichsleiter Ralph Seiffert sagte das zu.