Jazz Wollnys Akkorde und Attacken

Klangsuche und Rasanz: Michael Wollny (Klavier), Christian Weber (Bass) und Eric Schaefer (Schlagzeug).
Klangsuche und Rasanz: Michael Wollny (Klavier), Christian Weber (Bass) und Eric Schaefer (Schlagzeug). © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Jürgen Kanold 24.10.2018

Vielleicht wäre er in unserer auch nicht nur schönen Welt gerne ein Rachmaninow, ein romantischer Virtuose, der das Graue und das Grauen wegspielt. Oder ein Debussy, ein Impressionist, den es in ein Jazz-Lokal verschlagen hat. Michael Wollny liebt klangvolle Akkorde – bis er sich daran erinnert, dass er auch den grandiosen Hochrasanz-Jazzer geben kann und will. Und schon explodiert seine Musik.

Manchmal frickelt Wollny lässig mit den Fingern an den Saiten des Steinway-Flügels herum,  um die Töne zu tupfen oder zu färben oder dann die Tasten anzuschlagen wie ein Toy-Piano. Dann wieder zappelt und stampft der 40-jährige Schweinfurter, der mit seinen verwuschelten Haaren und dem verträumten jungenhaften Blick auftritt, als hätte man ihn direkt aus dem Bett gezogen, plötzlich wie wild am Klavier; jetzt könnte man ihm alles zutrauen, etwa dass er ganz in den aufgeklappten Flügel steigt, um neue Töne herauszuholen. Wollny perlt auf den Tasten herum, fein und verzierend, verliert sich fast im Klang, dann drischt er, in Ekstase, mit den flachen Händen aufs Klavier.

Wie es sich halt so ergibt, im Moment: ausgeklügelt improvisiert. Genie und Wahnsinn, um es mal ganz groß zu sagen. Michael Wollny ist auf jeden Fall Deutschlands gefeiertster Jazz-Pianist, wobei das mit dem Jazz, siehe oben, auch immer eine Definitionssache ist. So war er jetzt, zum wiederholten Male, beim Verein für moderne Musik im Wortsinne ideal am Start. Ein voll besetzter Stadthaussaal – auf der Bühne spielte aber ein Trio: Wollny erstmals in Ulm gewissermaßen in der Originalbesetzung, mit Christian Weber (Bass) und Eric Schaefer am Schlagzeug.

Die aktuelle Reihe des Vereins heißt ja auch „zu dritt“. Und das lösten die Musiker definitiv verschworen ein. Toll, wie Weber sich mit Wollny emotional koordiniert. Und Schaefer natürlich, der auch ein kompositorischer Kopf ist („Kyoto mon Amour“) und das Schlagzeug hochpräzise, impulsgebend tatsächlich als Instrument spielt.

Pausenlos eineinhalb Stunden faszinierend vielfältige Musik, aus diversen Alben, Wollnys sehr eigene Klang-„Farbenlehre“. Nach 20 Minuten sprach er kurz nett zum Publikum: „Geht’s gut soweit?“ Klar, bestens. Das sollte anhalten. Riesenapplaus.

Die Konzertreihe „zu dritt“

„We Three“ – diesen selbstbewussten Titel gab Drummer Adam Nussbaum einst seinem Trio, auch die Neuauflage mit Andy Hunter und Johannes Mössinger passt natürlich perfekt in die Reihe „zu dritt“ des Vereins für moderne Musik. Die drei Jazzer gastieren am Sonntag, 11. November, 20 Uhr, im Stadthaus.

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