Ludwigsfeld Wohnbau ohne Protest

Ludwigsfeld / CHIRIN KOLB 29.02.2012
Noch gibt es keine Pläne, nur die Absicht, im Ludwigsfelder Osten rund 170 Wohneinheiten zu bauen. Die Stadt will die Bewohner früh einbinden und lud zum Info-Abend. Es gab wenig Kritik und etliche Anregungen.

Der Saal des katholischen Gemeindehauses war fast zu klein. Eilig wurden weitere Stühle herbeigeschafft, damit alle, die zur Info-Veranstaltung der Stadtverwaltung gekommen waren, auch einen Sitzplatz fanden. An die 90 Leute hörten sich an, was die Stadt Neu-Ulm im Stadtteil plant und diskutierten anschließend mit.

Ludwigsfeld soll wachsen, um 160 bis 170 Wohneinheiten östlich der Königsberger Straße. Rund 100 davon sollen als Geschosswohnungen entstehen, der Rest als Reihen-, Ketten- und Doppelhäuser und einige freistehende Einfamilienhäuser. Noch steht das Vorhaben freilich ganz am Anfang: Es gibt weder einen Bebauungsplan noch sonstige Pläne. "Wir möchten die Bürger sehr frühzeitig beteiligen und kommen deshalb noch vor dem ersten Schritt zu Ihnen", sagte Chefstadtplaner Jörg Oberle.

Der nächste Schritt ist ein so genanntes Plangutachten. Sechs Architekturbüros werden eingeladen, einen Plan für das Wohngebiet zu entwerfen. Eine Jury aus Fachleuten und Stadträten kürt den besten Entwurf, dann folgen Bebauungsplanverfahren und weitere Runden in der Bürgerbeteiligung. Vor 2013 sei mit der Erschließung nicht zu rechnen, sagte Oberle.

Da es sich um ein großes Neubaugebiet handelt, soll es wahrscheinlich in zwei Bauabschnitten verwirklicht werden, angepasst an die Nachfrage. Dass es Nachfrage gibt, steht außer Zweifel. Zum einen, weil die Einwohnerzahl Neu-Ulms in den nächsten Jahren allen Prognosen nach weiter wachsen wird und weil jetzt schon Wohnungssuchende und Bauwillige bei der Stadt registriert sind. Zum anderen aber auch speziell in Ludwigsfeld, weil der Stadtteil mit seiner Nähe zur Innenstadt, zum Badesee und zu Freizeiteinrichtungen attraktiv ist. Ein Zuhörer zum Beispiel wollte sich am liebsten gleich beim Info-Abend einen Bauplatz reservieren lassen.

Das Interesse am Wohngebiet war bei einigen jedenfalls groß. Ein Vater berichtete von seiner vergeblichen Suche nach einem geräumigen Haus für seine fünfköpfige Familie. Noch wohnt sie in Wiley, und im Neu-Ulmer Süden will sie bleiben, der Stadtnähe wegen. "Dann brauchen wir kein zweites Auto."

Ihm und einigen anderen war das geplante Baugebiet zu klein. Sie schlugen vor, es nach Osten bis zum Feldweg zu erweitern. Nein, entgegnete OB Gerold Noerenberg. "Wir müssen sparsam mit Grund und Boden umgehen und dürfen Bauland nicht über Bedarf schaffen." Schließlich sind auch noch in anderen Stadtteilen Baugebiete geplant, allerdings deutlich kleinere.

Kritik oder gar Protest wie bei vielen anderen Bauvorhaben in Ulm und Neu-Ulm war jedenfalls in Ludwigsfeld nicht zu hören. Nur Anregungen: beispielsweise darauf zu achten, dass die Geschosshäuser nicht zu hoch werden und anderen die Sonne nehmen, an eine Kindertagesstätte zu denken und an eine gute Nahverkehrsanbindung. Auch Fragen zur Straßenbahn kamen. Ob je eine Straßenbahn nach Ludwigsfeld fahren wird, stehe noch in den Sternen, sagte Noerenberg. Und erst recht, welche Strecke.

Was mit der Königsberger Straße geschehen werde, wollten einige wissen. Sie sei krumm und bucklig durch die Wurzeln der Bäume und müsse dringend saniert werden. Das sei noch nicht entschieden, sagte Oberle. Bei einer Sanierung würden aber die Anwohner über Ausbaubeiträge zur Kasse gebeten.

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