Stadtplanung Eselsberg: Wohnungen für 2000 Menschen

Ulm / Chirin Kolb 04.04.2018
Auf dem Eselsberg entstehen „Am Weinberg“ 900 Wohnungen. Die Häuser werden höher als im Siegerentwurf vorgesehen.

Es ist das größte städtebauliche Projekt derzeit in Ulm: Auf dem Gelände der ehemaligen Hindenburg-Kaserne auf dem Eselsberg sollen 900 Wohnungen, einige Büros, Geschäfte und andere Gewerbeflächen sowie Räume für soziale und kulturelle Nutzung entstehen. Rund 2000 Menschen werden in dem Viertel wohnen, das nach einem Namenswettbewerb nun „Am Weinberg“ heißt. Der Bauausschuss hat die öffentliche Auslegung des Bebauungsplans beschlossen. Dabei gab es allerdings Widerstand.

Die drei CDU-Stadträte im Ausschuss stimmten dagegen, weil sie mit der Höhe der Häuser nicht einverstanden sind. Der im städtebaulichen Wettbewerb zum Sieger gekürte Entwurf der Arbeitsgemeinschaft Einsiedel Architekten aus Stuttgart und Coqui Malachowska Landschaftsarchitekten aus Berlin sieht vier Geschosse plus Staffelgeschoss vor. Nun sind an einigen Stellen fünf Geschosse plus Staffelgeschoss geplant. „Ein Geschoss mehr ist schon was“, meint Bertram Holz (CDU). Er mache sich Sorgen um die Attraktivität des Wohngebiets. „Die Bewohner sollen sich wohl fühlen.“

Das werden sie, davon sind Baubürgermeister Tim von Winning, Chef-Stadtplaner Volker Jescheck und die Mehrheit der Stadträte überzeugt. „Die Qualität eines Gebiets wird nicht von der Dichte definiert“, sagte von Winning. Ausschlaggebend seien vielmehr ein guter Mix von Bewohnern, Belebung, genügend Grün und  Freiflächen, ergänzte Jescheck. Davon gebe es gerade in diesem Gebiet reichlich.

Ein Viertel, das direkten Straßenbahnanschluss hat, dürfe ruhig dichter bebaut sein, meinen Stadträte. Das Quartier sei „eine Annäherung Ulms an die Baukultur des 21. Jahrhunderts“, sagte Brigitte Dahlbender (SPD). Im Übrigen sei es üblich, dass Entwürfe weiterentwickelt werden. Die FWG hält die Höhe an dieser Stelle noch für vertretbar.

So soll das Viertel „Am Weinberg“ aussehen:

Bebauung Die Häuser sind größtenteils in Blöcken angeordnet, ihre Innenhöfe sind begrünt. Richtung Westen, also Richtung Weinbergweg, gehen die Blöcke in einzeln stehende Häuser über. Als „städtebaulicher Höhepunkt“ ist an der Kreuzung Mähringer Weg/Weinbergweg ein achtgeschossiges Gebäude geplant.

Erschließung Zwei Straßen führen in das Wohngebiet: eine von Norden vom Weinbergweg und eine von Osten vom Mähringer Weg. Von den Erschließungsstraßen gehen die verkehrsberuhigten Wohnstraßen ab.

Parkplätze Für die Bewohner gibt es Stellplätze in Tiefgaragen sowie in einem zweigeschossigen Parkhaus Richtung Weinbergweg. Öffentliche Parkplätze sind entlang der Straßen geplant. Wer sein Auto dort abstellt, soll Parkgebühren zahlen. So will die Stadt verhindern, dass das Quartier tagsüber zugeparkt wird beispielsweise von Angestellten der Uni und der Wissenschaftsstadt. Der „Weinberg“ soll zudem ein Modell für E-Mobilität werden.

Nahverkehr Am Quartier hält die künftige Linie 2 am Mähringer Weg an der neuen Haltestelle „Eselsberg Hasenkopf“.

Quartiersplatz Um die frühere Panzerhalle herum, die stehen bleibt, wird ein Stadtteilplatz angelegt. Als Veranstaltungen denkbar sind ein Wochenmarkt und Stadtteilfeste – Aktivitäten jedenfalls, die auch Bewohner des alten Eselsbergs ins Viertel locken.

Grünflächen Um den „Weinberg“ herum ist es sehr grün. Doch auch im Quartier  sind Freiflächen, Bepflanzung und der Erhalt bestehender Bäume geplant. Eine neue Fußgängerbrücke könnte das Viertel mit dem Fort Unterer Eselsberg verbinden.

Von der Kaserne zum Wohngebiet

Konversion Die militärische Nutzung des fast neun Hektar großen Geländes am Eselsberg endete 2015, als die Bundeswehr die in den 30er Jahren gebaute Hindenburgkaserne aufgab. Die Stadt kaufte das Areal 2017 vom Bund. Dort soll ein Wohngebiet mit einem geringen Anteil an „nicht störendem Gewerbe“ entstehen. Die drei Mannschaftsgebäude entlang des Mähringer Wegs bleiben ebenso erhalten wie die frühere Panzerhalle. In den Gebäuden leben derzeit Flüchtlinge.

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