Ulm / JAKOB RESCH Runde zwei in der 2011 angestoßenen Wohnungsdebatte: Die Ulmer Stadträte haben gestern zugestimmt, einen Maßnahmenkatalog zur Kräftigung des Mietwohnungsbaus auszuarbeiten.

Baubürgermeister Alexander Wetzig formulierte das Ziel am Ende der zweieinhalbstündigen Debatte gestern klar: Wir brauchen einen höheren Anteil an Mietwohnungen im Neubau." Den schaffe die städtische Wohnungsgesellschaft in ausreichendem Maße nicht allein. "Andere müssen sich mit einbringen." Also private Bauträger und Unternehmen. Erkenntnis der seit einem Jahr neu ausgerichteten Wohnungsdebatte im Ulmer Gemeinderat also: Die bisherigen Aktivitäten auf dem Wohnungsmarkt reichten "in Teilbereichen" nicht aus.

Das heißt auch, dass Ulm nicht schlecht dasteht: Es wird wieder mehr gebaut. Aber nicht nur, weil Wohnungen gesucht sind, nein, vor allem wegen struktureller und wirtschaftlicher Gründe: So locken günstige Baudarlehen, und Immobilien sind in der Finanz- und Eurokrise eine gefragte Geldanlage. Gleichzeitig hat sich Wohnen verteuert. So ist der Kaufpreis in Neubau und Bestand stark gestiegen, beim Erstkauf von Eigentumswohnungen seit 2007 sogar um die Hälfte. Und die Durchschnittsmiete hat sich im gleichen Zeitraum um zwölf Prozent erhöht, auf 7,90 Euro.

Das lässt bei den Grünen die Alarmglocken schrillen. Sie streiten für preisgünstigen Wohnraum. Annette Weinreich: "Die Wohnungen, die jetzt gebaut werden, bedienen nicht die Leute, um die es geht." Unterstützt werden sie von der CDU, für die Winfried Walter mahnte, man müsse an die "Durchschnittsbürger" und insbesondere an Familien mit Kindern, Alleinerziehende und ältere Menschen denken.

FWG, FDP und SPD dagegen sahen "persönlichen Populismus (Gerhard Bühler) am Werke und warnten vor einem "Systemwechsel" in der Wohnungsdebatte (Dorothee Kühne). Tatsächlich wollten FWG und FDP der Stadtverwaltung keinen Auftrag für eine Konzeption erteilen, nach der künftig 20 Prozent im Geschosswohnungsbau als preisgünstiger Wohnraum zur Miete entstehen soll. Wetzig konterte: "20 Prozent im Geschosswohnungsbau - also bitte!" Da könne man doch schwerlich dagegen sein. Immerhin soll die Verwaltung das jetzt mal ausarbeiten. Weitere Maßnahmen:

Die Stadt fordert die Überarbeitung der Wohnraumförderung im Land mit Erhöhung des Fördervolumens und inhaltlichen Korrekturen;

die Stadt schaut danach, dass zur Nutzungsmischung in der Kernstadt auf 20 Prozent der Geschossfläche Wohnungen entstehen.

Annette Weinreich war es zufrieden: "Wir haben einiges bewegt."