Seit drei Wochen wohnt Pia Ortlieb in der Upper West Side, noch kennt sie nicht alle Mitbewohner in der Fünfer-WG der Wohnanlage auf dem Uni-Campus, genauer: in der Manfred-Börner-Straße auf dem Oberen Eselsberg. Was sie aber weiß: Wenn die WG komplett ist – das Sommersemester an der Uni beginnt ja erst nach Ostern –, werden sich zwei Frauen und drei Männer die Küche teilen. Und die sieht tiptop aus. Noch. Nun ja, wie jeder weiß, ist die Küche oft der Knackpunkt in Wohngemeinschaften. „Mir gefällt es hier sehr gut“, sagt die Maschinenbaustudentin. Die Miete? 325 Euro, Nebenkosten und Internetzugang inbegriffen. Da kann man nicht maulen.

Sozialverträglich zu bauen, Wohnraum zu schaffen, der bezahlbar ist, das sei in Zeiten, da die Mieten hoch sind, besonders wichtig, sagte Uni-Präsident Michael Weber. Dort, wo sich Studenten künftig an Geräten stählen – an einen Fitnessraum hat das Studierendenwerk ebenfalls gedacht –, fand Dienstagnachmittag die kleine Eröffnungsfeier für die Wohnanlage Upper West Side statt: mit Staatssekretärin Petra Olschowski, OB Gunter Czisch, Rainer Hofmann, Geschäftsführer von Bogevischs Architektenbüro aus München, und eben Michael Weber, der, ganz nebenbei, in der Lower East Side residiert. Er freut sich über die „städtebaulich gelungene Architektur“, die nicht nur Urbanität auf den Campus bringe, sondern auch der Integration ausländischer Studierender diene.

Claus Kaiser hatte für diese Behauptung die Zahlen parat: 56 Prozent der knapp 400 Wohnheimplätze in der Manfred-Börner-Straße 1, 3 und 5 werden von ausländischen Studierenden belegt. Und die stammen aus sage und schreibe 46 Nationen, sagte der Geschäftsführer des Studierendenwerks Ulm und bezeichnete den Gebäudekomplex als „architektonisches Statement“. Was übrigens auch der Landesverband Baden-Württemberg des Bundes Deutscher Architekten so sieht, der das Münchner Architektenbüro bereits 2014 mit dem Hugo-Häring-Preis für vorbildliches Bauen ausgezeichnet hat.

Damals waren gerade die ersten Studenten eingezogen. Jetzt ist die Wohnanlage fertiggestellt, von der Architekt Rainer Hofmann sagt: Selbst bei Studentenwohnheimen dürfe man sich anstrengen und gute Architektur entwickeln. Eine Architektur, die das Studieren mit dem Leben verbindet, wie die Kinderkrippe zeigt, die im Erdgeschoss integriert wurde. Zwei Gruppen à zehn Kinder werden hier betreut. Uni-Präsident Weber spricht von einem „neuartigen Konzept“, das sich neuen Wohn- und Lebensformen anpasst. Denn immerhin, so Weber, hätten fünf Prozent der Studierenden bereits Kinder.

Jeder Bewohner hat eine eigene Sanitärzelle


Wohnanlage Die Upper West Side in der Manfred-Börner-Straße 1, 3 und 5 hat insgesamt 398 Wohnplätze. 300 davon, nämlich in den Häusern 1 und 3, wurden im Herbst 2013 bezogen. Das Haus 5 komplettiert mit 98 Zimmern in 8 Wohngemeinschaften für je 11 Bewohner und 2 Wohngemeinschaften für 5 Bewohner die Wohnanlage. Jeder Bewohner hat eine eigene Sanitärzelle. Mit Kinderkrippe, Büros für die Wohnraumverwaltung und der Rechts-, Sozial- und Psychosozialen Beratung wurde ein soziales Dienstleistungszentrum geschaffen.

Baukosten Insgesamt betrugen die Kosten 26,5 Millionen Euro, rund 19 Millionen Euro stammen aus Eigenmitteln des Studierendenwerks Ulm. Die Häuser 1 und 3 schlagen mit 16,3 Millionen, Haus 5 mit 6,8 Millionen und die Kinderkrippe mit rund 3 Millionen Euro zu Buche.