Bis die Stadt und ihre Projektentwicklungsgesellschaft (PEG) alles überprüft haben, wird es noch Monate dauern. Dann erst kann gesagt werden, was aus dem denkmalgeschützten Gebäude des Söflinger Bahnhofs werden soll, sagt Ulrich Soldner, Chef der Ulmer Liegenschaften. Die Stadt hat den Bahnhof wie berichtet im vergangenen Jahr von der Bahn gekauft. Jetzt muss überprüft werden, was renoviert werden muss und darf. Zufällig rückte das Projekt kürzlich sogar in den Fokus der Bundesstiftung Baukultur.

Liegenschaften Soldner nahm in Wiesbaden (Hessen) an dem Workshop „Regionale Baulandkonferenz und Allianz für die Region“ teil, um mal wieder über die erfolgreiche Ulmer Grundstückspolitik zu berichten. „Direkt vor meinem Beitrag kam völlig überraschend unser Bahnhof Söflingen ins Bild“, erzählt Soldner. Der Vorstandsvorsitzende der Bundesstiftung Baukultur mit Sitz in Potsdam, Reiner Nagel, stellte den Kauf des Bahnhofs als „sehr gutes Beispiel für eine verantwortliche kommunale Bodenpolitik“ vor. Klar, dass beide Herren später ins Gespräch kamen. Am 4. und 5. Juli kommt der Architekt und Stadtplaner Nagel sogar zu einer „Baukultur-Werkstatt“ ins Ulmer Stadthaus.

Bundesstiftung Warum begrüßt die Stiftung den Verkauf von Baukultur an eine Kommune? Seit dem Ende der neunziger Jahre habe die Deutsche Bahn bundesweit mehr als 2000 Bahnhöfe an Privatleute, Investoren und die öffentliche Hand veräußert, sagte Nagel auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE. Erhielten Investoren meistbietend den Zuschlag, waren häufig weder die ehemaligen Eigentümer noch die Kommunen, in denen die Bahnhöfe beheimatet sind, zufrieden. „Vielerorts scheiterten die Pläne und zurück blieben ungenutzte Gebäude, die nicht selten Verfall und Vandalismus anheimfielen.“ Der Ankauf des „baukulturell wertvollen Jugendstilbaus“ in Söflingen ermögliche jedoch, diesen Ort wieder mit öffentlichen Leben zu füllen und als Ausgangspunkt für einen integrierten Städtebau zu begreifen. „Nutzungen von Gastronomie bis hin zu Gemeinschaftstreffpunkten, die ins umliegende Wohnquartier ausstrahlen, sind denkbar“, sagt der erfahrene Stadtplaner. Gleichzeitig seien Bahnhöfe die Adressen von Städten, an denen das Ankommen und Abfahren wieder Spaß machen soll. Schließlich bleibt der Söflinger Bahnhof als Haltepunkt mit allen technischen Anlagen im Erdgeschoss .

Deutsche Bahn „Wir, die DB Netz AG, haben einen Dauermietvertrag zur Nutzung von Räumen für die betriebsnotwendige Kommunikationstechnik“, sagt der Bahnsprecher vom Regionalbüro in Stuttgart. Ansonsten könne die Stadt als Eigentümer frei über die weitere Nutzung des Gebäudes entscheiden. Er nennt auch gleich zwei vorbildliche Beispiele: die Bahnhöfe in Leutkirch und Langenau. In Leutkirch hatte die Stadt zur Bürgerbeteiligung aufgerufen. Heute ist das Gebäude ein gut besuchter Bürgertreff. Das Langenauer Bahnhofsgebäude, das aus dem Jahr 1876 stammt, wurde bereits vor zehn Jahren an die Stadt verkauft. In dem „Kulturbahnhof“ hat die Verbands-Musikschule sechs Räume belegt und im Dachgeschoss ist ein Veranstaltungs- und Ausstellungsraum für 150 Besucher.

Projektentwicklungsgesellschaft Der Geschäftsführer der PEG, Christian Bried, beginnt erst mit seiner „Grundlagenermittlung“. Dazu gehören die Bestandsaufnahme, der Bauzustand, also: Was muss aufgrund des Denkmalschutzes erhalten, was kann verändert werden, und für welche Nutzungen passen die Räumlichkeiten? Was wird das alles kosten? Außerdem gebe es im Obergeschoss einen Wohnungsmieter, der sich „dort ausgebreitet hat“. Für die Stadt wären auch nach der Sanierung wieder Wohnungen eine Option. Was das Umland (siehe Infokasten) betrifft, blieben die dortigen Kleingärten „erst einmal“. Und zum Bahnhalt selbst sagt Bried: „Eventuell wird er eines Tages ausgebaut, falls das S-Bahnnetz in der Region erweitert wird.“

Das Umland ist eine grüne Fläche


Grunderwerb Die Stadt Ulm hat im vergangenen Jahr von der Deutschen Bahn das denkmalgeschützte Söflinger Bahnhofsgebäude, Baujahr 1907, und vor allem das Terrain drumherum gekauft – für ihren Grundstücksvorrat. Über den Preis wurde jedoch Stillschweigen vereinbart. Die insgesamt 8600 Quadratmeter große und überwiegend grüne Fläche ist ein schmaler Streifen zwischen „In der Wanne“ und den Bahngleisen. Im Westen endet das Grundstück an der Lupferbrücke, im Osten am Abzweig Sonnenhalde.