Illertissen Xavier de Maistre und Freunde in Illertissen

Illertissen / JÜRGEN KANOLD 12.05.2014
Ein Weltklasse-Trio in ungewöhnlicher Besetzung: Xavier de Maistre (Harfe), Baiba Skride (Violine) und Daniel Müller-Schott (Cello) in Illertissen.

In Illertissen ist er schon "unser Xavier". Zum wiederholten Male präsentierte Fritz Unglert vom "Freundeskreis Kultur im Schloss" den Harfenisten Xavier de Maistre in einem Konzert. Der Franzose, zunächst ein Wiener Philharmoniker und seit 2010 mit einer Solo-Karriere erfolgreich, demonstrierte erneut in der Festhalle des Kollegs seine Weltklasse: Virtuosität, brillanter Ton, Esprit in Gabriel Faurés wunderschönem Impromptu in Des-Dur op. 86. Riesenjubel.

De Maistre war schon mit der Sopranistin Diana Damrau in Illertissen, oder auch mit dem Kammerorchester "Larte del mondo", am Samstagabend gastierte der smarte Harfenist mit dem romantischen Blick im Trio, zusammen mit der Geigerin Baiba Skride und dem Cellisten Daniel Müller-Schott. Was Rang und Namen hat in der Klassik: Die Lettin eröffnet zum Beispiel am kommenden Donnerstag die Ludwigsburger Schlossfestspiele (mit Brittens Violinkonzert), der Deutsche hat gerade Dvoraks Cellokonzert auf CD herausgebracht und mit diesem Werk auch bei den Berliner Philharmonikern debütiert. Ihre Agentur schickte die drei Musiker in der vergangenen Woche aber auch mal als prominentes Trio quer durchs Land, zuletzt Bonn, Illertissen, Baden-Baden.

Was eine solche Formation mit Harfe bietet? Originales aus Frankreich - mit Jacques Iberts Trio aus dem Jahre 1944 begann der Abend vor mehr als 400 begeisterten Zuhörern. Selten gehört: Wie die Harfe nicht nur mit Glissandi und Arpeggien für die übliche impressionistische Stimmung sorgt oder einen möglichen Klavierpart vertritt, sondern in Iberts forciertem neoklassizistischen Bravourstück den Dreikampf annimmt.

Skride und Müller-Schott führten dann die Sonate für Violine und Violincello von Maurice Ravel aus den 1920er Jahren auf, dem Gedächtnis Claude Debussys gewidmet. Kein Klangspektakel, nichts Bolérohaftes, das Werk hört sich an, als hätte ein kompromissloser Béla Bartók nicht in Südosteuropa Volksmusik gesammelt und rhythmisch modern verwertet, sondern in Frankreich. Hoch spannend - das starke Duo stellte Ravels Musik in feiner Härte vor.

Schließlich ein Werk der legendären Harfenistin Henriette Renié (1875-1956), die auch für ihr Instrument komponierte: spätromantisch, melodienreich. Bei diesem mitreißenden Trio für Violine, Cello und Harfe trumpften neben Xavier de Maistre auch Baiba Skride und Daniel Müller-Schott auf; der Cellist hatte in diesem Stück Gelegenheit, seinen klangsatten, altmeisterlich warmen Ton zu zeigen.

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