In vielen deutschen Städten herrscht Wohnraummangel. Auch in Ulm hat sich der Wohnungsmarkt in den vergangenen Jahren verändert. „Wir haben hier eine hohe Nachfrage, die zu steigenden Preisen führt“, sagt Tim von Winning, Baubürgermeister der Stadt.

In Ulm und Neu-Ulm beträgt die durchschnittliche Kaltmiete laut städtischem Mietspiegel (2017) 7,43 Euro pro Quadratmeter. Sie liegt damit über dem deutschlandweiten Durchschnitt von 6,72 Euro, den das private Forschungsinstitut F+B in seinem Mietspiegelindex 2017 angibt. In diesem Index sind nur Städte enthalten, die einen Mietspiegel anbieten.

Deutlich höher sind die Mieten demnach in München (10,22 Euro) oder Stuttgart (9,92 Euro). Günstiger wohnen kann man beispielsweise in Berlin (7,08 Euro im Westen, 6,40 Euro im Osten) oder in Dresden (6,10 Euro).

Durchschnittsmieten in deutschen Städten (2017)

Die Durchschnittsangaben sagen aber nichts über die Preisspanne der Mieten in einer Stadt aus. Interessanter ist für Mieter deshalb die sogenannte „ortsübliche Vergleichsmiete“. Was zahlt man für eine Wohnung in der gleichen Lage, mit ähnlicher Ausstattung und Größe und einem vergleichbaren Baujahr? All diese Faktoren wirken sich auf die Miethöhe aus. Unter mietrechner.net/ulm können Mieter aus Ulm und Neu-Ulm die Vergleichsmiete für ihre Wohnung nachschlagen.

Tim von Winning möchte trotz steigender Mietpreise nicht von einer „Wohnungsnot“ sprechen: Im Durchschnitt habe jeder doppelt so viel Wohnraum wie vor 60 Jahren. „Es gibt aber ein Verteilungsproblem“, so der Baubürgermeister. Das heißt: Ärmere Menschen und diejenigen mit Sprachbarrieren tun sich besonders schwer, eine Wohnung zu finden.

Ulm setzt auf Neubauten

Doch nicht nur das: Während die Deutschen im Schnitt 27 Prozent ihres Haushaltsnettoeinkommens für das Wohnen ausgeben, sind es bei armutsgefährdeten Menschen 51 Prozent. Das zeigen Daten des Statistischen Bundesamtes. Bei denjenigen, die armutsgefährdet sind und alleine leben, machen die Wohnkosten durchschnittlich sogar ganze 60 Prozent des Nettoeinkommens aus. Die Folge: Jeder vierte von Armut Betroffene fühlt sich durch die Wohnkosten belastet.

Um den hiesigen Wohnungsmarkt zu entspannen, setzt die Stadt Ulm unter anderem auf Neubauten: 2016 gab sie bekannt, dass bis 2021 3.500 neue Wohneinheiten gebaut werden sollen. Also 700 pro Jahr. „In den ersten Jahren liegen wir unter dem Schnitt, in den weiteren dann eher darüber“, erklärt von Winning. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass auch die Bauindustrie mitmache.

Seit über einem Jahr unterstützt die Stadt außerdem mit dem Projekt „Drehscheibe Wohnraum“ Menschen, die sozialpädagogisch betreut werden und Hilfe bei der Wohnungssuche benötigen. Nach einem eher ruhigeren Anlauf des Projekts im ersten Halbjahr, werde das Angebot von Vermietern mittlerweile sehr gut angenommen, erzählt Projektleiterin Amélie Jauch. „Es kommen viele Vermieter auf uns zu, die schlechte Erfahrungen gemacht haben, zum Beispiel mit Mietnomaden“, so Jauch. Im ersten Jahr habe das Projekt neun Wohnungen an Mieter vermittelt.

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