Ulm / NICOLE REUSS Wohnen in Ulm ist schön. Da war man sich vom Oberbürgermeister bis zum Caritas-Regionalleiter im Stadthaus einig. Aber ist es auch ganz schön teuer? Eine Podiumsdiskussion der Wirtschaftsjunioren.

Explodierende Mietkosten in Ulm? Nur gefühlt. Wohnungsnot? Keineswegs, betonte Ivo Gönner. Allenfalls könne von Knappheit die Rede sein, sagte der OB am Montagabend bei einer Podiumsdiskussion der Wirtschaftsjunioren im Stadthaus. These des 10. Ulmer Wortwechsels: „Wohnen in Ulm: Ganz schön. . . teuer!“ Und Wolfgang Pohl, Caritas-Regionalleiter in Ulm, widersprach Gönner dann auch sogleich: Längst nicht für alle gebe es ausreichend bezahlbaren Wohnraum, für Alleinerziehende etwa oder Senioren.

Auch Studierenden komme Ulm teuer zu stehen, sagte die Sozial-Referentin der Studierendenvertretung der Uni Ulm, Maria Nothing. Das belegten schon die letzten Zahlen des Studentenwerks. Bereits vor vier Jahren mussten sie im Schnitt knapp 300 Euro Miete aufbringen – rund 75 Euro mehr als im Bafögsatz vorgesehen. Vor allem zu Beginn des Wintersemesters sei die Situation stets schwierig. Manch Vermieter schlage aus dieser Not Kapital. Bezeichnend war da die Aussage des Geschäftsführers von Munk Immobilien, der als Vierter auf dem Podium saß. Volker Munk ließ die von Privat vermieteten Studentenbuden explizit außen vor, als er Ulmer Durchschnitts-Mietpreise nannte: 8 bis 10 Euro pro Quadratmeter. Sicherlich gebe es Auswüchse, hier und da 12 Euro. Das aber nur in absoluten Spitzenlagen. Wer kauft, muss laut Munk mit Quadratmeterpreisen von 2800 bis 3300 Euro rechnen. Die kursierenden 3500 Euro hält er für zu hoch gegriffen.

Ulm ist gefragt. Jährlich ziehen mehr Menschen zu, die Innenstadt wird als Wohnquartier immer beliebter. Zudem seien die Ansprüche gestiegen. Vor Jahren habe es einen Pro-Kopf-Bedarf von 25 bis 30 Quadratmeter gegeben, heute sind es 42, sagte Gönner. Schon das allein steigere den Wohnraumbedarf um ein Drittel.

1300 Menschen suchen derzeit in Ulm über die Stadt eine Wohnung. Hinzu kommen 60 bis 70 Menschen in „prekären“ Lebenslagen. „Von den 1300 aber steht keiner auf der Straße“, betonte Gönner. Sie suchten lediglich eine neue, oft größere Bleibe. Und: „Bei der Stadt gibt es keine teuren Wohnungen.“ 7000 Wohnungen sind derzeit in Händen der Ulmer Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft (UWS). In allen liege die Miete unter dem Mietspiegel-Mittel.

Doch wie sieht es auf dem privaten Wohnungsmarkt aus? Angesichts der zu erzielenden Gewinne komme durchaus die Frage auf, ob es in der Immobilienbranche überhaupt Interesse an einer Entspannung auf dem Wohnungsmarkt gebe, stellte Moderator Willi Böhmer (SÜDWEST PRESSE) in den Raum. „Wir leben ja vom Verkauf“, widersprach Munk. Allerdings fehle gerade bei Nachverdichtungen in der Stadt das Verständnis. Drei, vier Jahre daure es häufig, bis nach dem Grundstückserwerb alle – teils auch juristischen – Hindernisse aus dem Weg geräumt seien. Und das bei einem Bedarf von jährlich 300 neuen Wohnungen in Ulm.

400 neue will die UWS nun bauen. Und die Stadt denkt über neue Wege der Mietraumbeschaffung nach. Eventuell soll Eigentümern leerstehender Wohnungen mit schlechten Erfahrungen ein Mietvertrag mit der Stadt angeboten werden. Die würde dann Sorge tragen für Miete oder den Austausch unbotmäßiger Mieter. Auch neue Wohngebiete hat man im Blick: In Jungingen und Böfingen hat die Stadt noch Grundstücke, im Bereich der Kaserne am Kuhberg gibt es ein Areal. Zudem will man den Grund der Hindenburgkaserne vom Bund erwerben.