Stadtentwicklung Wohnungen oder Freifläche an der Stockmahd?

Ulm / Christine Liebhardt 18.07.2018
Bis zu 450 Wohnungen könnten an der Stockmahd entstehen. Die CDU will die Fläche freihalten und träumt von einem Donauhafen.

Kurz vor dem Sommerloch kommen manchem Stadtrat abenteuerliche Ideen: Siegfried Keppler von der CDU träumte jetzt im Stadtentwicklungsausschuss von einem Donauhafen an der Messe – dazu gleich mehr. Realistischer allerdings ist der Plan der Stadtverwaltung, auf dem Messe-Parkplatz an der Stockmahd Wohnungen zu bauen. „Das ist eine tolle Idee, die vielleicht nur von außen kommen kann“, schwärmt Chef-Stadtplaner Volker Jescheck vom Entwurf des Architekturbüros Hähnig-Gemmeke.

Der Clou: Die Architekten wagen den Gedanken, die Wielandstraße auf Höhe des Oberen Au­sees abzuknicken und nach Norden an die Bahngleise zu verlegen. „Das führt zu einem direkten Anschluss an die Friedrichsau“, erläuterte Jescheck im Ausschuss. Dessen Mitglieder waren in der Mehrzahl begeistert.

Bindeglied zur Friedrichsau

Denn auf den drei Baufeldern fänden auf durchgängig sechs Geschossen – laut Jescheck kein Problem „neben dem Wohngebirge Eberhardtstraße“ – 450 Wohnungen Platz, deren Bewohner nicht nur die vorhandene Infrastruktur mit Supermarkt und Apotheke nutzen könnten, sondern auch die Straßenbahn direkt vor der Haustür hätten. Die Messe-Parkplätze werden in ein Parkhaus mit 700 Plätzen verlegt. Jescheck sieht eine „vernünftige Grundlage: Das ist ein Bindeglied zwischen Eberhardtstraße und Friedrichsau, und wir verbauen uns nichts.“

Letzteres sahen ein paar wenige Ausschussmitglieder anders, allen voran CDU-Stadtrat Siegfried Keppler: „Wir sollten die Diskussion nicht nur auf den Wohnungsbau verengen“, forderte er. Auch die Messe sei ein wichtiger Faktor für die Region. Keppler berichtete von Gesprächen auf dem Donaufest, in denen immer wieder die Rede von der Donau als Verkehrsfluss gewesen sei – was in der Forderung nach einem Donauhafen gipfelte: „Die Schiffe müssen auch irgendwo anlegen.“

Folgen abwägen

Jedenfalls sei sich die Fraktion einig, dass sie trotz der guten Idee erst eine langfristige Folgenabschätzung von der Verwaltung wolle, bevor sie der weiteren Projektentwicklung zustimmt. Durch die Bebauung schaffe man „unverrückbare Tatsachen“, dann seien solche Flächen für die Zukunft weg, auch für eine Messe-Erweiterung. Keppler und sein Fraktionskollege Winfried Walter ließen sich auch nicht von Baubürgermeister Tim von Winnings Zusage umstimmen, parallel zur Weiterentwicklung des Stockmahd-Projekts eine Folgenabschätzung zu erarbeiten. Bei der Abstimmung, die von der Verwaltung empfohlene Variante weiterzuentwickeln, enthielten sich beide – trotz des Werbens des Baubürgermeisters, gut erschlossene Flächen nicht liegen zu lassen „in der Hoffnung, dass etwas kommt“.

Weiterer Zuspruch

Eine Abschätzung der Folgen wünschte sich auch Brigitte Dahlbender (SPD), sowohl für die Messe als auch für die Friedrichsau, die dann „festzementiert“ sei. Begeistert zeigten sich Gerhard Bühler für die FWG – „selbst wenn wir die Messe erweitern wollen, gibt’s noch Platz genug“ – und Michael Joukov (Grüne): „Das Gebiet ist erschlossen, stadtnah und im Grünen.“

Private Innenhöfe und ein Messe-Parkhaus

Varianten Drei unterschiedliche Entwürfe hat das von der Stadt beauftragte Planungsbüro Hähnig-Gemmeke erstellt. Variante A1 sah einen größeren Wohnkomplex und Einzelhäuser vor, Variante A2 einen Wohncampus. Die Grafik zeigt Variante B, die jetzt weiterentwickelt wird: Die Wielandstraße ist nach Norden verlegt. Auf 24 000 Quadratmetern Baugebiet
ist Platz für 450 Wohnungen in zwei Karrees, die sich um private Innenhöfe herumgruppieren. Im Erdgeschoss der Gebäude sind Gewerbe- und Büroflächen vorgesehen. Auf dem dritten Baufeld ist Platz für das Messe-Parkhaus sowie weitere Wohngebäude entlang eines von Bäumen gesäumten Boulevards.

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